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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1937,
Es ist in der Tat äußerst eindrucksvoll, wie gut sich eine Übereinstimmung
bei den verschiedensten, aber schließlich unter ähnlichen Bedingungen unter-
nommenen Laboratoriumsversuchen bezüglich der Größe n ergibt, ganz gleich,
welche der drei gänzlich voneinander äußerlich unabhängigen Bestimmungsver-
fahren man anwandte. So war schon erwähnt, daß I. die vertikale Windvertei-
Jung über angeströmten Platten im Mittel dem Gesetz u = u, (4)7 folgt; dies
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führt auf n = 0.25. II. Bezüglich der Windabhängigkeit der Verdunstung ergibt
die Suttonsche Theorie bei n == 0.25 Proportionalität zu u,°”8; zur Ergänzung
der von Sutton angeführten Beispiele verweisen wir hier nur auf zwei neuere
Arbeiten, die sich mit der Verdunstung an ebenen Fließpapierscheiben befassen,
K. Dörffel (6) findet für ein gegen Wärmeleitung isoliertes Gallenkamp-Gerät
im Geschwindigkeitsbereich von 1 bis 12 m/sec die Abhängigkeit entsprechend
zu u°%7l (daraus ermittelt man n = 0.34) und unter ähnlichen Bedingungen kam
H. Mrose!) zu u°-”5 (also n = 0.29). III. Bezüglich der Abhängigkeit der Ver-
dunstung vom Überströmungsweg führt Suttons Theorie bei n = 0.25 auf Pro-
portionalität zu x°&; hierzu liegt eine neue experimentelle Arbeit von K. Dörffel
und H. Lettau (7) vor; es wurde rein empirisch ein Potenzgesetz x“ gefunden,
und & zu 0.873 bestimmt (entsprechend n = 0.29).
Es erscheint hervorhebenswert, daß die Größe n nach den verschiedensten
Experimentaluntersuchungen (weitere Beispiele, auch für Verdunstung von anderen
Flüssigkeiten als Wasser, siehe Suttons Originalarbeit) sich recht einheitlich zu
Werten von 0.25 bis 0.35 ergibt. Die Abweichung von Null ist wesentlich; dies
verdient Beachtung im Hinblick auf die Verwendung von logarithmischen Ge-
setzen für die Windänderung mit der Höhe (vgl. S. 3); n = 0 würde bei Richtig-
keit der Suttonschen Theorie besagen, daß bei Ebenen die mittlere Verdunstung
nur von der Flächengröße, nicht von der Gestalt abhängt; dies ist nicht nur
nach Laboratoriumsversuchen, sondern auch nach Ergebnissen über Verdunstung
bei natürlichen Seen unzutreffend.
Abschließend sei noch bemerkt, daß in ähnlicher Gestalt wie für die Ver-
dunstung auch Beziehungen für den Wärmeübergang abzuleiten wären, voraus-
gesetzt, daß die Wärmeübertragung nach den gleichen Gesetzen erfolgt wie der
Impulsübergang. Bei einer diesbezüglichen, der Rechnung vorgreifenden äußeren
Betrachtung von Suttons Formeln fällt vor allem auf, daß der Wärmeübergang
oder auch die Verdunstung bei gleicher mittlerer Windstärke (u) und bei gleich-
bleibender Größe der Probekörper (x,) noch verhältnismäßig stark von dem
Turbulenzgrad abhängt (sowohl über a als auch die Exponenten von u und x).
Für den Wärmeübergang am Katathermometer wurde dies in der eingehenden
Arbeit von H, Lehmann (s) bestätigt. H. Lehmann setzt die Windabhängig-
keit der Abkühlungsgröße zu a + bu” an und findet bei einigen Hundert Mes-
sungen im Freien einen auffälligen Zusammenhang seines Exponenten m mit
der Durchmischung (Stabilität) bzw. dem Luftkörper, aber auch b zeigt gewisse
Verschiedenheiten. In dieser Richtung erscheint eine Weiterführung und An-
wendung der Suttonschen Theorie nach Klärung einiger Unstimmigkeiten äußerst
wünschenswert.
Schriltenwerzeichnis,
1. L. Prandtl: Beiträge zur Physik d. freien Atmosphäre 1932, Bd. 19, S. 188,
2, H. Ertel:; Sitzungsber, d, Pr. Akademie d. Wissensch. 1934, S. 436,
3. Hesselberg: Ann. d, Hydr, u. Mar, Met, 1929, Bd, 57, S. 319.
4. H. U. Sverdrup: Beitr, z. Physik d, freien Atmosphäre 1932, Bd. 19, S. 276.
5. H. Köhler: Gerlands Beiträge z. Geophysik 1929/30, Bd. 24, S. 91.
6. K, Dörffel: Veröffentl. d. Geophys, Inst. Leipzig, Bd, 6, Heft 4.
7. K. Dörffel, H. Lettau: Ann, d. Hydr. u. Mar, Met, 1936, Bd. 64, S, 342,
8. H. Lehmann: Veröffentl. d. Geophys. Inst. Leipzig, Bd. 7. Heft 4. Vgl. auch Biokl. Beiblätter
» Met, Ztschr. 1936. 8. 107.
') Nach freundlicher mündlicher Mitteilung. Herr H. Mrose hat umfangreiche experimentelle
Untersuchungen über Verdunstung an ebenen Fließpapierscheiben im Phys. Inst. d. T. H. Dresden
unternommen. Die Ergebnisse werden demnächst veröffentlicht.