Neuere Forschungen über Westindische Orkane.
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yegen Ende des besagten Zeitraums zu einem gewissen Abschlufs gebracht war,
30 weit es eben die damals herrschenden Anschauüngen und angewandten
Methoden zuliefsen, hat die Frage einige Zeit geruht. Inzwischen bildeten sich
durch die Methode der Zeichnung synoptischer Karten und die Herausbildung
des barischen Windgesetzes die Anschauungen an den Stürmen und veränder-
lichen Winden der gemäfsigten Zone weiter aus, und wurde die Nothwendigkeit
einer Revision der schon theilweise als feststehende Dogmen betrachteten Lehren
der „Cyklonologie“ immer klarer. Diese Arbeit wurde für Indien und den
Indischen Ocean mit Erfolg durch eine Reihe wichtiger Untersuchungen in den
siebziger Jahren von Meldrum, Wilson, Elliot u. A. in Angriff genommen.
Ueber die westindischen Orkane wurde zwar um dieselbe Zeit wieder begonnen,
Material zu sammeln, besonders durch das „Signal Office“ in Washington; allein
eine zusammenhängende und eingehende Untersuchung über diese Stürme ist
erst durch die Eingangs genannte Arbeit des Direktors des magnetisch-meteoro-
logischen Observatoriums zu Havana geliefert, welche auch bis jetzt die einzige
geblieben ist. Das Werk verbindet die beiden grofsen Vortheile, dafs der Ver-
fasser die Erscheinungen aus persönlicher Erfahrung kennt und dafs die Resultate
der modernen Meteorologie ihm geläufig sind.
Nach einer Einleitung über das Material, die Methoden und die Umstände
seiner Untersuchung bespricht der Verfasser im kurzen ersten Kapitel die Bahn
der drei Orkane, welche in den Jahren 1875 und 1876 die Insel Cuba heim-
suchten. Keiner derselben konnte nach den vorliegenden Schiffsnachrichten ost-
wärts von den Kleinen Antillen zurückverfolgt werden; übrigens hat dieses auch
von sämmtlichen bisher untersuchten westindischen Wirbelstürmen nur bei sehr
wenigen und auch da meist in nicht völlig überzeugender Weise geschehen
können. Der Ursprungsort dieser Wirbel ist uns also noch immer unbekannt,
wenn auch deren Entwicklung aus Deformationen des Kalmengürtels bei sehr
nördlicher Lage desselben viel Wahrscheinlichkeit für sich hat,
Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit dieser drei Wirbelstürme war pro
Stunde:
Orkan. vom Sept. 1875
Sept. 1876
Okt. 1876
Während der Westwärts- Bei der Während der Ostwärts-
bewegung Umbiegung bewegung
9,—12, Septbr. durch- 16. Sept. in Texas, 18.—19. Sept. 35 Sm
schnittlich 11 Sm, am 4-5 Sm
13, (auf Cuba) 17 Sm
12.—13. Sept. 181/2 Sm,
13.—15, Sept. 15 Sm
[
16. Sept., Cuba, 16.—17. Sept. 231/2 Sm
10 Sm
16.—19. Okt., Cuba, 19.—20, Okt, 141/2 Sm
4 Sm
Dieselbe Thatsache der‘ langsamen Fortpflanzung der Orkane während
ihrer Nordwärtsbewegung in der Umbiegung ihrer Bahn und der raschesten
Fortpflanzung auf dem letzten Theile derselben haben auch die meisten anderen
westindischen Orkane gezeigt, welche in dieser Hinsicht geprüft werden konnten.
Nach Loomis ist die mittlere Bewegung der Orkancentren vor der.Umbiegung
WNW (N 66° W) mit einer stündlichen Geschwindigkeit von 17,4 Sm, nach der-
selben NEzE (N 51,5° E) mit einer solchen von 20,5 Sm.
Aus den häufigen kurzen Schwankungen des Windes —- nach Richtung und
nach Stärke — und des Barometers an den einzelnen Orten glaubt Herr Vinos
auf Unregelmäfigkeiten resp. sekundäre Krümmungen in der Bahn des Wirbels
schliefsen zu können, welche er einer „Nutation der Axe“ desselben zuschreibt.
So z. B. pendelte der Wind zu Havana am 16. bis 19. Oktober zwischen ENE
und NNE. Ob wir hierin nicht eher die Wirkung von Unregelmäfsigkeiten in
der Gestalt des Wirbels zu sehen haben, müssen weitere Untersuchungen lehren.
Noch. zweifelhafter erscheinen die ziemlich ausführlichen Auseinandersetzungen
von Vines über die Neigung der Wirbelaxe, wobei er von der gewöhnlichen
Ansicht ausgeht, dafs der Wirbel eine einheitliche mathematische Axe- besitze,
eine Ansicht, welche wohl nicht berechtigt ist.
Von grofsem Interesse sind die Untersuchungen des Verfassers über die
Konstitution des „Sturmkörpers“ (Cuerpo de la tormenta). Das Gebiet, dessen
inneren Theil der Orkan einnimmt, ist bezeichnet einerseits durch niederen