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Neigung 1:100 bis 1:200 (nach Hubert) ansteigt, horizontal?!), so daß oberhalb
von 1 bis 2 km Höhe höchstens noch geringfügige thermische Gegensätze bestehen.
Hiernach dürfte die Strömungsdivergenz im wesentlichen im unteren Teil
des Harmattan, etwa in 1 bis 2 km Höhe, ausgeprägt sein, in größerer Höhe sich
aber abschwächen oder verlieren.
6. Die Erscheinung ortfester Wolkenkappen im Küstengebiet, Gewisse, recht
eigenartige Wolkenformen in Westafrika (vgl. Abb. 7) scheinen aus der Existenz
der Harmattan-Divergenz zu entspringen. Sie finden sich beschrieben bei
E. V. Newnham?), nach dem Originalbericht von H. Hubert?)
E. V. Newnham schreibt darüber bei der Schilderung der Tornado-
entwicklungen (Sperrungen vom Verf.):
„Es darf nicht vergessen werden, daß Harmaltan und Monsun völlig zusammen
ezistieren können, ohne einen Sturm hervorzurufen, vorausgesetzt, daß sie genügend
unabhängig voneinander sind; m, a. W. vorausgesetzt, daß das Gleichgewicht des
Harmattan nicht durch starke aufsteigende Ströme aus der Monsunzone gestört
wird. Eine Wolkenkappe (»bourrelet nuageuz«) bildet sich gewöhnlich
und dient als wertvolles Anzeichen eines kommenden Sturms; sie ist an
mehreren Stellen beobachtet und von Hubert über der Kapverdischen Halb-
insel sorgfältig studiert worden. Diese Wolkenkappe, welche in einer, der Grenze
der beiden Windzonen entsprechenden Höhe legt, ist auch an zahlreichen Inland-
orten beobachtet worden, vor allem im Futa-Distrikt, d.h. halbwegs zwischen
Senegal und Französisch-Quinea, in mittlerer Breite von ungefähr 12° Nord.
Am ersten Ort wird ihre Bildung unterstützt durch die besondere Geschwindigkeit
und Stärke der aufsteigenden Luftströme, die sie bilden, und demzufolge durch
den raschen Aufstieg von Wasserdampf in die Harmattanzone. Die
Wolkenkappen sind sehr schmal und langgezogen und bilden eine Kurve
wie Form I in Abb. 7, leicht konkav gegen Westen, dabei ungefähr in
Nord-Südrichtung liegend. Gelegentlich ist eine Doppelkurve sichtbar,
entsprechend, Form 2 in Abb. 7. Sie erfahren gewöhnlich keine Verlagerung,
aber manchmal haben sie eine leichte Bewegung nach Westen, was
beweist, daß sie in die Zone des Harmattan bis zu einiger Höhe ein-
dringen können. In solchen Fällen sind die gewöhnlichen Cumuluswolken des
Monsuns darunter sichtbar.
Die Erscheinungen werden am häufigsten nachmittags oder abends
beobachtet, woraus hervorgeht, daß sie nach der Periode mazimaler Boden-
erhitzung entstehen. Wenn ihre Form konkav gegen. Westen ist, so zeigt das
einen niedrigen Feuchtegehalt und eine schwache und deutlich gleiche Intensität
der beiden Winde an. Dies deutet auf schönes Welter; aber wenn der Harmattan
an Intensität zunimmt und herabsteigt, so sicht man die Wolkenkappe sich schneller
bewegen, und ihre Orientierung gehl in eine fast reine Westrichtung über.
Wenn man diese Bewegung und Orientierung der Kappe sicht, so zeigt das fast
sicher einen nahenden Sturm an, da dann wirklicher Kampf zwischen den beiden
Winden eingesetzt hat. Diese Tatsache ist von zahlreichen Beobachtern bezeugt,
und wenn die Wolkenkappe westwärts vorgerückt war, ist auch der fortschreitende,
gleichzeitige Abstieg des Harmalttan sichtbar gewesen. Kin Teil der Wolkenkappe
kann sich ablösen, wie bei A, Abb. 7, während der Hauptteil das schraffierte
Gebiet entsprechend, Form 3, Abb. 7, ist. So kommen Stürme nur vor, wenn der
Harmaltan herabsteigt und es wirklichen Kampf zwischen ihm und dem Monsun gibt.
Auf der andern Seite zeigt der Augenschein deutlich, daß ein Kampf zwischen
Harmattan und Passat keinen Sturm hervorruft.“
7. Die Wolken als Anzeichen der Harmattan-Höhendivergenz. Die oben be-
schriebenen Wolkenkappen sind nach der Schilderung keinesfalls cumuliforme
Gebilde und erscheinen auch, trotz ihrer Ortfestigkeit, nicht durch einen gelände-
1) In einigem Abstand von der Küste — über See — wird sich dann wahrscheinlich die Grenz-
Fläche nochmals senken und als jene tiefliegende Passatinversion in Erscheinung treten, welche aus
der Bodendivergenz des maritimen Nordostpassats herrührt (s. 0.)., — %) E. V. Newnham, Hurri-
canes and tropical revolving storms, S. 265—266. Geophys. Memoirs Nr. 19, London 1922, —
4 H. Hubert, Mission Seientifique au Soudan, Paris 1916.
Rodewald, M,: Das Grüne Kap Westafrikas usw.