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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1937,
Da nur die Niederschlagsverhältnisse des Samlandes interessierten, wurde die
Untersuchung beschränkt auf ein Rechteck (Königsberg als Mittelpunkt), das sich
von der Nordwestecke Brüsterort 70 km nach E und 60km nach S erstreckt. Auf
dieser Fläche standen 35 Stationen mit 45jährigen Monatssummen zur Verfügung,
davon 14 Stationen innerhalb des durch die Samlandküsten, den Pregel und die
Linie Königsberg —Cranz gebildeten Rechtecks.
Eine Betrachtung der klimatologischen Verhältnisse Ostpreußens unter
aerologischen Gesichtspunkten ist bisher nur von Seifert!) unternommen worden,
Das vorliegende neue klimatologische Material gestattet den Versuch, einige in
der eben erwähnten, für den praktischen Wetterdienst sehr aufschlußreichen Arbeit
vertretene Anschauungen zu festigen.
Zeichnet man für die gesamte betrachtete Gegend die monatlichen Isohyeten,
so ist zunächst der Verlauf der Gebiete höchsten Niederschlages innerhalb der
einzelnen Monate und ihre jahreszeitliche Verlagerung wichtig. Abb. 1 zeigt die
Verbreitung der Niederschlags-
höchstwerte für die Monate No-
vember—Februar (Winter), Mai—
August (Sommer), September—
Oktober und März—April als
Übergangsjahreszeiten. Bemer-
kenswert ist die Verteilung der
Höchstwerte der Winternieder-
schläge (senkrechte Schraffur)
und der Sommerniederschläge
(waagerechte Schraffur). Die
Maxima der Winterniederschläge
sind fast nur auf das Samland
beschränkt, die Sommernieder-
schläge treten nur im Mittel-
punkt des Samlandes, sonst im
Hinterlande in einem offenbar
zur Küste des Frischen Haffes
parallelen Streifen auf, Eine Be-
ziehung zur Oberflächengestal-
tung scheint nicht vorzuliegen, obwohl diese vor einigen Jahren für das Samland
vermutet wurde?), In diesem Falle müßten Grundmoränenzüge von 50 bis 80 m
relativer Höhe bereits Stauwirkungen zeigen. Allerdings ist die Nord-Süd-Er-
streckung der Niederschlagsmaxima auf der Westseite des in gleicher Richtung
verlaufenden Alkgebirges auffällig.
Deutet man jedoch die Niederschläge als verursacht durch instabile
atmosphärische Energieumlagerungen, so kann die geschilderte Niederschlags-
verteilung zwangloser erklärt werden. Hierzu war es notwendig, neben den schon
vorliegenden klimatologischen Pentaden- und Monatsmitteln der Lufttemperatur
und der mittleren täglichen Höchsttemperaturen auch Temperaturen des Ober-
flächenwassers der Ostsee zu beschaffen, Für das Gebiet der Pregelmündung
standen nur 3jährige Beobachtungsreihen von Wassertemperaturen zur Verfügung
(angestellt auf Veranlassung des Fischereiinstituts der Universität Königsberg [Pr]).
Für die nächste Seeumgebung des Samlandes kamen nur langjährige Monatsmittel
der Wassertemperaturen bei Hela (Segelhandbuch f. d. Ostsee, I. Abt., 1906) sowie
11jährige Pentaden- und Monatsmittel von Feuerschiff Adlergrund®) in Frage.
Die Labilisierung der Atmosphäre vom Untergrund her ist bei Land und
Wasser jahreszeitlich verschieden, je nach der Verteilung der Höchsttemperaturen.
Da bei der Meeresoberfläche praktisch kein Tagesgang in der Temperatur vor-
handen ist, kann man zur Feststellung des jeweiligen labilisierenden Untergrundes
1) Instabile Schichtungen der Atmosphäre und ihre Bedeutung für die Wetterentwicklung im
Königsberger Gebiet, Veröfftl. d. Geophys. Inst. Leipzig, Bd. VI, Heft 5. — 2%) F. Jankuhn: Das
westliche Samland, Veröfftl, d. Geogr. Inst. Königsberg (Pr), Nr. 9. — 3) Meereskundliche Beobachtungen
auf deutschen Feuerschiffen der Nord- und Ostsee, Dt. Seewarte 1924—1934