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Volltext: 65, 1937

JA 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1937. 
Die meridionale Komponente der mittleren Luft- 
versetzung ist aus Süd im Herbst und Winter am 
stärksten, während oberhalb 2000m in der kalten 
Jahreszeit gerade die Nordkomponente ziem- 
lich groß ist. Ob man daraus allerdings schließen 
xann, „daß die Kälte der oberen Schichten im 
Winter nicht nur kontinentalen, sondern auch 
olaren Ursprungs ist“, erscheint mir zweifel- 
haft, denn die offenbare Rechtsdrehung mit der 
Höhe im Winter weist ja gerade darauf hin, daß 
im Winter in der freien Atmosphäre gar keine 
Kaltluft herangeschafft wird, sondern daß es sich 
gerade um eine Warmluftadvektion handelt. 
Ein Versuch, aus der Anderung der Luft. 
versetzung mit der Höhe die zonalen und meridio- 
nalen Temperaturgradienten zu berechnen, ergibt 
für den E-W-Temperaturgradient befriedigende 
Übereinstimmung mit dem direkten Vergleich der 
Mitteltemperaturen von Soesterberg und Lindenberg 
und kann deshalb als recht zuverlässig angesehen 
werden. In allen Jahreszeiten nimmt die 
Temperatur von Westen nach Osten ab, ein 
Ergebnis, das man für den Sommer kaum erwarten 
würde, das aber auch den täglichen Höhenwetter 
karten immer wieder das Gepräge gibt. Im Sommer 
ist dieser Temperaturgradient allerdings geringer 
als 1/2, Grad pro 100 km, steigt aber im Winter 
auf etwa 0.4° an, womit die meridionale Tem. 
peraturabnahme in Höhen von über 3000 m um 
das Vierfache übertroffen wird. 
Die Differenzen der mittleren Luftversetzung 
zwischen den Morgen- und Mittagbeobachtungen 
ergeben „ein großzügiges Land- und Seewind- 
system“ und deuten an, daß auch „hoch in der 
freien Atmosphäre eine periodische Luftbewe: 
gung erzeugt wird“, 
Es konnten hier nur die für die Dynamik 
wichtigsten Ergebnisse dieser auch für die Klima: 
tologie der freien Atmosphäre äußerst wertvollen 
Arbeit erwähnt werden, R. Scherhag. 
Martin Hank6: Astrometeorologie und Astro- 
seismologie, Dunäntül 1935, 136 8. 
Die Möglichkeit einer Beeinflussung des Wetters 
durch Konstellationen von Gestirnen wird heute 
von verschiedenen Außenseitern der Wissenschaft 
vertreten, die damit auf dem Gebiet der langfristigen 
Wettervorhersage rascher zum Ziel zu gelangen 
hoffen, als es die organische Weiterentwicklung der 
meteorologischen Wissenschaft bisher erwarten läßt. 
An sich ist es durchaus erwünscht, auch diese immer 
wieder auftauchenden astrologischen Bemühungen 
nicht einfach abzulehnen, sondern kritisch abzu- 
wägen. Wenn aber wie in dem vorliegenden Buche 
eine weitgehende Unkenntnis der Vorstellungen 
moderner Wissenschaft zutage tritt, wenn weiter 
als Quelle für meteorologische und seismische Er- 
scheinungen die „Strahlung“ und „Kraftwirkung“ 
der eben noch mit bloßem Auge sichtbaren Sterne 
als gleichberechtigt neben die Strahlung der Sonne 
und die Anziehungskraft des Mondes gesetzt wird, 
wenn nicht der geringste Versuch einer zahlen- 
mäßigen Abschätzung solcher Wirkungen gemacht 
wird, wenn die Wahrscheinlichkeit für das Zu- 
sammentreffen von Wetterlagen und Erdbeben 
mit Konstellationen in keiner Weise in Betracht 
gezogen wird, dann wird auch der vorurteilslose 
Leser den Wert eines solchen Buches gering ver- 
anschlagen, selbst wenn auf Grund seiner Vor- 
stellungen dem Verfasser (vielleicht trotz derselben!) 
einzelne Prognosen geglückt sind, 
Freieslieben. 
Wanda Oesau: Schleswig-Holsteins Grönland- 
lahrt auf Walfischfang und Robbenschlag vom 
17.—19, Jahrhundert, Umfang 320 S. Gr. Okt, 
43 Bildseiten mit 82 Bildern, 2 Buntdrucken, 
einer Karte und 20 Wappen, Siegeln oder Sym- 
bolen schleswig-holsteinischer Städte, Dörfer und 
Inseln, die arktische Fangunternehmungen tätig- 
ten. Verlag J.J. Augustin, Glückstadt-Hamburg- 
New York 1937. Preis: Ganzleinen 12 RM. 
Die kürzlich mit der Ausfahrt der „Jan Wellem“ 
begonnene Beteiligung Deutschlands an dem ant- 
ırktischen Walfang lenkt den Blick zurück auf die 
Rolle, welche die Bewohner der deutschen Küsten- 
zebiete vom 17, bis in die zweite Hälfte des 19. Jahr- 
hunderte bei der Ausbeutung der arktischen Wal- 
langgebiete gespielt haben, Hierüber gibt es mehrere 
Darstellungen, es sei nur an die neueste von 
W. Schnakenbeck im Handbuch der Seefischerei 
Nordeuropas erinnert. Für das hier angezeigte 
Buch hat sich die Verfasserin die Aufgabe gestellt, 
Aus den heute noch vorhandenen Zeugnissen jener 
Zeit für einen Teil des deutschen Küstengebietes, 
nämlich Schleswig-Holstein, ein lebendiges Bild von 
dem damals betriebenen Walfang und Robbenschlag 
zu entwickeln. Mit schr großer Sorgfalt und Liebe 
hat die Verfasserin, die selbst einer Grönland fahrer- 
[amilie entstammt, die in Schleswig-Holstein, Ham- 
burg und Dänemark vorhandenen Archive durch- 
zucht und außerdem das in der schleswig-holstei- 
nischen Presse sowie in Privatbesitz vorhandene 
sehr zerstreute Material aufgestöbert und ausgiebig 
benutzt, Soweit möglich sind, sozusagen in letzter 
Stunde, auch noch Mitteilungen von den letzten 
lebenden Teilnehmern jener Fahrten oder von deren 
Familienangehörigen gewonnen worden, wozu die 
Verfasserin durch Familienbeziehungen und genaue 
Kenntnis der Psyche und Lebensverhältnisse der 
zu Befragenden offenbar besonders geeignet war. 
Ein reiches Material ist damit ausgenutzt und z, T, 
erst zugänglich gemacht bzw. vor dem endgültigen 
Vergehen gerettet worden. 
Das Buch ist in vier Abschnitte gegliedert. Im 
arsten werden die Jagdmethoden auf Walfische, 
Robben, Walrosse und Eisbären geschildert, soweit 
sie sich aus den vorhandenen und stets angegebenen 
Quellen belegen lassen. Der zweite und umfang- 
‚eichste Abschnitt behandelt die von den einzelnen 
Orten Schleswig-Holsteins betriebenen arktischen 
Fangunternehmungen; es kommen hier folgende 
Plätze in Betracht: Altona, Apenrade, Beiden- 
4Jeth, Brunsbüttel, Eckernförde, Elmshorn, Flens- 
urg, Föhr, Friedrichstadt, Glückstadt, Husum, 
‚tzehoe, Kiel, Kollmar, Röm, Schleswig, Sonderburg, 
Sylt, Tondern, Tönning, Utersen. Je nach dem 
Umfang und der Eignung der vorhandenen Quellen 
ind die Einzelfragen des Fangbetriebes, wie Kosten, 
Einnahmen und Mannschaft eines Grönlandfahrers, 
weiter die Frage der staatlichen Unterstützungen, 
der Verproviantierung, der Havarien, des Grön- 
ändischen Rechtes usw, jeweils bei einzelnen Städten 
yehandelt, und die Gefahr der Wiederholung gleicher 
Themen mit nur geringen, lokal bedingten Ab- 
inderungen ist glücklich vermieden worden. Belebt 
ist die Schilderung durch die Wiedergabe zahl- 
‚eicher zeitgenössischer Berichte. Am ausführ- 
üichsten sind Altona und Glückstadt behandelt, die 
beide den größten Anteil an Schleswig-Holsteins 
Grönlandfahrt gehabt haben. Kennzeichnend für 
den Umfang der von Glückstadt aus betriebenen 
Grönlandfahrten ist, daß von den ersten Anfängen 
im Jahre 1671 bis zur letzten Fahrt im Jahre 1863 
rund 600 Ausfahrten auf Walfisch- und Robbenfang
	        
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