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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

210 Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1937. 
festen Aufwind bedingt. Soweit man sich, ohne eigene Beobachtung, ein Bild 
davon machen kann, sind es eher Gebilde von Abschmelzform in einer mehr 
„fließenden“ als turbulenten Strömung. 
Es liegt nahe, ihr Auftreten mit der Divergenz des Harmattan (in und 
oberhalb etwa 1 km Höhe) in Zusammenhang zu bringen. In Abb. 8 sind deshalb 
die Wolkenkappen nach Hubert noch einmal dargestellt, und es ist eine Hori- 
zontalströmung hinzugefügt, wie sie den Formen entsprechen könnte, 
Aus ihrer Lage inmitten einer Strömungsdivergenz (Form 1 und 2) würde 
verständlich, weshalb sie keine oder nur geringe Verlagerung nach Westen 
erfahren, obgleich sie in der Harmattanzone liegen. Die Kondensation käme 
durch den vertikalen Kompensationsstrom aus dem unteren Monsun, bzw. Passat 
zustande; diese aufsteigende Bewegung würde ja unter der Stätte maximaler 
Höhendivergenz am stärksten gefördert werden. Anderseits wird das Eindringen 
dieser emporsteigenden Luft in die Harmattanzone selbst durch die Inversion 
an deren Unterseite normalerweise ebenso erschwert wie die Kondensation inner- 
halb der Harmattanluft durch deren Trockenheit und Wärme hintangehalten 
wird. So erklärt sich wohl die Form der Wolkenkappe und ihre Begrenzung 
als solche auf den schmalen Streifen stärkster Divergenz der Harmattanströmung. 
Ob und in welcher Weise die Form 3 der Wolkenkappe (Abb. 8), welche 
einem aus dem Landinnern anrückenden „Tornado“ unmittelbar vorausgehen 
soll, sich tatsächlich aus den Formen 1 und 2 entwickelt, wird aus der Schilderung 
bei Newnham nicht recht deutlich, Vermutlich ist aber diese Form, als vor- 
getriebenes Produkt der im „Tornado“ wirksamen Umlagerungen, schon anderer 
Natur als die Nord-Süd orientierten Wolkenkappen. 
Betrachten wir nun aber die Abb. 9, welche der Figur 327 in Huberts 
Buch (a.a. O0.) entspricht und geeignet ist, die Anschauung von dem Divergieren 
des Harmattan zu stützen! Sie gibt, mit Isochronen und Pfeilen, das Wachstum 
egines Cumulonimbus wieder, der an der sog. Petite Cöte südlich Dakar und der 
Kapverdischen Halbinsel entstand. An der Küste herrschte an diesem Tage 
{18. Aug. 1925) Nordwestwind; beim Durchzug des Cumulonimbus gab es in 
Dakar eine starke Gewitterbö aus Ost und heftigen Regen von 20 Minuten Dauer, 
Der Cumulonimbus, der sich innerhalb der Harmattanschicht entwickelt — 
also in der Ostwindzone oberhalb des Monsuns —, ist anfangs fast-stationär 
und rückt allmählich beschleunigt westwärts vor, wobei insbesondere seine Flügel 
nach Nordwesten und Süden hin wachsen, Die Pfeile bezeichnen die Bewegung 
der verschiedenen Teile der Wolkenbasis — nicht die Ausbreitung des Gipfels 
der Quellmasse! — und lassen eine ausgesprochene Divergenz der Strömung in 
deren Höhe (1 km ?) über dem Kapverdischen Landvorsprung erkennen, 
8. Strömungssystem und „„Tornados‘“1)., Die im 6. Abschnitt wiedergegebene 
Schilderung eines Zusammenhangs zwischen der besonderen Wolkenbildung und 
der „Tornado“gefahr läßt eine Deutung der Ursachen hiervon noch kaum zu. 
Sicherlich muß man auch bei den westafrikanischen „Tornados“ zwischen 
lokal bedingten, kurzlebigen — unseren Wärm egewittern entsprechend — und 
zwischen solchen, die auf großräumige Änderungen zurückgehen — entsprechend 
unseren Frontgewittern —, unterscheiden. H. Regula®) hat jüngst für diese 
letzten und bedeutungsvolleren „Tornados“ bestimmte Gesetzmäßigkeiten aufgezeigt, 
nämlich mehrtägige Druckschwankungen mit ausgeprägtem Strömungswechsel. 
Regulas Annahme, daß bei den „Tornadolagen“ Kaltluft in der Höhe vor- 
dringe, wird dadurch gestützt, daß die mittlere Zuggeschwindigkeit der „Tor- 
nados“ nach Hubert (60 km/h; Regula a.a, ©. S. 110) etwa doppelt so groß ist 
wie die zwischen 20 und 30 km/h liegende Normalgeschwindigkeit der Harmattan- 
Höhenströmung in der „Tornado“zeit (Hubert a,a. O, 8. 55). 
Dies Auffrischen der Ostwinde in der Höhe — denn die Zuggeschwindigkeit 
der „Tornados“ ist mit dem Höhenwind etwa identisch — muß zum größten 
4‘) bie in Westafrika als „Tornado“ bezeichneten Gewitterstürme sind Böen aus der Richtung 
der Oberströmung, nicht — wozu Wortstamm („drehen“) und sonstiger Gebrauch des Wortes für 
Großtrombe (Nordamerika) verleiten könnten — Wirbelstürme. — ?) H. Regula, Druckschwankungen 
und Tornados an der Westküste von Afrika. Ann.d. Hydr. 1936, S. 107££.
	        
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