166 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1937,
Dächer in den Nachtquartieren, Unannehmlich keiten mit Dorfbewohnern oder dgl.
wirken jedenfalls bei weitem mehr niederdrück:end als die Unbilden der Witterung.
In der Nebelwaldzone, also von etwa 1500 m an aufwärts, werden Luft und
Wetter als „heimisch“ empfunden, ja, bei Regren wird es sehr kalt, und jede Rast
läßt den Körper rasch frieren. Der Boy wickelt sich fest in seine Kleidung und
klagt ständig über die Kälte. Bis 500 m hinunter hat man abends das Bedürfnis,
die Fensterluken und Türen zu schließen. Morgens gegen 4h genügt auch auf
500 m die Baumwolldecke nicht mehr. — Ich habe den Eindruck, als ob der
viele Regen im Gebirge, der mancherlei Mühseligkeiten bringt (angeschwollene
Flüsse, Überschwemmungen, Erdrutsche, zerstörte Wege, schwierige Feldbestellung
usw.) und ans Haus fesselt, bei den Menschen Gemeinnutz, Hilfsbereitschaft und
Gastfreundschaft fördert und das Familienleben insofern. beeinflußt, als die
Familienangehörigen eng zusammen wachsen und gemeinsam auch an jenen Dingen
und Gesprächen teilhaben, die sonst die Geschlechter unter sich abmachen. —
Schon von 700 bis 600 m abwärts geht es tagsüber jedoch kaum eine Minute
ohne Schweiß ab. Der Boy findet es „panas“ (heiß), wobei natürlich auch
Steigung, Schwierigkeit der Pfade und Gepäcklast mit berücksichtigt werden
müssen. In den Tälern ist es oft dumpf, doch sind die Nächte der kühlenden
Bergwinde halber selbst bis 400, ja 300 m abwärts immer noch angenehm oder
zumindest gut erträglich. Noch weiter abwärts behindert die nächtliche Wärme
und Feuchte aber schon den Schlaf, und das allgemeine Wohlbefinden läßt nach,
zumal in Verbindung mit den immer zahlreicher werdenden Moskiten (Ein
Moskitonetz konnte wegen Beschränkung des Gepäcks nicht mitgeführt werden).
Dazu habe ich dauernd Durst; auch den Boy verlangt es jetzt öfter als sonst
nach Wasser.
Beim Übergeng vom Gebirge zum tieferen Hügel- bzw. Flachland wird
der Klimawechsel besonders lästig, Hier spürt man unmittelbar die Wahrheit
der üblichen Vergleiche: Treibhaustemperaturen, Krokodilhausluft usw. Doch
auch die Bewohner der Gebirgsrandzone haben sich, als Abkömmlinge ehemaliger
Hochlandsmenschen, noch in keiner Weise an das Klima angepaßt und sehnen
sich nach den kühlen Bergen, „.... Beim Essen schwitzen wir alle gleichermaßen
zum Erbarmen, und jeder einzelne stöhnt über die Hitze. Hernach ergehen sich
alle in der etwas gemilderten Abendluft auf der Dorfstraße. Beim späteren Tanz
läuft den. Mitwirkenden der Schweiß in Strömen von der Stirn, trotzdem es Nacht
ist und sie nicht irgendwie ungewöhnlich vermıımmt sind... ..“ schrieb ich in einem
Kampong am Gebirgsrand auf 250 m Höhe.
In der Padang Lawas, einer heißen Steppenbucht auf 100 bis 400 m Höhe,
die weit zwischen die Gebirge vorspringt, wurden die höchsten Anforderungen
an Körper und Willen gestellt, Zu den hohen Durchschnittstemperaturen (bis 35°)
gesellen sich heißer, trockener Wind, maßlose elektrische Entladungen und
Wolkenbrüche, glühende Pfade auf nacktem Kalkstein oder grauem Sand, Regel-
mäßig kann zwischen 11% und 14b der Boy nicht weiter, die nackten Fußschlen
brennen ihm durch, Selbst die Bevölkerung, wiederum Abkömmlinge der Hoch-
ljands-Batak, verläßt über Mittag nur im Notfall das schattenspendende Dach
bzw. den überdachten Büffelkarren der rastenden Warenkarawanen. Der Durst
plagt uns oft bis zur Verzweiflung, so daß wir gierig aus jedem Bach, ja selbst
aus den Regenpfützen in Wagengeleisen trinken, wenn der Wasservorrat zu Ende
ist. Ob Sonne, ob Regen, immer quillt der Schweiß nur so aus dem Körper,
Die getrockneten Kleider weisen große Salzflecken auf). Bei der Überschreitung
einiger höherer Bergzüge kommen wir uns „wie im Paradiese“ vor. Trotzdem
der Höhenunterschied nur 200 bis 300 m beträgt, empfinden wir die geringe
Abnahme der Temperatur doch fast als „zu kalt“. Einige Male marschieren wir
nachts. „-... 425 brechen wir auf, Aber e8 ist kein bißchen kühl, Es scheint, als
ob die ganze Hitze des vergangenenen. Tages jetzt wieder ausgärt. Wir ziehen die
Hemden aus; es sicht ja niemand. Aber trotzdem rinnt der Schweiß vom Körper,
Unermüdlich mit aller Willensanstrengung marschieren. wir, um nur aus diesem
fürchterlichen Fegefeuer herauszukommen. Erst zwischen 4b und 5b wird es ein wenig
» Vgl, auch „Hab. f. d, Rote Meer und d. Golf v, Aden“, II. Aufl. Berlin 1926, S. 12.