172 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1937,
Fieder in der Höhenkarte eine etwas größere Windstärke bedeuteten als die
gleiche Befiederung in der Bodenkarte. Erhöht man jetzt durch den Übergang
auf die Dekaden-Nummer die Befiederung gegenüber der jetzigen Angabe um
einen halben Fieder, so ist die Übereinstimmung mit den Schätzungen
nach der Beaufort-Skala vollständig, und damit wird die Lesbarkeit der
Höhenwetterkarte noch weiter erleichtert. Wegen dieser einfachen Beziehung zur
Beaufort-Skala scheinen mir alle anderen Vorschläge nach einer anderen Befiede-
rung der Höhenwindpfeile abwegig.
Im Schlüssel wäre also eine Windgeschwindigkeit von 1 bis 10 km/Std, durch 1,
61 bis 70 km durch 7 und 81 bis 90 km durch 9 zu verziffern. Überschreitet die
Windgeschwindigkeit 90 km, so müßte bei der Windrichtung 33, bei Werten über
190 km/Std. 67 hinzuaddiert werden, Damit entfiele die Möglichkeit der Meldung
von „außergewöhnlich böigem Wind“ oder „markante Windböen“, aber bedenkt
man, wie unsicher die Bestimmung von „außergewöhnlich böigem Wind“ schon
ist und wie selten einmal die Bezeichnung „Markante Windböen“ angewandt
wird, so kann dies nicht als Nachteil ausgelegt werden, zumal man immer an
die Praxis denken muß, in der sich die jetzige Verschlüsselung oft nachteilig
auswirkt: Wie oft ist die Windrichtung in der Funkaufnahme fehlerhaft, und
dann ist eine Korrektion z.B. bei Kenntnis der zweiten Ziffer der Windrichtung
immer eine gewagte Angelegenheit, da für die erste Zahl auch bei Kenntnis des
ungefähren Isobarenverlaufs drei verschiedene Möglichkeiten offenstehen: z.B.
bei DD = X 5: 265, 55, 95, eventuell sogar auch 85, Dagegen wäre im gleichen
Falle wohl immer zwischen den um 100 km differierenden Windgeschwindig-
keiten eine einwandfreie Entscheidung möglich, ;
4. Schlußbemerkung. Ich hoffe, in vorstehenden Zeilen gezeigt zu haben,
daß es an der Zeit wäre, die bisherigen Bemühungen nach einer Überführung
der Beaufort-Grade in ein absolutes Maßsystem aufzugeben und statt dessen den
umgekehrten Weg einzuschlagen: Von den gemessenen Windgeschwindigkeiten
auszugehen und eine richtige Übersetzung für die Schätzung, vor allem für die
Beaufort-Skala zu gewinnen. Die fast lineare Beziehung zwischen den gemessenen
und geschätzten Werten ermöglicht es dabei, zunächst die Beaufort-Skala über-
haupt beizubehalten, das Ziel muß aber dennoch eine genauere Überführung
beider Skalen sein, die ja für Windgeschwindigkeiten oberhalb 30 m/sec über-
haupt noch aussteht. Äußerungen zu diesem heiklen Problem aus der Praxis
heraus wären äußerst wertvoll.
Zur Frage: Peru-Strom oder Humboldt-Strom?
Eine Erwiderung auf G. Schotts gleichnamigen Aufsatz!).
Von 6. Wüst, Berlin,
In einem Aufsatz?), betitelt „Humboldt-Strom, nicht Peru-Strom!“ habe ich
eine Reihe von historischen und ozeanographischen Argumenten zusammengestellt,
die dafür sprechen, in der deutschen Geographie, insbesondere in den Atlanten,
den international gebräuchlichen Namen „Humboldt-Strom“ an Stelle des in ihr
neuerdings häufiger auftretenden Namens „Peru-Strom“ zu verwenden, Hiergegen
nimmt Schott im Februar-Heft dieser Zeitschrift Stellung, nachdem sich
inzwischen der englische Ozeanograph E, R.Gunther®) in polemischer Form
mit dieser vom deutschen Standpunkt aus besonders berechtigten Forderung
befaßt hat. Auf Schotts Ausführungen habe ich folgendes zu erwidern:
1. Als ein neues und seiner Auffassung nach ausschlaggebendes historisches
Argument führt Schott nunmehr eine Stelle aus einem Briefwechsel Humboldts
mit Berghaus an, in der ersterer gegen „alle Humboldtsche Strömung“ (im
Hinblick auf die von Berghaus geplante Eintragung dieser Benennung in eine
peruanische Küstenkarte) protestiert... Schotts Schlußfolgerung, daß es „nach
einem so energisch ausgesprochenen Willen ... aus Gründen selbstverständlicher
Pietät gerade uns Deutschen unmöglich ist, für die Meereserscheinungen vor
1) Diese Zeitschrift 1937, Heft II, S. 73—75. — 2) Petermanns Mitteilungen 1935, S. 439—441,
nebst Erwiderungen 1936, S. 112. — % E. R. Gunther, Variations in behaviour of the Peru Coastal
Current. Geographical Journal, Vol, LXXXVII, No. 1, July 1936 (vgl. Discovery Reports Vol. X1IID.