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Full text: 65, 1937

Wrage, W.: Wattbildungen an der nordnorwegischen Küste, 
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Steinen findet sich bald grober oder feiner Sand oder toniger Boden. Zahlreiche 
Fische, vor allem Plattfischarten und die sich an den Steinen festsaugenden 8so- 
genannten Seehasen, beleben neben Schnecken, Muscheln und Krebsen das Watt. 
Auch der Sandwurm, Arenicola, zeigt hier und da zwischen den Steinen seine 
charakteristischen Häufchen. Es ist leicht einzusehen, warum die Tierwelt gegen- 
über den Watten der Nordseeküste soviel vielgestaltiger und andersartig ist. Im 
Wattengebiet unserer Küste fehlen die zahlreichen Steine, Diese wiederum bieten 
arst den zahlreichen Tangarten Wuchsbedingungen, da diese sich ja nicht mit 
Wurzeln im Sand oder Schlamm zu verankern vermögen, sondern feste Gegen- 
stände (eben Felsen, Steine, Pfähle) brauchen, an denen sie sich dann mit ihren 
Haft- und Klammerwurzein zu befestigen vermögen. In unseren Wattgebieten 
haben sie höchstens durch eine Miesmuschelbank dazu Gelegenheit oder durch 
die Kunstbauten der Menschen (Stacks, Brückenpfähle usw.), Wer den gewaltigen 
Gegensatz zwischen dem mit Tangen besiedelten Felswatt Helgolands und seiner 
Tierwelt und andererseits den Wattgebieten, die durch ihre losen und leicht 
wandernden Sand- und Schlickmassen so gänzlich andere Lebensbedingungen 
bieten, kennt, kann sich auch von den hier besprochenen Watten ein Bild machen. 
Die Aufnahmen 5 und 6 vermögen wohl besser als viele Worte Landschafts- 
Charakter und morphologische Einzelheiten zu zeigen. Hinter dem besprochenen 
Steinwall lag nun ein Wattgebiet, das deutlich höher lag als dasjenige vor ihm. 
{m Gegensatz zu dem eben besprochenen Außenwatt traten das Geröll und die 
Steinblöcke bei diesem Innenwatt in den Hintergrund und die Sand- und in 
geringem Maße auch tonige Schlickschichten in den Vordergrund. Dieses Watt 
ging an einzelnen Stellen durch einen regelrechten Quelleranwuchs in einen kurzen 
Vorlandrasen über, wie er von den Halligen und der deutschen Nordseeküste 
bekannt ist. An andern Stellen bildeten allerdings auch Geröllstreifen die Mar- 
kierung der MHW-Linie, Dieses Watt war gegenüber dem vorherbeschriebenen 
deutlich in Hinblick auf die Tier- und Pflanzenwelt verarmt, Als Oberflächen- 
formen fanden sich wiederum Rippeln und Priele, die durch den Steinwall ins 
Meer führten. Es zeigten sich hier durch den Steinwall bedingte Eigentümlich- 
keiten. Während der Flut, aber noch mehr während der Ebbe, trat an dem 
Steinwall nämlich eine Stauung der Wassermassen ein, die sich z, B. bei Ebbe 
derart auswirkte, daß das Außenwatt vor dem Steinwall schon zum größten Teile 
trockengefallen war, während sich im Innenwatt hinter dem Steinwall noch eine 
ziemlich breite Wasserfläche dehnte, die erst allmählich, durch den Steinwall 
hindurchrauschend, entwässerte, Bei den Prielen handelt es sich hier jm Gegen- 
zatz zu dem bei Watt 1 beschriebenen Süßwasserpriel um echte Priele, die ledig- 
lich durch den Wechsel der Gezeiten (vor allem durch den Ebbstrom) bedingt 
sind. Die Ausbildung der Priele in der bekannten charakteristischen Oberflächen- 
form findet im Außenwatt Widerstand durch die zahllosen Steinblöcke und das 
Geröll; trotzdem sind sie stellenweise so tief, daß sie das Niedrigwasser noch als 
wasserführende Hohlformen überdauern, Zum Abschluß der Beschreibung dieser 
Wattbildung möchte ich noch erwähnen, daß ich es nur der außergewöhnlich 
ruhigen Witterung verbunden mit Östwindwetterlage zu verdanken hatte, daß 
ich an dieser Küstenlandschaft landen konnte. Interessant war die trotzdem an 
den Außenklippen herrschende Brandung, die auf eine Dünung zurückzuführen 
war, die durch den Westfjord heranrolilte. Auf der See vor den Klippen war 
diese mächtige Dünung kaum zu bemerken, Sie äußerte sich nur darin, daß die 
Außenklippen und Felsen der Küste plötzlich langsam ins Meer zu sinken schienen, 
um nach einiger Zeit wieder langsam aus ihm aufzutauchen, wobei weißleuch- 
tender Gischt rauschend aus den Spalten des dunklen Gesteins sprudelte. Die 
niedrigsten Außenklippen tauchten bei jedem der langsam sich hebenden Dünungs- 
berge völlig unter, so daß sie zeitweilig unsichtbar waren, Plötzlich entstand 
dann auf der glatten Fläche ein weißer Schaumstreifen, und in seiner Mitte 
zeichnete sich der dunkle Umriß einer Felsklippe ab. Die Dünungswellen selbst 
waren hier fast überhaupt nicht zu sehen, so daß man sich im Boot in völliger 
Ruhe zu befinden glaubte. Vielleicht war auch der ungewisse Schein der Mitter- 
nachtssonne schuld an dieser Täuschung.
	        
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