Rodewald, M.: Das Grüne Kap Westafrikas usw.
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Teile thermisch erklärt werden: es würde plausibel durch die Herumsteuerung
eines Kaltlufttropfens um das Sahara-Höhenhoch (vgl. Abb. 4) nach Westen. (Ein
solcher „Kaltlufttropfen“ wird sich natürlich nur im einer Vergrößerung des
vertikalen Temperaturgefälles in der Harmattanschicht äußern.)
Ein anderes aber scheint für die „Tornado“entstehung noch bemerkenswert:
Im Gegensatz zu unseren Frontgewittern, welche meist im Luftdrucktrog liegen
und den Beginn des Druckanstieges markieren, treten die „Tornados“ sowohl
nach Regula wie nach einigen Abbildungen bei Hubert (Newnham a. a. O0.
S, 264) gern während eines allgemeinen Druckanstieges auf, dem sie ihre „Ge-
witternase“ nur aufsetzen.
Dies läßt sich — auf Grund der Regulaschen Feststellungen über den vor-
hergehenden, etwa zweitägigen Druckabfall, verbunden mit auflandigem Wind —
so erklären, daß das über Afrika westwärts wandernde Drucksteiggebiet zunächst,
durch Auffüllung des kontinentalen Tiefs, das Lufteinströmen unten vermindert,
den Monsun der Vortage zum Einschlafen bringt. Dann kann sich die nach-
schublose feuchtere Monsunluft im Landinnern besonders erhitzen und, da ander-
seits inzwischen die Harmattanoberströmung stärkeres Vertikalgefälle der
Temperatur (s. 0.) erhalten hat, zur Entwicklung der „Tornados“ Anlaß geben.
So würden sich diese jedenfalls dem Bilde einordnen; und die früher
beschriebenen „Wolkenkappen“ wären vielleicht Ausdruck entsprechend starker
horizontaler Strömung und Divergenz bis zum Prototyp der Konvergenz in der
Höhe (Abb. 8, Form 3), welche dann Druckanstieg und Abstieg des Harmattan
bis zum Boden („Tornado“) anzeigt.
9. Schlußbemerkung. Ein „Dreimasseneck“ mit überlagerter Höhenströmungs-
divergenz, wie es hier für das Grüne Kap Westafrikas wahrscheinlich gemacht
werden konnte, sollte an sich imstande sein, zyklogenetisch zu wirken!). Jedoch
sind Zyklonenbildungen hier an und vor der afrikanischen Westküste recht selten.
Diese Unwirksamkeit ist aber erklärlich: Einmal liegt unterhalb des Divergenz-
gebietes ständig eine ausgesprochene Konvergenz (zwischen Monsun und Passat),
so daß ein stationärer Zustand des Gleichgewichts zwischen unterem Zuströmen
und oberem Abströmen herrschen kann; zum andern aber ist der thermische
Gegensatz, insbesondere an der „Nebenfront“ zwischen Passat und Harmattan,
wegen der Seichtheit des passatischen Kaltluftkörpers, nur bis zu geringer Höhe
vorhanden, außerdem in seiner Ausgeprägtheit auf die wärmere Tageshälfte
beschränkt.
Die zyklonenbildende Wirksamkeit der Dreimassenkonstellation beginnt erst
weiter westlich: manchmal bei den Kapverdischen Inseln, meist aber noch viel
weiter gegen Westindien hin, wo gelegentlich an die Tropikfront — mit der
„Passatfront“, bzw. einem Polarfrontast — eine hochreichende Nebenfront heran-
treten kann?), und wo — auch das ist bemerkenswert — die untere Strömungs-
konvergenz gewöhnlich nur schwach vorhanden oder gar nicht vorgegeben ist.
Trotzdem könnte das Studium der Höhenströmung um die Singularität am
Grünen Kap, im Zusammenhang mit den Wettererscheinungen Westafrikas und
der Kapverdischen Inseln, vielleicht allgemeiner als bloß für diese Gegend auf-
schlußreich sein. Es wird auf der Erde kaum eine zweite so gut erforschbare
Stelle der geschilderten Eigenart geben.
In vorläufigem Bilde lassen sich kapverdisch-westindische Zyklonen und
westafrikanische „Tornados“ vielleicht als die zweiseitig verschiedenartigen Aus-
wirkungen derselben Gegebenheit ansehen: nämlich der Ost-West verlaufenden
innertropischen Frontalzone, deren „Delta“ überwiegend im Westen, deren „Ein-
zugsgebiet“ im Osten wirksam zu werden vermag... Schematisch ist dies in der
Abb. 10 dargestellt. Zu ihr ist zu bemerken, daß sie nur den Anordnungs-
sinn wiedergeben soll, aber nichts über einen Zusammenhang in Einzelfällen —
etwa derart, daß einer westafrikanischen „Tornado“lage eine westindische Orkan-
lage zeitlich gekoppelt sei — aussagen soll.
4) M. Rodewald, Die Bedeutung des Dreimassenecks für die subtropischen Sturmtiefbildungen,
Ann. d. Hydr. 1936, 2, Köppen-Heft, S. 41 ff. — 2) Derselbe, Die Entstehungsbedingungen der tropischen
Orkane, Meteorol. Zeitschr. 1936, S. 204ff.