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Volltext: 28, 1905

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W. Knoche: lieber die räumliche und zeitliche Verteilung des Wäraaegehalts der unteren Luftschicht. 
Archiv 1905. 2. 
keine Sonderstellung einnehmen. Diese Abschweifung wurde gemacht, um die Betrachtung überhaupt all 
gemeiner zu gestalten, insbesondere auch in bezug auf die im Anfang erörterte Frage, welcher Halbkugel 
ein Ueberschuß an Wärme zukommt. Das Resultat ist, daß unumstreitbar die größten Wärmemengen (wie 
auch die kleinsten) über Kontinentalgebieten Vorkommen und zwar in den tropischen, wo keine winterliche 
Erkaltung das Jahresmittel schmälert. Die absoluten Wärmemengen verhalten sich also wie die Tempera 
turen, das Land vergrößert, die See mildert die Extreme. — Wenden wir uns jetzt dem Einfluß der Seen 
(Buchten u. s. w.) auf die Wärmeverteilung zu. Dieselben scheinen samt und sonders, mit Ausnahme des 
Kaspischen Meeres, absolut abkühlend zu wirken, wenn auch relativ eine Erwärmung angezeigt wird dadurch, 
daß die Ausbuchtungen der Kurven äquivalenter Temperatur schwächer sind als die der Isothermen. Die 
Ostsee, der Ladoga- und Onegasee, das Weiße Meer, der Obische Busen, der Baikal-, der Baikasch-, der 
Aralsee, das Schwarze Meer bewirken ein wenn auch zum Teil nur schwaches Sinken des Wärmegehaltes, 
da die Lufttemperatur über ihnen eine geringere ist als die des umgebenden Landes. Diese bleibt also 
maßgebend für die Wärmeverteilung und wird nur gemildert durch den etwas stärkeren Wasserdampfgehalt. 
Die Isothermen über den Landvorsprüngen, z. B. der Tschutsclikenhalbinsel, bestimmen desgleichen den Weg 
der Kurven äquivalenter Temperatur. Wie das Verhalten des Kaspischen Meeres zu erklären ist, über dem 
die Isothermen ganz bedeutende negative Ausbuchtungen zeigen, während die äquivalente Temperatur über 
ihnen ansteigt, ist zunächst nicht ohne weiteres ersichtlich. Die Ausbuchtung der 55®-Kurve ist zwar nur 
schwach, das Abspringen vom Ostufer ist wohl der Trockenheit der Ust-Urtplatte zuzuschreiben. Auffällig 
aber ist jedenfalls die Auftreibung der 60°-Kurve in der Mitte des Sees. Nun zeichnet sich das Kaspische 
Meer, insbesondere in seinem mittleren Teil (die Bucht von Kara Bugas!) vor all den genanntenSeen durch 
seinen hohen Salzgehalt aus, der seinerseits wieder eine hohe Oberflächentemperatur begünstigt. Die Ver 
dunstung kann hier besonders stark sein, und der Temperaturzuwachs aus der latenten Wärme übersteigt 
die Wirkung der Temperaturerniedrigung. Wir führten unter den Seen auch schon solche an, die mit dem 
Meere in Verbindung stehen. Das offene Meer zeigt erst recht überall einem den Wärmegehalt erniedrigende 
Wirkung. Diese wird noch bedeutender sein, wenn wir es mit kühlen Meeresströmungen zu tun haben. 
Auch im Sommer Anden wir, obwmhl jetzt im Atlantik trotz des Golfstroms die Kurven äquivalenter Tem 
peratur zum Meere südwärts abbiegen, dank der Kamtschatkaströmung über dem Ochotskischen und Japa 
nischen Meere einen steileren Abfall der Kurven äquivalenter Temperatur (ähnlich wie der Isothermen) als über 
der Nordsee. Auch die kühle Strömung bei Nowaja Semlja macht sich deutlich auf der Karte bemerkbar. — 
Der Einfluß der Gebirge ist, wie zu erwarten, allgemein ein derartiger, daß über ihnen mit dem Feuchtigkeits 
gehalt auch der Wärmegehalt zunimmt. Ueber den Alpen, den Karpaten, dem Hindukusch, dem Altai, dem 
Satanischen Gebirge u. a. tritt ein Ansteigen der Kurven ein. Man darf bei alledem, nicht vergessen, daß 
häufige Konkurrenz der Gebirge mit dem Einfluß von Meer, See, Wüste u. s. w. seine Wirkung beeinträchtigen 
kann und umgekehrt; ein Faktor kann durch den andern leicht überdeckt werden. 
Ueberblicken wir noch einmal allgemein den Verlauf der äquivalenten Temperatur über den Kontinenten, 
so zeigt sich, daß zwei Möglichkeiten für ihr Ansteigen in Betracht kommen, einmal indem rein physikalisch 
bei hohen Lufttemperaturen der Wasserdampfgehalt rasch zunehmen kann, eine hohe Temperatur daher die 
„conditio sine qua non“ für einen großen Temperaturzuwachs ist, ein andermal die morphologische Möglich 
keit des Zutritts von Wasserdampf resp. einer reichlichen Verdunstung. Hier kommt also das Gelände in 
Betracht, ob wir es mit freien, zum Meere hinziehenden Ebenen zu tun haben, ob mit Gebirgen, ob mit 
Hochland oder mit gebirgsumschlossenen Gebieten, ob mit fluß-, see- oder sumpfreichen Gegenden, mit 
Wüsten, mit durchlässigem oder undurchlässigem Boden usw. usw. — Wichtig ist wohl noch u. a. die Luft 
druckverteilung, da durch sie die Windverhältnisse mit dem nach ihrer Herkunft wechselnden Feuchtig 
keitsgehalt bestimmt werden. — Was die erste Bedingung der Temperaturverteilung betrifft, so ist natürlich 
der Einfluß der Jahreszeiten unverkennbar. Im Winter treten daher im Norden die morphologischen Ein 
wirkungen zurück, da die physikalische Möglichkeit der Wasseraufnahme verschwindet und der Boden unter 
der Schneedecke und durch Frost eine gleichmäßige Beschaffenheit erhält. Im Winter ist der Unterschied 
zwischen Land und Meer am größten, während er im Sommer verschwindet, da dann die physikalische 
Möglichkeit einer Temperaturzunahme über dem Kontinent größer ist, während die morphologische Be 
günstigung dem Meere zuteil wird. Beide Faktoren heben sich daher einigermaßen auf. Man vergleiche 
hierzu die folgenden Angaben, die auf demselben Breitenkreise die winterlichen und sommerlichen Verhält 
nisse der äquivalenten Temperatur und der Lufttemperatur erkennen lassen, einmal inmitten des atlantischen 
Ozeans, das andere Mal im Herzen Asiens.
	        
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