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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 65 (1937)

Neuere Veröffentlichungen. 
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Willett glaubt eine Unterteilung der Tropik- 
luft in die untere feuchte Masse (T,,) und eine 
darüber befindliche äußerst trockene Schicht (Ts) 
vornehmen zu müssen, weil eben der Charakter 
dieser beiden Schichten vollkommen verschieden 
ist. Dieser unterschiedliche Aufbau der Tropikluft 
ist auch in Europa wohl bekannt, aber ich glaube 
doch nicht. daß es sich dabei um Luftmassen 
verschiedenen Ursprungs handelt, sondern daß die 
Ausbildung einer so ausgeprägten Sperrschicht 
innerhalb der Tropikluft infolge der Turbulenz in 
den unteren Schichten und der ständigen Steiger 
rung der Stabilität auf dem Wege nach Norden 
einen folgerichtig verlaufenden Prozeß darstellt 
Gelangt die Tropikluft dann in der Nähe einer 
Zyklone oder an ihrer Begrenzung in eine starke 
Vertikalbewegung, so tritt rasch eine Abkühlung 
der oberen Schichten und schon nach kurzer Zeit 
eine allgemeine Durchfeuchtung ein, und es wird 
sofort wieder deutlich, daß es sich um einen ein- 
heitlichen KLuftkörper handelt. XNichtsdesto« 
weniger ist die Kenntnis der großen Verschieden- 
heit der Tropikluft, vor allem im Warmsektor, 
von erheblicher fliegerischer Bedeutung. 
Der Verfasser gibt zahlreiche Hinweise auf 
typische Wetterentwicklungen über Amerika, deren 
genaues Studium vor allem für jene Meteorologen 
von großem Wert ist, die an der Beratung des trans- 
atlantischen Luftverkehrs beteiligt sind. Erwähnt 
sei z.B die außerordentlich rasche Schrumpfung 
der kanadischen Kaltluft auf ihrem Wege 
Bach Süden, so daß ihre Wetterwirksamkeit meis! 
schnell nachläßt. Einige Fälle offenbarer Labili- 
sierung in der Höhe führt Willett auf das Vor- 
auseilen der ein wenig kälteren TA über die untere 
Golfluft (Ta) zurück, wobei aber das vertikale 
Temperaturgefälle den trockenadiabatischen Wert 
niemals erreicht. „In all the thousands of aero- 
logical soundings which I have studied“, schreibt 
Willett, „I have yet to find a 8ingle authentic 
case of a lapse rate at upper levels in excess of 
the dry adiabatie, produced by the overrunning of 
a warm by a cold air mass. Superadiabatic lapse 
rates extend from the ground upward in special 
cases of marked surface influence. If the cold 
Polar air masses really do at times advance hun- 
dreds of miles ahead of the position of the cold 
front at the ground, as is frequently claimed, then 
zuperadiabatic lapse rates would occasionally be 
observed in winter at upper levels ahead of cold 
{ronts‘‘, 
Beachtenswert ist auch das oft rasche Ein- 
greifen von polar-pazifischen Luftmassen 
in das Wettergeschehen der Oststaaten, 
wobei sich die Polarluft noch mehr als in Kuropa 
nur auf Grund der Höhenaufstiege ein- 
wandfrei erkennen Jäßt, und es wird nachge:. 
wiesen, daß die oft überraschende Entwick- 
lung einer Teildepression über dem St, Lo- 
renz-.Golf, obwohl sich die Tropikluft am Boden 
auf die Golfstaaten beschränkt, dann erfolgt, wenn 
sich die Warmluftin der Höhe schon wesent. 
lich weiter nordwärts ausgebreitet hat. Die 
weitere Erschließung der von dem amerikanischen 
aerologischen Netz gesammelten Schätze wird siche: 
bald dazu führen, daß wir für den atlantischen 
Flugdienst auch die Ergebnisse der amerikanischen 
Wetterflüge zu Höhenkarten verarbeiten müssen, 
nachdem dazu seit dem 1]. Januar 1937 mit ihrer 
Aufnahme in das Sendeprogramm der Funkstelle 
Arlington die Möglichkeit vorhanden ist. 
R. Scherhag. 
E. Kohlschütter: Meßkarte zur Auflösung 
sphärischer Dreiecke. 3. Auflage. Dietrich 
Reimer, Berlin 1936. Preis 8 RM. 
Diese Meßkarte liegt nun bereits in dritter 
Auflage vor. 1905 erschien die erste, 1929 die 
‚weite und nach weiteren sieben Jahren die dritte, 
än Zeichen, daß sie weiteren Eingaug in der See- 
iahrt und jetzt auch in der Luftfahrt gefunden 
nat. Ihr Aufbau und Zweck sind in zwei Mit- 
‚eilungen dieser Zeitschrift, Bände 34 und 57, dar- 
zelegt worden. Die Rückseite der Meßkarte ent- 
hält wieder die ausführliche Anleitung mit Bei- 
spielen, Der Wert der Meßkarte steht und fällt 
mit der Brauchbarkeit des Herstellungsmaterials, 
Jas den physikalischen Einwirkungen von Feuch- 
iigkeit und Wärme nicht unterliegen darf. Ent- 
sprechend den Fortschritten der Stoffveredelung 
st die neue Karte aus einem Material hergestellt, 
das den obenerwähnten Einwirkungen standhalten 
soll. Darüber, wie sich die Meßkarten in der 
Praxis bewährt haben, konnten leider keine Urteile 
erhalten werden. Hermann Dunkel. 
A. Nippoldt: Erdmagnetismus, Erdstrom und 
Polarlicht, 4. verbesserte Auflage. Sammlung 
Göschen Nr, 175, Mıt9 Taf, u. 13 Abb. 12858, 
Herlin, de Gruyter, 1937, Preis 1.62 M. 
Das erhöhte Interesse, welches erdmagnetische 
Fragen neuerdings in weiteren Kreisen finden, er- 
zab die Notwendigkeit, das von dem kürzlich ver- 
storbenen Direktor des Magnetischen Institutes der 
Universität Berlin verfaßte Bändchen in 4, Auflage 
erscheinen zu lassen, Die Darstellung der physi- 
zalischen Natur des erdmagnetischen Feldes und 
seiner Variationen wird auf den neuesten Stand 
zebracht, wobei einige Abschnitte völlig neu be- 
ırbeitet werden mußten, Dabei werden zuweilen 
Deutungen gehracht, die vom physikalischen Stand- 
ounkte aus noch nicht die notwendige exakte Be- 
zründung finden konnten. Hierin zeigt sich gerade 
zine persönliche Note des Büchleins, wie denn der 
Verfasser öfters darauf hinweist, daß oft schon 
Zusammenhänge, die zuerst nur vom Kinzelnen 
zeahnt, später durch Theorie und Beobachtung 
vestätigt werden konnten, Sehr ausführlich wird 
die Geschichte des Kompasses dargestellt, völlig 
neu erscheint ein Abschnitt über erdmagnetische 
Störungen und Wellentelegraphie, Drei Kärtchen 
geben D, H und zum ersten Male Z für Deutsch- 
land 1935, FR Yrrulat. 
Heinrich Einspinner: Flüge über Österreich, 
77 S., 52 Bilder, Leykam-Verlag. Graz 1937, 
Der Verfasser schildert in packender Form 
lie Wunder des Fliegens und die Naturschönheiten 
Österreichs, Von Städten und Dörfern, Bergseen 
and wolkenumbrandeten Fisriesen der österreichi- 
schen Alpen, die bei den Flügen kreuz und quer 
dureh Österreich vorüberziehen, wird erzählt und 
zahlreiche ausgezeichnete Bilder unterstützen die 
von Begeisterung für die Schönheit des Fliegens 
zeugenden Schilderungen. Dazwischen sind Kapitel, 
die technische Fragen der Fliegerei behandeln, ein- 
yeschaltet. In diesen wird beispielsweise von den 
physikalischen Grundlagen des Fliegens oder von 
der Ausbildung des Flugzeugführers gesprochen. 
Sehr eingehend wird der Leser über die für die 
Verkehrsfliegerei notwendige weitverzweigte Boden- 
organisation unterrichtet, So schildert der Ver- 
fasser die Entwicklung des Flugfunkverkehrs und 
erläutert in klarer Art die neuesten Methoden des 
Funkpeilverfahrens und des Blindfluges, Sehr ein- 
gehend wird die Organisation und Beratungstätigkeit
	        
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