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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1937,
als 300 km/Stunde in der oberen Troposphäre rechnen muß. An der
amerikanischen Frontalzone kann der Temperaturgegensatz infolge der günstigen
geographischen Bedingungen: Transport der subtropischen Warmluft auf der
Westflanke der nordatlantischen Hochdruckzelle mit Unterstützung des Golfstroms
bis nahe an die amerikanische Küste und gleichzeitige stärkste Auskühlung des
Festlandes im Winter, Beträge erreichen, wie sie über Europa nicht annähernd
beobachtet werden, wobei sich der große Temperaturgegensatz, wie eben dieses
Beispiel so deutlich zeigt, keineswegs auf die unteren Schichten beschränkt,
sondern die gesamte Troposphäre erfaßt. Daß dabei der Golfstrom bei der
Entstehung der Sturmzyklonen aber nur eine indirekte Rolle spielt und nicht
etwa erst der Kontakt der kanadischen Kaltluft mit dem Golfwasser zur Zyklo-
genese führt, erhellt deutlich aus der Tatsache, daß die Sturmtiefbildung in
vielen Fällen über dem Festland selbst und oft gerade über einer kalten
Unterlage wie in diesem Falle über Labrador und dem Labradorstrom erfolgt.
Wie bei der vorausgehenden Entstehung der Frontalzone durch zwei anti-
zyklonale Zirkulationsräder Luftmassen aus dem inneren tropischen Kreis-
lauf und den kältesten Gebieten der Arktis unmittelbar gegeneinander
geführt werden, dafür bildet Abb. 1, die die Wetterlage zwei Tage vor der Ent-
stehung unseres Labradorsturmtiefs wiedergibt und die gleichfalls dem Wetterb.
d. D. Seewarte entnommen wurde, ein Beispiel, das für sich selbst spricht. Mehr
oder weniger ähnlich ist die Luftdruckverteilung vor der Entstehung aller Sturm-
depressionen der gemäßigten Breiten, aber nur wenige Meteorologen bringen
Luftmassen-, Strömungs- und Druckverteilung in jene unbedingt zu
beachtende klare Beziehung zueinander, die allein erst die Lage der
für die zukünftige Wetterentwicklung maßgebenden Frontalzonen zu
arkennen gestattet. Wendet man diese Erkenntnisse aber konsequent an, so
ist man verblüfft, daß ältere, teilweise mit großer Sorgfalt gezeichnete Wetter-
karten, eben infolge der Abrundung sämtlicher Isobarenunstetigkeiten an Diskon-
tinuitätsflächen, kaum jemals Frontalzonen deutlich erkennen lassen, während
man nun immer wieder bestätigt findet, daß jede Sturmzyklone der ge-
mäßigten Breiten ihre größte Energiezunahme im Delta einer Frontal-
zone erfährt. R. Scherhag.
2, Klimatographische Witterungsschilderung. Nr. 92: Kamerun, — Aus
der Sammlung des überseeischen meteorologischen Dienstes der Deutschen Seewarte. —
Witterungsverlauf an Tagen der sommerlichen Regenzeit in Ndu
[Kumbo-Hochland]. Beobachtungstage: 28. Juni und 9. August 1936,
Die Missionsstation Ndu (etwa 6° 25’N, 10° 45’E) liegt auf 22C0 m Höhe im Kumbo-Hochland
nordöstlich der durchschnittlich 2000 m hoben Bansso-Berge in der Landschaft Nsungli. — Nsungli
ist ein von Süden bie zu 2500 m teilweise schroff aufsteigendes welliges Hochland. Es ist arm an
größeren Gewässern und mit Grassteppe, die von Buschwald-Streifen durchsetzt ist, bedeckt. Regen-
und Trockenzeit folgen fast ohne Übergang aufeinander, Die Regenzeit beginnt im April/Mai und
dauert bis Anfang November, Während der Trockenzeit weht durchweg frischer E- und ENE-Wind.
In der Regenzeit treten oft heftige Regenböen aus W auf, Die Temperatur beträgt im Juni bis
September frühmorgens nur etwa 8 bis 10°, mittags steigt sie bis 20° und mehr an.
28. Juni, In der vorhergegangenen Nacht hat es von 22h bis 22%h geregnet,
Die Morgen-Regenmessung ergibt 16,9 mm. Um 7b ist ein schwacher Zug aus W
wahrnehmbar, Das Thermometer zeigt 12°. Auf den Bansso-Bergen im S und W
liegt leichter Nebel. Die Himmelsbedeckung (Steu) beträgt 10. — 9b; Die Wolken-
decke zerreißt immer mehr, und im Zenit werden blaue Flecke sichtbar. Seit 8h
weht E-Wind Stärke 3. — 12h; t 24°. Der Wind dreht nach W und flaut auf 2 ab.
Im NE stehen Cu-Wolken, die nach W wandern und dort Stcu-Charakter an-
nehmen. — 14%; t 26° Im W haben sich dunkle Nb-Wolken gebildet, in den
Bansso-Bergen geht Regen nieder. — 16h: t 20°. Der Wind hat inzwischen auf NE
gedreht und weht mit Stärke 5. Die Regenwolken im W breiten sich weiter
nach S aus, — Um 17h grollt schwacher Donner aus W. — 18%: t15°. Die
Gewitterwolken verteilen sich, und es klart auf. — 19r: t14°, Von E kommen
plötzlich Nebelschwaden, die sich ringsum ausbreiten und nur noch eine Sicht bis
etwa 20 m gestatten. — 20h: Der Nebel hat sich zu leichtem Sprühregen verdichtet.