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Full text: 65, 1937

Kohlbach, W.: Ostseetemperatur und Niederschlag im nordwestlichen Ostpreußen, 129 
die Differenz der Monatsmittel von Meerestemperatur und mittlerem täglichen 
Temperaturmaximum über Land heranziehen, Für das betrachtete Gebiet wurden 
die mittleren täglichen Höchsttemperaturen von Königsberg und die Monatsmittel 
der Seetemperatur bei Adlergrund benutzt. Letztere wurden auch für die Danziger 
Bucht, deren Temperatur ja für die Niederschlagsverhältnisse des Samlandes in 
Frage käme, als maßgebend angesehen, Der Temperaturgang des Seewassers 
5ei Hela zeigt nämlich eine größere Jahresschwankung als bei Adlergrund, da 
wahrscheinlich die Wassertemperaturen in Landnähe gemessen wurden, Die Tiefen 
der Danziger Bucht liegen zwischen 50 und 100 m, dürften daher mehr den 
Tiefenverhältnissen bei Adiergrund entsprechen. Vgl. das Bodenprofil der südlichen 
Ostsee aus dem „Atlas für Temperatur, Salzgehalt und Dichte der Nordsee und 
Ostsee" sowie die Temperaturen aus den „Monatskarten der Nord- und Ostsee“, 
herausgegeben von der Deutschen Seewarte, 
Abb. 2 zeigt den Jahresgang der Temperaturdifferenz Wasser Adlergrund 
minus mittlere tägliche Höchsttemperatur Königsberg (positiv senkrechte Schraffur, 
negativ waagerechte Schraffur). 
Danach liegt also in den Mo- 
naten November bis Februar die 
Seetemperatur durchschnittlich 
immer höher als die Höchst- 
temperatur der Luft in Königs- 
berg. Daher ist also in diesen 
Monaten die größte Labilisierung 
der Atmosphäre über See zu er- 
warten, Die Auslösung der La- 
bilität tritt also über See ein, 
während die Schauerbildung 
selbst und ihre Niederschläge 
bei den vorherrschenden SW-W- 
Winden erst landeinwärts zu 
erfolgen braucht, Daher die 
Beschränkung der Winternieder- 
schläge auf den Samlandblock. 
in Nähe der beiden angrenzen- 
den Haffe tritt kein Winter- 
maximum auf, da diese meist 
zufrieren und dann bezüglich 
der Auslösung wie festes Land 
wirken. Ein Niederschlagsmaxi- 
mum müßte direkt über den 
Haffen zu erwarten sein. Nach den Erfahrungen des Flugwetterdienstes treten 
auch über dem Samland und den Haffen im Winter verhältnismäßig umfang- 
reiche Schneeschauer mit starker Sichtverschlechterung auf, 
In den anderen Monaten werden die Höchsttemperaturen nur über Land erreicht, 
and die Auslösung der Schauer erfolgt nur hier, Daher die Niederschlagsmaxima 
außerhalb des Samlandes, abgesehen vom Zentrum, wo in größter See-Entfernung 
die Auslösetemperaturen für örtliche Schauer erreicht werden könnten, Eigenartig 
ist, daß ein Streifen höchster Niederschläge sich in etwa 20 bis 30 km Entfernung 
von Haff- und Seeküste hinzieht. Er dürfte seine Erklärung finden in dem von 
Seifert angegebenen „sommerlichen Monsuntyp der Schauerverteilung“. Der 
während des Sommermonsuns überwiegende Seewind von einigen hundert Metern 
Mächtigkeit dringt mit seiner kühleren Luft bis etwa 20 bis 30 km landeinwärts 
vor. Hier ist die kühle Luft durch die Einstrahlung aufgezehrt, und die Auslöse- 
temperatur für die Labilität wird etwa in dieser Entfernung von der Küste erreicht, 
Die verstärkte Vertikalbewegung bei der Schauerbildung verursacht in der Um- 
gebung ein entsprechendes Absinken, also ein niederschlagarmes Gebiet, besonders 
dort, wo die Auslösetemperatur nicht erreicht wird. Dazu kommt vielleicht noch 
eine „frontartige“ Ordnung der Schauerbewölkung an der Grenze der anlandigen
	        
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