Dr. Gerhard Schott: Die Flaschenposten der Deutschen Seewarte.
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Der Geschwindigkeits-Unterschied der Triften der Passate sowie des Monsuns gegenüber denen der West
winde ist, nach diesen Flaschen-Experimenten zu schliessen, noch grösser, als er im allgemeinen aus den
unmittelbaren Besteck-Differenzen ersichtlich wird, die wir in den Schiffsjournalen angegeben finden.
Die Strömung des SK- Passates hat die bei weitem grösste mittlere Schnelligkeit; während Geschwindig
keiten zwischen 10 und 20 Sm. auch im Nordäquatorialstrom und im Guineastrom sehr häufig (in 30%,
resp. 23% aller Fälle) Vorkommen, sind ebendaselbst Schnelligkeiten von über 20 Sm. fast gar nicht (2,
bezw. 1%), dagegen im SE-Passat mit 23% vertreten!
Bei den 2 schnellsten Flaschentriften, bei No. 303 sowohl wie bei No. 430 (siehe vorstehende Tabelle,
letzte Zeile) ist ein Einblick in die gleichzeitig an Bord erlebten Versetzungen interessant und auch zweck
mässig, weil die Heise beider Flaschen nur vergleichsweise kurze Zeit in Anspruch genommen hat, man also
annehmen kann, dass die an Bord berechnete Stromrichtung und Stromgeschwindigkeit unmittelbare Ein
wirkung auf die Stromflasche geübt haben.
I) S. M. S. „Nymphe“ (Kriegsschiff-Journal No. 293) setzte am 8 . Dez. 1878 auf der Heise von Bahia
nach Barbados, vor dem SE-Passat segelnd, 22 Sm. südlich vom Aequator in 40'/ 2 ° W-L. eine Flasche (N 0 . 303)
aus, welche am 26. Januar 1879 an der Ostküste Trinidads gefunden wurde. Distanz 1384 Sm., Reisedauer
48 Tage. Nachdem bis zum 6 . Dez. schwache bis massige SW- und W-Versetzungen beobachtet worden
waren, hatte man laut Journal
Datura
Breite
Länge
Versetzung
1878 7. Dez.
1°47'S
3S° 5' W
W‘/jN 29 Sm.
8. •
0°2G'S
40° 24' W
NWzW»/ 4 W30 ,
9. >
0*55' N
43° 7' W
WzS 39 »
10. »
2° 17' N
45°3S'IV
W/jN 47 »
Am 14. Dez. war die Geschwindigkeit sogar 60 Sm., dann stark abnehmend; die mittlere Grösse der
Versetzung vom 8.—17. Dez. (Höhe von Trinidad) ist nach den Aufzeichnungen an Bord 32.4 Sm. pro Tag,
demnach nur wenig mehr, als die mittlere Versetzung der Stromflasche.
II) Dampfer „Olinda“, Kapt. Bruhn (Journal N 0 . 2291) setzte am 19. Juli 1893 auf der Heise von
Bahia nach den Kap Verden in G°58'N-Br. und 27°8'W-L. kurz nach 12 Uhr Mittag eine Flasche (N 0 . 430)
aus, die schon nach 31 Tagen in der Rio Pongo-Mündung (Sierra Leone) gefunden wurde. Distanz 797 Sm.
Datum
Breite
Länge
Versetzung
Wind
1893 18. Juli
19. »
20. »
2° 45' N
6*54' N
11° 15' N
29*26’W
27*10' W
25*16' W
NWzN 25 Sm.
WSW 27 »
OzS 17 »
SE-Passat
1 Umlaufend, besonders NW u. W.
Am 19., also kurz vor Absendung der Flaschenpost, hatte die Schiffsrechnung noch starke Aequatorial-
strömung konstatirt, die Flasche dürfte aber kaum erst nach Westen getrieben sein, weil ja ihr mittlerer
täglicher Weg als so gross sich herausstellt. Demnach ist das Schiff am 19. mittags dicht an der Grenze
des Guineastromes, ja wohl schon in demselben gewesen, sodass damals die Grenze beider Ströme auf rund
7 ° N-Br. lag. Die beobachteten Wasser-Temperaturen geben keinen weiteren Anhalt.
Bei der für das Gebiet des NE-Passates geltenden, grössten Schnelligkeit einer Flaschentrift (N 0 . 240)
ist der Umstand noch besonders zu beachten, dass über 5300 Sm. Weg mit der grossen Geschwindigkeit von
mindestens 1 Sni. stündlich zurückgelegt sind; für sehr lange Strecken sind ja natürlich die Chancen einer
grossen durchschnittlichen Versetzung ungleich geringer als für kurze Strecken. (Siehe auch Fussnote S. 14.)
Die manchmal auf den Flaschenpostzetteln gegebenen Notizen des Finders, dass die Flasche erst vor
kurzem an den Strand geworfen sein könne u. A. m., vergrössern im allgemeinen nicht die Wahrscheinlich
keit, dass die berechnete tägliche Trift auch wirklich der Wahrheit nahe kommt. Folgende 5 Flaschenposten,
sämmtlich im NE-Passat ausgesetzt, und sämmtlicli 300 und mehr Tage Heise nach Westindien aufweisend,
tragen in dieser Hinsicht Bemerkungen, die liier mit der berechneten täglichen Versetzung zusammengestellt
sein mögen.