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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1937,
ebenso wie die Berghänge und Fjordwände aus gewachsenem Fels, Urgestein, das
z. T. mit Schutt-, glazialen Lehm- und Verwitterungsböden bedeckt ist. Sie ist
nach der landläufigen Meinung als Abrasionsterrasse aufzufassen; das sie be-
deckende Material liefert unter Hinzufügung mariner Sinkstoffe und Organismen-
reste das Material für den Aufbau des in der Skizze durch die MHW- und MNW-
Linie begrenzten Wattes, Schon in der Entstehung und im Übergang zu den
bedeutenden Tiefen des Fjordes haben wir also hier wesentlich andere Verhält-
nisse vor uns, als wir sie von den Wattenküsten der Nordsee gewohnt sind. Das
Hinterland des Wattes ist hier meist nicht von ihm abhängig, ein eigentliches
Vorland gering entwickelt, und von einer genetisch mit dem Watt in Zusammen-
hang stehenden Marsch kann man nur an wenigen Stellen sprechen, und auch
dann handelt es sich immer um ziemlich winzige Bezirke, wie überhaupt die
Ausdehnung der Watten sich natürlich nicht mit der der deutschen Nordseeküste
messen kann, was aus der völlig anderen geologisch-tektonischen Struktur Nor-
wegens ohne weiteres verständlich ist. Das hier im besonderen für die erste
Wattbildung der Skizze 1 Gesagte gilt allgemein auch für die Watten der
Skizzen 2 und 3, sofern nicht bei Beschreibung dieser letzten Watterscheinungen
ausdrücklich auf Abweichungen und Besonderheiten hingewiesen wird.
Nun zur speziellen Betrachtung des Wattes 1 (ich will im folgenden bei Er-
wähnung der einzelnen Wattbildungen nach den Bezeichnungen der schematischen
Skizzen immer von Watt 1, 2 und 3 reden). Im Süden bildet die Festlandsküste
eine Bucht, in deren Hintergrund von den bewaldeten Berghängen die Wasser-
fälle F und F 1 herabstürzen. Da sich vor der Küste der Wattstreifen ausdehnt,
muß das Süßwasser dieser Bäche sich einen Weg durch das Watt bahnen. Es
kommen auf diese Weise bei Niedrigwasser Priele zustande, die von kaltem, klarem
Süßwasser durchflossen werden, aus denen wir uns mitten im Watt unser Trink-
wasser holen konnten. Da die Wassermasse des Süßwasserpriels SP, wie ich diese
Bildung einmal nennen will, mir im Verhältnis zu den Bächen ziemlich klein
erschien, halte ich es für möglich, daß die Wassermassen des Falles F1 sich
ihren Weg in einem zweiten Süßwasserpriel SP’ 1 suchten, dessen möglichen Ver-
lauf ich auf der, Skizze angegeben habe. Der Begriff „Süßwasserpriel“ und
ebenso der später gebrauchte Ausdruck „Vorlandpriel“ ist übrigens, streng ge-
nommen, nicht richtig, wenn man unter „Priel“ lediglich durch die Gezeiten
geschaffene, lineare Hohlformen des Wattes versteht. Ich möchte daher nach
wie vor alle im Gezeitenbereich liegenden, nur zeitweilig Wasser führenden,
linearen Hohlformen als Priele bezeichnen, Diese nicht genetisch-dynamische,
sondern nur schlicht beschreibende Definition hat m. E. manchen Vorteil (Ver-
einfachung!). Grenzfälle und Übergänge werden sich natürlich nie vermeiden
lassen. Der Boden des Wattes besteht meist aus Sandgrund, der durch das
Wasser an einzelnen Stellen verschieden sedimentiert ist. Bald ist er grob-
körnig und läßt noch die einzelnen Bestandteile des Urgesteins erkennen, bald
ist er auch ziemlich weiß und feinkörnig. Hinter der Insel Risöy (SIW =
Inselschutzwatt) ist das Watt meist weich und von toniger, grauer Beschaffen-
heit, von kleinen Steinen durchsetzt. Man sinkt an diesen Stellen leicht bis
über die Knöchel ein. Zweifellos handelt es sich auch um eine marine Um-
lagerung. Der Unterschied zwischen diesem Sediment und den Wattenschlicken
der Nordseeküste besteht vor allem darin, daß hier der koprogene und dunkle
organische Anteil, der bei den Wattenschlicken unserer Nordseeküste recht er-
heblich ist, stark zurücktritt. Sowohl das grobe und feine Sandwatt wie auch
dieser Tonschlick zeigt aber reiche Beimengungen von Kalkschalen von Muscheln
und Schnecken, sowie große Mengen der weißgebleichten Gerüste der Kalkalgen-
gattungen Lithothamnium und Corallina.
Als Oberflächenformen treten im Sandwatt Rippeln und Arenicolahäufchen
auf, genau wie in den Watten der Nordsee, Inı Süßwasserpriel fanden sich Strö-
mungsrippeln und an einzelnen Stellen kleine Strombänke. Es ist übrigens die
einzige Stelle, an der ich in diesem Gebiet diese für die Wattströme und größeren
Priele unserer Fluß- und Seewatten so charakteristischen Oberflächenformen fand,
Ich möchte hier darauf hinweisen, daß ich einige der sogenannten „Strömmen“