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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

Evjen, S.: Über Stauung von Luft in der freien Atmosphäre usw. 153 
denken uns, daß die Partikel mit Gradientwind anfängt, einmal bei geradlinigen 
Isobaren, ein anderes Mal bei antizyklonal gekrümmten und schließlich bei 
zyklonal gekrümmten, aber jedesmal unter einem und demselben konstanten 
Gradienten. Benutzen wir die gleiche Zusatzkraft in allen 3 Fällen (z. B. Über- 
lagerung eines Steiggebietes über das ganze Feld), so kann der zurückgelegte 
Weg gegen den höheren Druck in den 3 Fällen nicht wesensverschieden aus- 
fallen. Die Berechnungen im gekrümmten Isobarenfelde werden uns allem 
Anschein nach nur verwickeltere Formeln geben, aber keine neuen Gesichts- 
punkte hinsichtlich der Wirkung der verschiedenen Zusatzkräfte, 
5. Die Rolle der Stauung bei der Bildung von Steiggebieten. 
Um zu entscheiden, ob der Druck innerhalb eines Gebietes in den nächsten 
Stunden steigen wird, muß man die ganze Atmosphäre über dem betrachteten 
Gebiete in hinreichend dünne Schichten 
zerlegen und die Ein- oder Ausströmung 
längs der Ränder der Schichten berechnen. 
Bei unseren synoptischen Karten kann 
man nur in gröbster Annäherung Über- 
schlagsrechnungen über das Verhalten der 
tiefsten Schichten machen, und wahrschein- 
lich kann man sich auf einen Fall be- 
schränken, der in Abb. 6 angedeutet ist 
und hier näher behandelt werden soll. In 
der Mitte des Hochdruckgebietes können 
wir die Partikeln als stilliegend ansehen; 
die Partikel in A kommt nach einer ge- 
wissen Zeit nach C infolge irgendeiner 
Stauwirkung. Wir können den Druckanstieg 
berechnen, falls wir annehmen, daß sich der 
Streifen AB nach CB zusammenzieht, ohne 
seine Breite zu ändern und ohne daß Luft in der Höhe wegströmt. Die betrachtete 
Schicht übt pro Flächeninhalt innerhalb AB den Druck p aus; innerhalb CB ist 
der Druck auf P gestiegen. Dann hat man die Bedingung P-CB = p-AB, 
wodurch der durchschnittliche Druckanstieg 4p=P—p=Pp- AD wird, 
Mittels dieser Formel und der früher berechneten Zahlenbeispiele kann man 
sich eine Vorstellung von der maximalen Wirkung der Stauung machen. Offenbar 
können in extremen Fällen große Wirkungen auftreten. Das Zahlenbeispiel im 
Falle d) ergab eine Verschiebung von 14 km in 3 Stunden, AB— CB ist folglich 
gleich 14 zu setzen. Wählen wir AB gleich 1000 km und p gleich 200 mb, was 
keine extremen Werte sind, so wird 4p = 200- 2 == 2,8 mb in 3 Stunden, also 
zweifellos ein beträchtlicher Wert. Die Bewegung der Luft gegen höheren Druck 
ging aber in dem Beispiel unter der Voraussetzung vor sich, daß das Druckfeld 
sich unverändert erhalten würde, Ein so großer Lufttransport gegen höheren 
Druck kann also nur stattfinden, wenn die Ausströmung in den höheren Schichten 
ebenso groß ist wie die Einströmung in den tieferen Schichten. Bewirkt aber 
der Lufttransport gegen höheren Druck einen Druckanstieg, so versteilert sich 
das Druckfeld und hierdurch wird der Bewegung gegen den höheren Druck 
eine Grenze gesetzt. In den wirklich vorkommenden Fällen finden wir außerdem 
oft, daß zwei oder mehrere Zusatzkräfte gegeneinander wirken, was zur Folge hat, 
daß die Stauwirkung aufhört oder mindestens herabgesetzt wird. Ich werde 
einige Wetterkarten wiedergeben, um die Verhältnisse näher zu erläutern, 
Abb. 7 (s. S. 154) zeigt die Wetterlage vom 7. September 1936, 8 Uhr, Über 
Holland und Westdeutschland befindet sich eine Divergenz der Isobaren, die an- 
nähernd dem Zahlenbeispiel im Falle d) entspricht. Es wurde in diesem Beispiel 
eine Bewegung gegen den höheren Druck im Betrage von 14.3 km in 3 Stunden 
berechnet. Auf der Karte kommt aber auch ein Fallgebiet vor, das die Partikel 
Ann, d. Hydr. usw. 1937, Heft IV. 
A
	        
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