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Full text: 65, 1937

164 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1937, 
Häusern der Eingeborenen, bzw. in ganz primitiven Reisfeldhütten übernachtet, 
Als Nachtlager dienten die üblichen Binsenmatten und eine Zeltbahn als Unter- 
lage, je nach Bedarf eine leichte Woll- und eine Baumwolldecke zum Zudecken. 
In Gebieten über 1300 m mußten zuweilen noch einige Kleidungsstücke dazu 
genommen werden. Bei der Übersteigung hoher Gebirgskämme (über 1600 m) 
habe ich eine Jacke oder sonstigen wärmenden Schutz gelegentlich vermißt, zu- 
mal wenn es dabei regnete und auf den Höhen Wind stand. Wir gingen stets, 
schon allein aus Rücksicht auf die meist schmalen Wege, in einigem Abstand 
hintereinander, wie es auch die Eingeborenen und die Militärpatrouillen tun. 
Im folgenden seien an Hand von Tagebuchaufzeichnungen und der lebhaften 
Erinnerung die Einwirkungen von Klima und Wetter in den verschiedenen 
Höhenlagen und verschieden gestalteten Landschaften!) sowohl auf mein eigenes 
Befinden als auf das meines Boys beschrieben, Dieser, ein siebzehnjähriger 
Batak, stammte aus einer Steppen-Hochfläche von etwa, 1300 m Höhe. Er hatte 
bis dahin das Hochland noch nicht verlassen, 
Das Standquartier befindet sich in einer ähnlichen Steppen-Hochfläche 
in ziemlich der gleichen Höhenlage wie das Dorf des Boys, Der Aufenthalt 
dort ist in jeder Beziehung angenehm. Nachts kann nur mit Wolldecken ge- 
schlafen werden; das Morgenbad unter einer starken Quelle ist stets recht kühl. 
Im Hause (einem luftigen Holzbau mit breiten Außengalerien und teils Holz- 
schindel-, teils Wellblechdach) braucht man selbst mittags nicht zu schwitzen. 
Wenn kein Wind steht, bleibt es bis abends so warm, daß man mit ganz leichter 
Kleidung auskommt. Nach Sonnenuntergang wird es auf der Galerie zum Sitzen 
fast zu kühl, doch gewöhne ich mich sehr bald daran, ohne die Kleidung zu 
wechseln. An regnerischen, bewölkten Tagen wird es, selbst auf tiefer gelegenen 
Flächen (bis 900 m) ungemütlich, und sogar mittags friere ich beim Stillsitzen 
ain wenig. Der Junge hockt dann am Feuer und geht nur ungern hinaus. Nachts 
fröstelt ihn stark, der engen Schlafgemeinschaft im heimatlichen Hause ent- 
rückt; unter seinem als Decke benutzten baumwollenen Sarong friert ihn zuweilen 
zähneklappernd, so daß ich ihm eine warme Decke abgebe. Nach einer Nacht in 
einem leerstehenden Regierungs-Rasthaus auf 1550 m Höhe ohne Schlafmatten 
und Feuer auf Lagern von Farnkraut erklärt sich der Boy „halbtot“, noch eine 
solche Nacht und er würde „ganz tot“ sein. Auch ich habe sehnlichst den Morgen 
erwartet. — In den hochgelegenen Dörfern der Steppe, die über 1200 bis 1300 m 
liegen, unterscheidet sich das abendliche Dorfbild sehr wesentlich von dem der 
tiefer gelegenen. Nur an ganz besonders schönen Abenden sitzen in jenen die 
Eingeborenen auch abends noch lange vor den Häusern oder in den Türen. Im 
allgemeinen aber verkriechen sie sich frühzeitig ans häusliche Feuer und schließen 
alle Öffnungen, 
Unter allen Märschen in den Landschaften Sumatras sind diejenigen auf den 
Hochflächen über 1000 m die angenehmsten. Wenn ein wenig Wind steht, 
schwitzen wir selbst bei hoher Sonne nicht, höchstens bei Überanstrengung. Ist 
es dagegen windstill, so werden die Märsche über die schattenlose Fläche auf 
heißen, grausandigen Wegen oft qualvoll. „Die Sonne brennt kaum erträglich 
auf uns herab. Was nützt es, wenn die Luftternperatur im Schatten auch nur 
264° beträgt, unsere überhitzten Körper empfinden die Sonnenglut wie 40° und 
mehr. Wenn es steil abwärts in Schluchten geht, torkeln wir nur so nach vorne; 
wenn es aufwärts geht, suchen wir jeden Halm als Stütze zu benutzen, um uns 
ein wenig daran emporzuziehen. Ich habe mein Taschentuch auf den Kopf ge- 
bunden, die Sonnenstrahlen wurden ein bischen zu unverschämt ....‘“ schrieb ich 
z. B. Mitte April 1931 auf 1100 m Höhe, Das Passieren der Schluchten bringt 
neben der Anstrengung der Überwindung des Höhenunterschiedes auf meist 
außerordentlich steilen Pfaden auch Beschwerden durch die Luft-, Temperatur- 
und Feuchteänderung. Da die Schluchten meist mit Wald erfüllt sind, wird der 
Schatten anfänglich als angenehme Erfrischung empfunden. Nach der Tiefe zu 
— sie sind im allgemeinen 80 bis 200 m tief — aber hört jegliche Luftbewegung 
1) Über die bereisten Landschaften, deren Klima und Wetter siehe die Abhandlung des Verf. 
„Klima und Wetter im südlichen Batakland auf &umatra‘, Ann. d, Hydr. usw. 1937, 8. 49 ff.
	        
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