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Annalen der Hydrographie und Maritimem Meteorologie, April 1987.
Tritt schon hier ein ganz offenbarer Mangel in unserem jetzigen Wetter-
schlüssel zutage, der gerade die für die Sicherung des Schiffsverkehrs wichtigsten
Angaben zu unterdrücken gestattet, so muß es noch mehr verwundern, daß wir
Meteorologen auf die noch wichtigeren Angaben, wenn die Windstärke wesentlich
über 30 m/sec hinausgeht, ganz verzichten. Wie häufig wird auf Bergstationen
eine Windgeschwindigkeit von wesentlich mehr als 30 m/sec gemessen, z.B. vor
allem auf den französischen Gipfelstationen „Mont Ventoux“ und „Mont Aigoual“
zu beiden Seiten des Rhönetals, was aber im Schlüssel nicht auszudrücken ist
und doch von so erheblicher Bedeutung für den Flugverkehr ist. Bei den
Höhenwindmessungen würden wir es nicht verstehen können, wenn z.B. alle
Angaben über 100 km/Std. einfach durch die gleiche Schlüsselziffer ausgedrückt
würden, aber bei den viel genaueren Messungen an festen Bergstationen begnügen
wir uns damit.
Bei den Höhenbeobachtungen fordern wir genaue Angaben in km/Std. zur
genauen Zeichnung einer Höhenwetterkarte, bei den Bodenmessungen sind wir
mit der überhaupt nicht linearen Beaufort-Skala zufrieden und begnügen uns
mit einer gedächtnismäßigen Einprägung der zu einem bestimmten Druckgra-
dienten gehörenden Windstärke nach der Beaufort-Skala, eine Skala, bei deren
Gebrauch durch den Seemann zudem noch zonen- und länderweise eine ganz
verschiedene Schätzung üblich ist. Erinnert sei z. B. an eine im Seewetterdienst
immer wieder auffallende Unterschätzung der Windgeschwindigkeit bei mittleren
Stärkegraden durch den Seemann, Ich erinnere mich zahlreicher Fälle, wo z. B.
das Aussehen der See und das Flattern der Flaggen auf Helgoland eine Mindest-
windstärke von 4 Stärkegraden der Beaufort-Skala garantierten, zur gleichen Zeit
aber nur Windstärke 1 oder 2 gemeldet wurde. Ebenso wissen wir, daß die
Landstationen Borkum, Norderney und List stets eine höhere Windgeschwindig-
keit angeben als die benachbarten und doch noch viel freier gelegenen Feuer-
schiffe „Borkumriff“, „Außenjade“ und „Amrumbank“, wie auch die Meldungen
von „Elbe 1“ wieder um mindestens 1 Beaufort niedriger lauten als die Angaben
von Helgoland.
E. Kuhlbrodt!) hat kürzlich auf Grund der Messungen und Brückenschät-
zungen auf „Meteor“ während der Deutschen Atlantischen Expedition einwandfrei
den Nachweis erbracht, daß nach den Schätzungen auf hoher See die der Beaufort-
Skala entsprechenden Windgeschwindigkeiten höher sind als die international
vereinbarten, wobei die „Meteor“-Kurve für die niederen Breiten ungefähr mit
der von Simpson durch Vergleiche auf Scilly gefundenen Beziehung überein-
stimmt, während die Schätzungen auf „Meteor“ in höheren Breiten noch wesent-
lich größeren Windstärken entsprechen, wobei der Unterschied gegenüber der
„Züricher Skala“ teilweise fast 5 m erreicht.
Diese großen Differenzen führen uns eindringlich vor Augen, daß die
Umrechnung der Beaufort-Schätzungen in ein festes Maßsystem, was vor allem
für die transatlantische Luftfahrt von grundlegender Bedeutung ist, noch durch-
aus unsicher geblieben ist. Zugleich geben uns die Ergebnisse von Kuhlbrodt
aber einen Fingerzeig, wie man ohne Einführung einer neuen komplizierten
Definition die Windstärkeangaben von messenden Beobachtungsstellen ohne
weiteres in km/Std, angeben und dabei gleichzeitig doch für die Schätzungen
auf Schiffen die Beaufort-Skala vor allem während einer Übergangszeit ruhig
beibehalten könnte,
2, Die Angabe der Windgeschwindigkeit nach der Dekade der gemessenen Std./km
ist völlig identisch mit der Schätzung nach Beaufort-Graden in außertropischen Breiten.
Ich habe in Tabelle 1 (siehe S. 171) die in km/Std, ausgedrückte Windgeschwindig-
keit für jede Dekade aufgeführt (Spalte 2) und daneben (Spalte 3) die diesen Werten
entsprechenden Zahlen in Meter je Sekunde umgerechnet. Spalte 4 gibt die mitt-
leren m/sec wieder, die den einzelnen Dekaden entsprechen, und in Kolonne 5
) E, Kuhlbrodt, Vergleich geschätzter Windstärken mit gemessenen Windgeschwindigkeiten
auf DS Zweites Köppenheft der Aun, d. Hydr. S. 14 bis 23 (1936), dort auch weitere Literatur-
angaDden.