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Full text: 65, 1937

Wüst, G.: Zur Frage: Peru-Strom oder Hum boldt-Strom ? 
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der Westküste Südamerikas die Bezeichnung »Humboldt-Strom« fernerhin zu 
gebrauchen“, erscheint mir keineswegs berechtigt. Denn wahrhaft große Menschen 
und Forscher werden sich bei einer solchen Befragung stets gegen die Ver- 
wendung ihres Namens — ein Denkmal zu Lebzeiten — verwahren. Die Nach- 
welt aber wird sich über einen solchen von der Bescheidenheit diktierten Wunsch 
hinwegsetzen und hat es auch in vorliegendem Fall getan, 
2. Zum Beweis für die letzte Behauptung zitiere ich die folgenden Aus- 
führungen von Gunther (1936, 5. 47): 
„In the second halfof the nineleenth century the name »Humboldt’s 
Current« came to take the place of Peruvian Current‘), doubtless owing 
Io the veneration in which Humboldt's name was beginning to be held. Thus 
Herschel, who used »Peruvian Current« in 1849, used »Humbold’s Current« in 
1867 (pn. 233): and Maury (1855) wrote »The Humboldt Current of Peru, which 
Ihe great and good man whose name it bears was the first to diseover«“, 
Die Ozeanographen der englischen „Challenger“-Expedition, Tizard, Moseley, 
Buchanan und Murray, wählen im Teil I des Narrative (1885) den Namen 
„Peru-Strom“, im Teil II den Namen „Humboldt-Strom“, In ausländischen 
Monographien über den Strom wird bis 1935 der Name „Humboldt-Strom“ 
bevorzugt, während die deutsche Ozeanographie „Peru-Strom“, besonders seit 
Krümmel (1911), häufiger verwendet. Ich nenne?) den amerikanischen Geographen 
Murphy (1925), der den betreffenden Abschnitt „The Humboldt Current“ über- 
schreibt, die französischen Ozeanographen Thoulet (1928) und Vallaux (1930), 
die ihre Abhandlungen „Le Courant de Humboldt et la Mer de 1]’Ile de Päques“ 
bzw. „La question du Courant de »Humboldt«“ betiteln — und in diese Reihe 
gehören auch E. H. Schweigger (Observaciones oceanogräficas sobre la corriente 
de Humboldt, 1931) und die englischen Biologen Sheppard und Semple, die 
1931 in kurzen in der „Nature“ erschienenen Mitteilungen nur von „The Humboldt 
Current“ oder sogar kurz von „The Humboldt“ sprechen, Nur zwei monographische 
Abhandlungen des Auslandes über unseren Strom liegen 1925 bis 1935 vor, 
welche ausschließlich den Namen „Peru-Strom“ wählen: Sverdrup (1930) und 
Torrico (1933). Diese Feststellungen decken sich ganz mit der Schotts aus 
dem Jahre 1931, in dem er schreibt: 
„In nord- und südamerikanischen Quellen wird dieser Strom fast 
stets? „Humboldt-Strom“ genannt, weil Alexander v. Humboldt die 
ersten wissenschaftlichen Daten über ihn geliefert hat.“ 
Neu ist der gegenteilige Beschluß der ibero-amerikanischen ozeanographischen 
Konferenz (Madrid 1935), den Schott erwähnt, aber als Stütze für seine neue 
Stellungnahme nicht besonders bewerten will. Schott schließt 1937: „Es kann 
gar keine Rede davon sein, daß die Benennung »Humboldt-Strom« bereits inter- 
national üblich sei, wie Wüst 1935 behauptet.“ Demgegenüber muß ich auf 
Grund des obigen, wesentlich aus den Arbeiten von Schott und Gunther 
geschöpften Materials feststellen, daß diese meine Behauptung für die ausländische 
ozeanographische Literatur der Jahre 1850 bis 1935 durchaus zu Recht besteht. 
3. Schott selber hat sich an seine 1931 ausgesprochene Empfehlung der 
Bezeichnung „Peru-Strom“ — wie ich nunmehr nachtragen muß — und an den von 
ihm neuerdings 80 stark unterstrichenen Willen Humboldts nicht streng gehalten. 
Denn — und diese Tatsache wird weder von ihm in seiner letzten Stellungnahme 
berührt, noch von Gunther in der Frage der Nomenclatur erwähnt, — Schott 
hat seine letzte ausführliche Abhandlung über diesen Strom, die in 
englischer Sprache in der Zeitschrift „Geography“ (Nr. 96, Bd, XVII, Nr. 2) im 
Jahre 1932 erschienen ist, betitelt: „The Humboldt current in relation to 
JjJand and sea conditions on the Peruvian coast“ — ganz im Sinne meiner 
in Unkenntnis hiervon 1935 erhobenen Forderung. Dieser Abhandlung hat Schott 
auch zwei Strömungskärtchen beigegeben, in welche er die Worte „Humboldt 
current“ einzeichnen leß. Durch diesen an und für sich sehr begrüßenswerten 
Umstand verliert aber Schotts Feststellung an Gewicht, daß es erst dem jüngeren 
1) Von mir gesperrt, — %) Ich beschränke mich dabei auf das letzte Dezennium (1925 bis 1935) vor 
Erscheinen meines Aufsatzes (1935), das uns sieben ausländische Monographien über den Humboldt- 
bzw. Peru-Strom gebracht hat, Aus früherer Zeit liegen eigentliche Monographien kaum vor. — 
3) Von mir gesperrt.
	        
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