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Full text: 65, 1937

Thorade, H.: Die Stratosphäre und die Troposphäre des Atlantischen Ozeans, 175 
in diesen Blättern berichtet hat, die ausführliche Bearbeitung der Stratosphäre 
durch G. Wüst (195) und die der Troposphäre durch A, Defant (1%e) in zwei 
Bänden mit zahlreichen, meist farbigen Beilagen gefolgt, begleitet von einem 
stattlichen Atlas (1986) mit farbigen Schnitten und Karten, deren ansprechende 
Ausführung ebenso wie die der Textbände und ihrer zahlreichen Beilagen ganz 
besonders hervorzuheben ist als ein Ergebnis der Zusammenarbeit von Verfassern, 
Verlag und Notgemeinschaft. Damit ist es nun möglich geworden und soll im 
folgenden versucht werden, über die Antwort der „Meteor“-Expedition auf ihre 
wichtigste Frage, diejenige nach der Zirkulation des Atlantischen Ozeans, einen 
Überblick zu gewinnen, 
A. Die Stratosphäre. 
(Bearbeitet von G. Wüst; dazu Beiträge von A, Defant, O0. v. Schubert u. a.) 
1. Der Begriff der Stratosphäre und der Troposphäre. Die Begriffe „Strato- 
sphäre“ und „Troposphäre“, wie sie A, Defant (198) geprägt hat, sind zwar der 
Meteorologie entlehnt, aber sie haben nicht ganz den gleichen Sinn wie dort. 
Nicht nur liegt im Meere, umgekehrt wie in der Luft, die warme, salzreiche, 
etwa 300 bis 800 m mächtige Troposphäre oben, die kalte, salzärmere und 
viel mächtigere Stratosphäre unten, also umgekehrt wie in der Luft; sondern 
im Norden und Süden, jenseits der in den 40er bis etwa 60er Breiten verlaufenden 
„Polarfront“, stellt das absinkende kalte Wasser der Oberfläche eine Verbindung 
zwischen dieser und der Stratosphäre her, die auf diese Weise hier bis an den 
Wasserspiegel heranreicht und durch Berührung mit dem Luftmeere der stär- 
keren Strahlung, der Verdunstung, dem Niederschlag, dem Gefrieren usw. aus- 
gesetzt ist. Dieser Umstand ist [Defant (ı030)] entscheidend für die Zirkulation 
der Stratosphäre, die beinahe aufhören würde, wenn sie überall von der Tropo- 
sphäre bedeckt wäre. Indem die absinkenden Wassermassen sich ihren Platz 
entsprechend ihrem spezifischen Gewichte aussuchen, nimmt die Stratosphäre 
einen blättrigen Aufbau an; doch liegen die einzelnen Blätter nicht überall in 
gleicher Tiefe, und so kommt es, daß z. B. eine Karte der Temperatur, des Salz- 
gehalts und der Dichte in einer bestimmten Tiefe nicht immer klar den Zu- 
sammenhang der einzelnen Schichten erkennen läßt; Wüst stellt daher die 
Besprechung der gleichwohl im Atlas gegebenen Karten an den Schluß, statt an den 
Anfang; andrerseits verzichtet er einstweilen auch auf die dynamische Bjerknes- 
sche Methode, wohl weil die Kräfte gegenüber den Störungen durch die Reibung 
häufig zu klein sind. Vielmehr entwickelt er ein neues Verfahren, die sogleich 
zu besprechende „Kernschichtmethode“, welche die Eigenschaften einer 
Wasserart als Merkmale ihrer Herkunft benutzt, und die es ihm ermöglicht, 
in der atlantischen Stratosphäre neben weniger wichtigen Bestandteilen fünf 
Schichten zu unterscheiden: 1. das subantarktische Zwischenwasser [Zs], 2. das 
obere, 3. das mittlere, 4. das untere nordatlantische Tiefenwasser [To, Tm, Tu] 
und 5. das antarktische Bodenwasser [Bs]. 
2, Das subantarktische Zwischenwasser, Zs. Seine Hauptmerkmale sind seine 
niedrige Temperatur (2.2°) und sein niedriger Salzgehalt (33.80°% 4). Die Kern- 
schichtmethode verfolgt 
a) seine Ausbreitung, indem sie feststellt, wo überall im Ozean es eine 
Schicht mit einem Minimum des Salzgehalts gibt, und in welcher Tiefe es liegt 
(Abb. 1, Taf, 24). Die Minimumsfläche fällt von der südlichen Polarfront, jener 
Konvergenzlinie der Meeresoberfläche, die z. B. G. E. R. Deacon (diese Zeitschr. 
ı934a) aufzeichnete, in ungefähr 50° S-Br. ziemlich schnell auf 900 m ab, hebt 
sich äquatorwärts auf 800, teilweise 700 m und weniger, und senkt sich auf der 
Nordhalbkugel wieder auf mehr als 900 m, um sich in etwa 20° N-Br. zu verlieren. 
b) Die Veränderungen des Zs während seiner Ausbreitung unter- 
sucht Wüst, indem er feststellt, ob eine Beziehung zwischen Temperatur und 
Salzgehalt entlang der Kernschicht besteht. In der Tat ergibt das TS-Diagramm, 
von geringer Streuung abgesehen, eine Gerade (Abb. 2, Taf. 25) und dies deutet 
darauf hin, daß die Kernschicht sich bei ihrer Ausbreitung im wesentlichen nur 
mit einer einzigen anderen Wasserart mischt, welche durch den anderen End- 
punkt der Linie (S= 34.95; T = 6.6°) bezeichnet wird. Durch Einteilen dieser
	        
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