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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

Rodewald, M.: Das Grüne Kap Westafrikas usw. 
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Teile thermisch erklärt werden: es würde plausibel durch die Herumsteuerung 
eines Kaltlufttropfens um das Sahara-Höhenhoch (vgl. Abb. 4) nach Westen. (Ein 
solcher „Kaltlufttropfen“ wird sich natürlich nur im einer Vergrößerung des 
vertikalen Temperaturgefälles in der Harmattanschicht äußern.) 
Ein anderes aber scheint für die „Tornado“entstehung noch bemerkenswert: 
Im Gegensatz zu unseren Frontgewittern, welche meist im Luftdrucktrog liegen 
und den Beginn des Druckanstieges markieren, treten die „Tornados“ sowohl 
nach Regula wie nach einigen Abbildungen bei Hubert (Newnham a. a. O0. 
S, 264) gern während eines allgemeinen Druckanstieges auf, dem sie ihre „Ge- 
witternase“ nur aufsetzen. 
Dies läßt sich — auf Grund der Regulaschen Feststellungen über den vor- 
hergehenden, etwa zweitägigen Druckabfall, verbunden mit auflandigem Wind — 
so erklären, daß das über Afrika westwärts wandernde Drucksteiggebiet zunächst, 
durch Auffüllung des kontinentalen Tiefs, das Lufteinströmen unten vermindert, 
den Monsun der Vortage zum Einschlafen bringt. Dann kann sich die nach- 
schublose feuchtere Monsunluft im Landinnern besonders erhitzen und, da ander- 
seits inzwischen die Harmattanoberströmung stärkeres Vertikalgefälle der 
Temperatur (s. 0.) erhalten hat, zur Entwicklung der „Tornados“ Anlaß geben. 
So würden sich diese jedenfalls dem Bilde einordnen; und die früher 
beschriebenen „Wolkenkappen“ wären vielleicht Ausdruck entsprechend starker 
horizontaler Strömung und Divergenz bis zum Prototyp der Konvergenz in der 
Höhe (Abb. 8, Form 3), welche dann Druckanstieg und Abstieg des Harmattan 
bis zum Boden („Tornado“) anzeigt. 
9. Schlußbemerkung. Ein „Dreimasseneck“ mit überlagerter Höhenströmungs- 
divergenz, wie es hier für das Grüne Kap Westafrikas wahrscheinlich gemacht 
werden konnte, sollte an sich imstande sein, zyklogenetisch zu wirken!). Jedoch 
sind Zyklonenbildungen hier an und vor der afrikanischen Westküste recht selten. 
Diese Unwirksamkeit ist aber erklärlich: Einmal liegt unterhalb des Divergenz- 
gebietes ständig eine ausgesprochene Konvergenz (zwischen Monsun und Passat), 
so daß ein stationärer Zustand des Gleichgewichts zwischen unterem Zuströmen 
und oberem Abströmen herrschen kann; zum andern aber ist der thermische 
Gegensatz, insbesondere an der „Nebenfront“ zwischen Passat und Harmattan, 
wegen der Seichtheit des passatischen Kaltluftkörpers, nur bis zu geringer Höhe 
vorhanden, außerdem in seiner Ausgeprägtheit auf die wärmere Tageshälfte 
beschränkt. 
Die zyklonenbildende Wirksamkeit der Dreimassenkonstellation beginnt erst 
weiter westlich: manchmal bei den Kapverdischen Inseln, meist aber noch viel 
weiter gegen Westindien hin, wo gelegentlich an die Tropikfront — mit der 
„Passatfront“, bzw. einem Polarfrontast — eine hochreichende Nebenfront heran- 
treten kann?), und wo — auch das ist bemerkenswert — die untere Strömungs- 
konvergenz gewöhnlich nur schwach vorhanden oder gar nicht vorgegeben ist. 
Trotzdem könnte das Studium der Höhenströmung um die Singularität am 
Grünen Kap, im Zusammenhang mit den Wettererscheinungen Westafrikas und 
der Kapverdischen Inseln, vielleicht allgemeiner als bloß für diese Gegend auf- 
schlußreich sein. Es wird auf der Erde kaum eine zweite so gut erforschbare 
Stelle der geschilderten Eigenart geben. 
In vorläufigem Bilde lassen sich kapverdisch-westindische Zyklonen und 
westafrikanische „Tornados“ vielleicht als die zweiseitig verschiedenartigen Aus- 
wirkungen derselben Gegebenheit ansehen: nämlich der Ost-West verlaufenden 
innertropischen Frontalzone, deren „Delta“ überwiegend im Westen, deren „Ein- 
zugsgebiet“ im Osten wirksam zu werden vermag... Schematisch ist dies in der 
Abb. 10 dargestellt. Zu ihr ist zu bemerken, daß sie nur den Anordnungs- 
sinn wiedergeben soll, aber nichts über einen Zusammenhang in Einzelfällen — 
etwa derart, daß einer westafrikanischen „Tornado“lage eine westindische Orkan- 
lage zeitlich gekoppelt sei — aussagen soll. 
4) M. Rodewald, Die Bedeutung des Dreimassenecks für die subtropischen Sturmtiefbildungen, 
Ann. d. Hydr. 1936, 2, Köppen-Heft, S. 41 ff. — 2) Derselbe, Die Entstehungsbedingungen der tropischen 
Orkane, Meteorol. Zeitschr. 1936, S. 204ff.
	        
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