Kohlbach, W.: Ostseetemperatur und Niederschlag im nordwestlichen Ostpreußen, 129
die Differenz der Monatsmittel von Meerestemperatur und mittlerem täglichen
Temperaturmaximum über Land heranziehen, Für das betrachtete Gebiet wurden
die mittleren täglichen Höchsttemperaturen von Königsberg und die Monatsmittel
der Seetemperatur bei Adlergrund benutzt. Letztere wurden auch für die Danziger
Bucht, deren Temperatur ja für die Niederschlagsverhältnisse des Samlandes in
Frage käme, als maßgebend angesehen, Der Temperaturgang des Seewassers
5ei Hela zeigt nämlich eine größere Jahresschwankung als bei Adlergrund, da
wahrscheinlich die Wassertemperaturen in Landnähe gemessen wurden, Die Tiefen
der Danziger Bucht liegen zwischen 50 und 100 m, dürften daher mehr den
Tiefenverhältnissen bei Adiergrund entsprechen. Vgl. das Bodenprofil der südlichen
Ostsee aus dem „Atlas für Temperatur, Salzgehalt und Dichte der Nordsee und
Ostsee" sowie die Temperaturen aus den „Monatskarten der Nord- und Ostsee“,
herausgegeben von der Deutschen Seewarte,
Abb. 2 zeigt den Jahresgang der Temperaturdifferenz Wasser Adlergrund
minus mittlere tägliche Höchsttemperatur Königsberg (positiv senkrechte Schraffur,
negativ waagerechte Schraffur).
Danach liegt also in den Mo-
naten November bis Februar die
Seetemperatur durchschnittlich
immer höher als die Höchst-
temperatur der Luft in Königs-
berg. Daher ist also in diesen
Monaten die größte Labilisierung
der Atmosphäre über See zu er-
warten, Die Auslösung der La-
bilität tritt also über See ein,
während die Schauerbildung
selbst und ihre Niederschläge
bei den vorherrschenden SW-W-
Winden erst landeinwärts zu
erfolgen braucht, Daher die
Beschränkung der Winternieder-
schläge auf den Samlandblock.
in Nähe der beiden angrenzen-
den Haffe tritt kein Winter-
maximum auf, da diese meist
zufrieren und dann bezüglich
der Auslösung wie festes Land
wirken. Ein Niederschlagsmaxi-
mum müßte direkt über den
Haffen zu erwarten sein. Nach den Erfahrungen des Flugwetterdienstes treten
auch über dem Samland und den Haffen im Winter verhältnismäßig umfang-
reiche Schneeschauer mit starker Sichtverschlechterung auf,
In den anderen Monaten werden die Höchsttemperaturen nur über Land erreicht,
and die Auslösung der Schauer erfolgt nur hier, Daher die Niederschlagsmaxima
außerhalb des Samlandes, abgesehen vom Zentrum, wo in größter See-Entfernung
die Auslösetemperaturen für örtliche Schauer erreicht werden könnten, Eigenartig
ist, daß ein Streifen höchster Niederschläge sich in etwa 20 bis 30 km Entfernung
von Haff- und Seeküste hinzieht. Er dürfte seine Erklärung finden in dem von
Seifert angegebenen „sommerlichen Monsuntyp der Schauerverteilung“. Der
während des Sommermonsuns überwiegende Seewind von einigen hundert Metern
Mächtigkeit dringt mit seiner kühleren Luft bis etwa 20 bis 30 km landeinwärts
vor. Hier ist die kühle Luft durch die Einstrahlung aufgezehrt, und die Auslöse-
temperatur für die Labilität wird etwa in dieser Entfernung von der Küste erreicht,
Die verstärkte Vertikalbewegung bei der Schauerbildung verursacht in der Um-
gebung ein entsprechendes Absinken, also ein niederschlagarmes Gebiet, besonders
dort, wo die Auslösetemperatur nicht erreicht wird. Dazu kommt vielleicht noch
eine „frontartige“ Ordnung der Schauerbewölkung an der Grenze der anlandigen