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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

Thorade, H.: Die Stratosphäre und die Troposphäre des Atlantischen Ozeans, 181 
allmählich; um einen zahlenmäßigen Ausdruck zu haben, spricht Defant von 
einer Sprungschicht nur, wenn das Temperaturgefälle größer ist als 0,02° auf 
1m (s. die Hilfsgerade in den Abb. 7 bis 9). Weiter oberhalb befindet sich eine 
zum Teil recht gleichförmige Deckschicht, und unterhalb folgt die etwas aus- 
druckslose Substratosphäre, die sich durch einen abermaligen, jedoch weit 
schwächeren Temperatursprung, besser noch durch ein Sauerstoffminimum, von 
der Stratosphäre abhebt. . 
Die erste Frage, die Defant behandelt, ist die nach der Entstehung der 
Sprungschicht. Er weist nach, daß sie sich durch die Ein- und Ausstrahlung 
allein nicht erklären läßt, sondern daß die durch den Wind erzeugten Austausch- 
vorgänge hinzukommen müssen. Diese bewirken, daß sich z. B. die den obersten 
Schichten zugeführte Sonnenwärme durch Mischung immer wieder tieferen Schichten 
mitteilt, wodurch sich etwaige Unterschiede innerhalb der Deckschicht immer 
wieder verwischen. Dadurch aber wird der Unterschied der Temperatur und 
damit auch der Dichte gegenüber den noch tieferen Schichten auf eine immer 
dünnere Schicht zusammengedrängt, und schließlich wird das Dichtegefälle so 
groß, daß die entstehenden Auftriebskräfte jede weitere Auf- oder Abbewegung 
von Wasserteilchen unterbinden. Nennt man die Austauschzahl der Bewegungs- 
grösse Ag, diejenige der Temperatur Ar, bezeichnet mit E die Stabilität (s. oben 
S. 179), mit « den (senkrechten) Gradienten der Stromgeschwindigkeit und mit g 
die Fallbeschleunigung, so muß nach G. J. Taylor (1981) 
a Ar 
gE7 Ag 
sein, damit nicht die Schichtung den Austausch verhindert. Für das Verhältnis 
der beiden Austauschzahlen liegen erst wenige Bestimmungen vor; J. P.Jacobsen 
(1915, 1918) fand im Kattegat Werte zwischen 1:8 und 1:48, im Randersfjord 
solche von 1:5 bis 1:65, Wie dem auch sei, man sieht, daß die Sprungschicht 
sich am deutlichsten in den Tropen aussprechen muß, wo die Dichteunterschiede 
groß sind, und daß sie in höheren Breiten „zerflattert“. 
7. Die Sprungschicht der Troposphäre. Unter den 17 Zahlenwerten, mit denen 
Defant Temperatur, Salzgehalt und Dichte der Troposphäre kennzeichnet, ist 
hier vor allem die Tiefenlage der Sprungschicht, genauer des größten Temperatur- 
gradienten oder, was fast auf das gleiche hinauskommt, des größten Dichte- 
gradienten wichtig (Abb. 10, Tafel 27). Die Unebenheiten der so erhaltenen 
Fläche geben denen der Wüstschen Kernschichten wenig nach. Aus einer Tiefe 
von mehr als 200 bzw. 300 m in den Roßbreiten erhebt sie sich äquatorwärts 
auf weniger als 100 m, wobei sie an der afrikanischen Seite bedeutend höher 
liegt als an der amerikanischen, ja z. B., wie Defant an anderer Stelle (1936%, S. 60) 
ausspricht, an der südwestafrikanischen Küste die Oberfläche erreicht. Am 
meisten aber fällt auf, daß der beiderseitige Anstieg zum Äquator durch eine 
sich von etwa 21/,° bis 5° N-Br. quer über den Ozean hinziehende Einsattelung 
unterbrochen wird. Auch der Wert des Gradienten weist drei entsprechende 
Maxima auf, und endlich ist die ganze Sprungschicht, also die Schicht mit einem 
Temperaturgradienten von mindestens 0.02° auf 1 m, überall fast gleich dick, so 
daß ihre Ober- und Unterseite ebenfalls die beiden Rücken und die Mulde da- 
zwischen erkennen läßt. (Abb. 16, Tafel 29.) 
Zur Deutung dieser Flächenform zieht Defant in Anlehnung an einen von 
H. U, Sverdrup für den Stillen Ozean ausgesprochenen Gedanken den zwischen 
den Nord- und den Süd-Äquatorialstrom sich einschiebenden Gegen- und Guinea- 
strom heran. Dieser ist nicht, wie man geglaubt hat, ein symmetrisches Zwischen- 
glied zum Ersatze des nach Westen fortgeführten Wassers, sondern er verdankt 
seine Entstehung gerade dem Umstande, daß der Kalmengürtel, mit dem er 
zusammenfällt, nicht am ÄAquator, sondern nördlich davon, also unsymmetrisch, 
liegt, entsprechend dem thermischen Aquator [vgl. die ausführlichere Darstellung 
Defants (1935)]; die ablenkende Kraft der Erdumdrehung wirkt dagegen sym- 
metrisch. Würden beide Passate allmählich ineinander übergehen und ohne Kalmen- 
gürtel genau bis zum Äquator reichen, so würde die Ablenkungskraft das Wasser 
auf der Südhalbkugel nach links, d.i. nach Süden, auf der Nordhalbkugel aber
	        
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