214
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1937.
Das Angenehme ist, daß die Bikarbonatlösung in der Prüfapparatur theoretisch
unbegrenzt brauchbar ist, da sich entsprechend dem jeweiligen Kohlensäurendruck
das reversible Gleichgewicht ständig neu einstellt. Praktisch ist die Haltbarkeit
der Lösung insofern beschränkt, als sie sich allmählich mit Säurendämpfen oder
Ammoniak aus der Untersuchungsluft belädt und somit nach einer gewissen Zeit
unbrauchbar wird, Die einfachste Prüfung auf Tauglichkeit besteht darin, daß
man den p,-Wert mittels Durchsaugen von frischer Luft im Freien feststellt.
Die Lösung muß dann 0.03% Kohlensäure anzeigen, ein Wert, der in der Natur
recht konstant ist.
Da die Farbleiter Stufen von je 0.1 py erfaßt, sich Zwischenwerte jedoch
noch gut schätzen lassen, so darf man für die Bestimmung mit einer Genauigkeit
von etwa + 10% des jeweiligen Kohlensäurengehaltes rechnen, ein Wert, der für
viele Untersuchungen der Praxis durchaus genügend ist. Naturgemäß kann man
die Genauigkeit durch verfeinerte Methodik, wie es Y. Kauko und J.J. Carlberg
rorgeschlagen haben, erheblich weiter treiben. Damit geht aber die große Ein-
fachheit der Methode verloren. Für meteorologisch-klimatische, bioklima-
tische, physiologische und hygienische Untersuchungen, wo es auf die
größenordnungsmäßige Erfassung des Kohlensäurengehaltes ankommt, dürfte aber
gerade in der großen Einfachheit und leichten Handhabung der besondere Vorteil
der Methode bestehen, Als weitere Anwendungssgebiete, auf denen die Methode
sicher Ersprießliches zu leisten imstande ist, mögen hier noch genannt sein die
Untersuchung schiffsraum-meteorologischer Fragen, die Überwachung
in größeren Mengen in Kellern oder geschlossenen Räumen gelagerter landwirt-
schaftlicher Produkte, pflanzenphysiologische Fragen des Assimilations- und
Atmungsstoffwechsels, ferner Luftuntersuchungen in Versammlungslokalen,
Schulen oder sonstwie überfüllten Räumen, insbesondere auch auf Schiffen
aus hygienischen Gesichtspunkten oder zwecks Prüfung der Wirksamkeit von
Ventilationsanlagen. Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet dürfte der Methode
auch zukommen als Gefahrenmelder bei der Besteigung von Brunnenschächten,
verlassenen Bergwerksstollen oder der augenblicklich in der Landwirtschaft sehr
zeitgemäßen Grünfutter-Silos, die alljährlich infolge Verseuchung mit Kohlensäure
noch viele Opfer an Menschenleben kosten. Folgende kurze Zusammenstellung
möge zum Schluß einen Überblick über das in diesem Zusammenhang interessie-
rende Verhalten der Kohlensäure der Luft in bezug auf die menschliche Gesund-
heit geben,
Tabelle 3. Physiologische Eigenschaften der Lult mit steigenden Kohlensäurenmengen.
a
Gehalt der Luft
an CO. in %
0.03
D1
D.5—0.7
4
7—8
15
„RR
Gesundheitliche Eigenschaften der Luft
Normaler Gehalt der freien Luft,
Gesundheitlich zulässige Grenze in bewohnten Räumen (Pettenkofer).
In Wohnräumen auf die Dauer unerträglich.
Grenze der Gefährlichkeit,
Schwindel, Ohnmacht,
Lähmung,
Tod.
Da die durch die menschliche Atmung produzierte Kohlensäurenmenge im
Durchschnitt (nicht arbeitender Mensch) mit 4,5 ccm CO, pro kg Körpergewicht
und Minute anzusetzen ist, so hat man hiermit ein Mittel, um leicht Überschlags-
rechnungen ausführen zu können.
Schrifttum,
I. Kauko, Y., 1934, Zur Bestimmung der Kohlensäure in der Luft mit Hilfe von py-Messungen.
Angew. Chem. 47, 164.
Kauko, Y., und J.J. Carlberg, 1934, Praktische Ausführung der Kohlensäurebestimmung in
Gasmischungen mit Hilfe von py-Mischungen, Ztsch, £. anal, Chem, 102, 393—407,
Kauko, Y., und T, Yli-Uotila, 1936. Eine kolorimetrische Methode zur Bestimmung der Luft-
koöhlensänre. Suomen Kemistilehti B. IX. 3.