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Full text: 65, 1937

Helbig, K.: Körperliches und seelisches Befinden auf Tropenmärschen in Sumatra, 163 
Körperliches und seelisches Befinden auf Tropenmärschen in Sumatra. 
Aus der Sammlung des überseeischen meteorologischen Dienstes der Deutschen Seewarte. 
Von Dr. Karl Helbig, Batavia. 
In seinen Bemerkungen zum Lettow-Feldzug hat G. Castens!) energisch 
Front gemacht gegen weitverbreitete Anschauungen über schädigende Wirkungen 
des tropischen Klimas, insbesondere der Sonnenstrahlung auf den Europäer. 
Während längerer Märsche auf Sumatra in den Jahren 1930/31 zum Zwecke land- 
zschaftskundlicher Beobachtungen hatte ich Gelegenheit, die Ausführungen von 
Castens bestätigt zu finden und mancherlei Erfahrungen zu sammeln?), Ich muß 
erwähnen, daß ich nicht erstmalig in die Tropen kam, sondern mich schon auf 
mehreren Seereisen und während eines halbjährigen Aufenthaltes auf Java ein 
wenig an sie gewöhnt hatte, Zumal auf den Seefahrten hatte ich, da ich in Heiz- 
und Maschinenräumen beschäftigt war, sehr hohe Temperaturen und Feuchten 
kennengelernt (wir arbeiteten zeitweise bei Durchschnittstemperaturen von weit 
über 50°, Maximaltemperaturen von oft über 60°C), Stets hatte mein Körper 
mit erheblicher Transpiration darauf reagiert, doch waren irgendwelche nach- 
teiligen Beschwerden nicht damit verbunden. Unmittelbare Sonnenstrahlung 
kam während der Arbeitszeit allerdings nicht in Frage. 
Auf dem sehr konventionellen Java hatte ich mich bezüglich der Kleidung 
den üblichen Gepflogenheiten fügen müssen, trotzdem sie mir im Hinblick auf 
das Klima zum Teil widersinnig erschienen, Der „Tutup“, der weiße, steif ge- 
stärkte Anzug mit hochgeschlossener Jacke, behauptete hartnäckig seinen Platz, 
und dem offenen, kurzärmeligen Hemd brachte man außerhalb des Sportplatzes 
und der häuslichen Vorgalerie immer noch viel Widerstand entgegen. Der 
leichte tropen-amerikanische Strohhut bürgerte sich nur schwer ein, (Gelegentlich 
festlicher Ereignisse sah ich das Militär, sowohl das weiße als auch das farbige 
sogar in blau-wolligen, dichtgeschlossenen Paradeuniformen in engen Kolonnen 
aufmarschieren, so daß man unwillkürlich dauernd hätte rufen mögen: Auflockern!!) 
Doch habe ich schon auf Java im Gegensatz zu den meisten Europäern alle 
Wege nach Möglichkeit zu Fuß zurückgelegt und mich des lästigen, dumpfen 
Tropenhelmes nur selten und widerwillig bedient, 
Auf dem etwas weniger der Etikette unterliegenden Sumatra richtete ich 
Mich in Kleidung und Ausrüstung ganz nach eigenem Ermessen ein, zumal ich 
größere Städte auf dem Marsch kaum berührte. Den Tropenhelm habe ich auf 
kaum 5% der insgesamt rund 2000 km langen Marschstrecke getragen. Immer 
sträubte sich der Kopf gegen seine Verwendung; im Urwald ist er überdies 
hinderlich, Fast immer ging ich gleich meinem eingeborenen „Boy“ barhaupt, 
Bei sehr starker Sonnenstrahlung genügte uns in der Regel ein Taschentuch 
auf dem Kopf, äußerstenfalls benutzte der Boy seine Kopeah (halbhohes Samt- 
Mmützchen) und ich einen ganz leichten Filzhut, den ich bei mir führte, Von 
den anfänglich gewählten Khakibreeches und Ledergamaschen kam ich sehr bald 
ab, da der Körper zu heiß unter ihnen wurde. Die Verwendung der in den 
englischen Kolonien stark vertretenen kurzen Kniehosen schien mir aus mancherlei 
Gründen nicht ratsam. So ging ich zu gewöhnlichen langen Hosen aus sehr 
leichtem Khakistoff über. Vor harten Gräsern schützten sie genügend und 
trockneten leicht, wenn sie bei Flußübergängen, in Tau, Regen oder dgl. durch- 
näßt waren, Die Luft, die nunmehr zirkulieren konnte, tat dem Körper spürbar 
gut. Von Strümpfen kam ich ebenfalls schon nach den ersten Märschen ab; 
durch die zahlreichen Flußübergänge und die Hitze waren sie dauernd naß und 
anangenehm. So ging ich fortan barfuß in stabilen, nicht allzuschweren Leder- 
stiefeln und fühlte mich wohl dabei, Es versteht sich, daß ich nur offene, kurz- 
ärmelige Hemden verwandte, Auf Unterkleidung, die im allgemeinen der Europäer 
zur Schweißaufnahme für unerläßlich hält, verzichtete ich ebenfalls. Nachts 
wurde, außer im Standquartier und auf einigen Europäerstationen, durchweg in 
‘) G. Castens: Über Tropenklimatologie, Tropenhygiene und den Lettow-Feldzug, Ann. d. Hydr, 
usw. 1925, S, 177 ff, — %) Die Anregung zur Niederschrift der folgenden Ausführungen gab Herr 
Dr. Semmelhack, Deutsche Seewarte, D. Verf.
	        
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