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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

Helbig, K.: Körperliches und seelisches Befinden zuf Tropenmärschen in Sumatra. 167 
bühler, leichter Morgenwind kommt auf,.... Tagsüber ist eine Luft zum Platzen. 
Das graue Mehl des Weges ist wie glühende Asche. Een paarmal steht stinkende, 
grünliche Suppe in kleinen Tümpeln am Wege, Ste ist ungenießbar, Kine 
Quelle oder ein Bach ist nirgends zu sehen. Der letzte Tropfen Wasser gluckert 
in der Feldflasche hin und her. Er kocht schon, Ein Glück nur, daß die Luft 
Frei von Staub oder Salz ist, man würde sonst verdursten, Ein Glück auch, daß 
der viele Wind in der Padang Lawas die Moskiten nicht zahlreich sein läßt, man 
hätte nicht die Energie, sich ihrer zu erwehren. Jetzt wird mir erst richtig ver- 
ständlich, wie man sich um den Schatten eines Ksels fast totschlagen kann. Wunsch- 
bilder nach einem kühlen Getränk, einem schattigen Raum, einem kalten Bad 
steigen gleich einer Fala Morgana auf.... Wir schleppen uns weiter. Wenn ich 
hin und wieder eine photographische Aufnahme mache, ist mir unter dem schwarzen 
Tuch, als haute mir jemand einen Holzhammer auf den. Hinterkopf.... Dann geht 
es nicht mehr. Unter den spärlichen Ästen eines krüpptigen Malakabaumes machen 
wir Rast, warten, bis Wolken. kommen und das feurige Auge der Tropen gütig 
verhüllen.... Die Landschaft wird immer einlöniger, die Luft immer heißer. 
Weitab sind wir jetzt vom Gebirge, und vor uns dehnt sich das Tiefland hundert 
und mehr Kilometer bis zur See. Die Lippen sind spröde, die Mundhöhle trocken, 
der Gaumen rauh, wir sprechen nur noch wenig. Jegliches Interesse an der Be- 
» achtung der Landschaft erlahmt; sie bleibt sich ja ohnehin immer gleich, Unser 
ganzes Augenmerk richtet sich nur noch auf etwaige Wasserpfützen, die unseren 
Gaumen netzen können. Wenn wir endlich eine finden und uns einen Augenblick 
an ihr niederlassen, schlafen wir sofort ein von der Überanstrengung und wegen 
der unvollkommenen Nachtruhe, Doch dann raffen wir uns wieder auf und quälen 
uns mechanisch weiter. Wenn nur der Boy auch durchhält! Wir tragen ab- 
wechselnd das Gepäck und er schwut mich zuweilen groß an, als wolle er fragen: 
„Bald vorbei die Qual, Herr?“ Jeh mache ihm Hoffnung, so gut ich kann. Ein 
einziges Mal fließt ein kleines Bächlein über den Weg. Es fließt! Es steht nicht 
wie die grüne, faulige Brühe in einigen Büffeltümpeln, die uns heute schon genarrt 
haben. Wir beide rufen, nein schreien zugleich: „Wasser! Viel Wasser!“, und 
dann Kegen wir auch schon nackt darin und tIrinken, trinken immerzu und füllen 
die Flasche, ... Nun ist es Nachmittag. Immer noch marschieren wir in der 
gleichen Glut, Kein Schatten seit vielen Stunden. Immer schwerer werden die 
Füße, immer müder die Schritte. Fast überkommt mich die Verzweiflung und 
die Erkenntnis der Sinnlosigkeit des Weiterlebens. Der Kopf schmerzt, und hin 
und wieder sehe ich Schwarzes über den Weg huschen. Das ferne Gebirge scheint 
blutrot umrandet, Das ist die Hochfrequenz der Kopfnerven. Viel weiter darf 
die Spannung nicht mehr gehen!....“ Solche und ähnliche Aufzeichnungen ver- 
merkte ich während verschiedener Märsche durch die Padang Lawas, — Während 
der Padrikriege um die Mitte des vorigen Jahrhunderts sind einige holländische 
Militärexpeditionen in der gleichen Steppe an Hitze, Wassermangel und völliger 
Erschlaffung der Soldaten restlos gescheitert, 
Im Küstentiefland wirkt sich vor allem der Mangel an Wind aus, der in 
den übrigen Landschaften allenthalben zur Belebung des Luftraumes beiträgt 
und dadurch sowohl mittelbar als auch unmittelbar auf physische und psychische 
Verfassung einwirkt. Nur Seewinde wehen spürbar ein paar Dutzend Kilometer 
landein während einiger Tagesstunden und werden gierig erwartet, Auf alle 
mögliche Weise sucht man sich künstlich Luftzug zu verschaffen, durch Propeller, 
Fächer, Autofahren‘), ja selbst der leise Zug bei raschem Gehen wird schon als 
„erfrischende Kühlung“ empfunden, trotzdem der Körper dabei übermäßig schwitzt, 
Und er schwitzt immer, ganz gleich, ob die Sonne scheint, ob Regen oder Wolken 
herrschen, Bis in den Abend hinein sind die Kleider feucht und nur die Über- 
müdung führt nachts zum notwendigen Schlaf, den Temperatur und Feuchte 
scheuchen wollen, „.... Hier freuen wir uns über jeden Abschnitt Wald, der 
Schalten gewährt, und fluchen der Steppe, die wir in der Höhe immer 80 sechnlich 
herbeiwünschten. Als wir Stunden und Stunden durch hohes Alang-Gras marschieren, 
934 % URL hierzu auch Klimatogr. Wittrgsschldrg, Nr. 21; Ekuador [Kooche] in Ann, d. Hydr, usw. 
1934, S. 267,
	        
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