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Full text: 28, 1905

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1905 No. 2 — 
Was wir eben sagten, würde nur gelten, wenn wir eine gleichmäßig morphologische Bodenbeschaffenheit 
voraussetzen; so aber müssen wir dieser, gerade im Sommer, wo der Frost nicht mehr dem Ganzen ein 
gleichmäßiges Gepräge gibt, eine außerordentliche Bedeutung in bezug auf die Versorgung der Luft mit 
Wasserdampf, insbesondere in den Kontinentalgebieten, beimessen. Die Wüsten, wo nur der aus den Um 
gegenden stammende Wasserdampf in Betracht kommt, wo eine lokale Verdunstung aber überhaupt oder fast 
vollkommen fehlt, zeigen einen sehr geringen absoluten Feuchtigkeitsgehalt, einen um so geringeren, je ab 
geschlossener sie sind. Dieser Mangel an Wärme zeigt sich auch deutlich auf der Karte (s. Karte III ft)» 
Während die Isothermen an der Westküste des Kaspischen Meeres über der Aral-Kaspischen Platte ansteigen, 
eine äußerst starke Erhitzung dieses Gebietes auzeigen, fallen die Kurven äquivalenter Temperatur um 
gekehrt, ja vielleicht noch rapider nach S ab; (die 57°-Kurve um etwa 20 Breitengrade). In der Kara-Kum- 
Wüste bilden sich sogar Kälteinseln aus. Die Wüsten widersprechen also geradezu den landläufigen Begriffen 
der Wärme. Thermodynamisch ist liier wieder interessant,' daß diese Gebiete mit ihrem zur Umgebung 
geringen Energiegehalt bekanntlich von den Zyklonen ganz besonders gemieden werden. — Den Wüsten 
gleich verhalten sich im Sommer die Steppen. Dies macht sich schon in Europa in der Ungarischen Tiefebene 
bemerkbar, die, im Gegensatz zu dem Isothermenverlauf, die Kurven äquivalenter Temperatur zu einer 
negativen Ausbuchtung zwingt. Noch ausgeprägter ist das Verhalten der Kirgisensteppe, welche ihre Wasser 
armut schon durch die vielen im Sande verlaufenden Flüsse verrät. Die Kurven äquivalenter Temperatur 
gehen beträchtlich herab (s. 45°-, 48°- und 50°-Kurve); letztere zeigt noch eine besondere Ausbuchtung 
westlich des Aralsees ins Gebiet der Kisil-Kum. Angedeutet, ohne daß wir den Verlauf leider weiter 
verfolgen können, finden wir ein Herabsinken der 65°- und 70°-Kurve zur persischen Salzwiiste und ins 
besondere der 60°-Kurve zum Tarimbecken. Man ist wohl zu der Annahme berechtigt, daß sich hier in der 
Gobi oder im Hochlande von Tibet während des Sommers die wirklich kältesten Gegenden der Erde auf der 
betreffenden Breitenzone finden werden. — Interessant ist, daß nicht gar zu viele Längengrade östlich im 
Gebiete des Jangtszekiangs ganz abnorm warme Gegenden — die wärmsten dieser Breitenzone — Vorkommen, 
die gerade deswegen beachtenswert sind, daß hier umgekehrt durch die lokale Verdunstung die Anreicherung 
der Luft mit Wasserdampf eine außerordentlich hohe ist. So finden wir z. B. in Hankau*) (g> = 30° 32'N, 
X = 114° 19'E) bei t = 30°, e = 2omm und b — 750 mm noch 7° nördlich des Wendekreises eine um 
10° höhere äquivalente Temperatur (Ae T. = 84'/ 2 0 ) als an irgend einer Stelle des tropischen Atlantischen 
Ozeans. Auch auf Nauru im Pazifik unter dem Aequator erreicht das Maximum noch nicht 80°. Wollen 
wir ebenso hohe und vielleicht noch höhere äquivalente Temperaturen finden, so kommt Indien, insbesondere 
Birma (absolutes Maximum) der AeT. = B7V2 0 **) z. Zt. der Monsune in Betracht, wo die Feuchtigkeit an 
den Gebirgen kondensiert (sehr große Ilegenmengen!) wird. — Hankau nimmt aber eine Sonderstellung ein, 
da es durch Gebirge rings umschlossen ist, die Feuchtigkeit also nicht durch die Winde herbeigeführt werden 
kann, wie es z. B. in Kalkutta mit derselben äquivalenten Temperatur während des Monsuns der Fall ist. Die 
Bedingungen für eine lokale Verdunstung sind aber hervorragend günstige. Hankau liegt am Jangtszekiang 
inmitten zahlreicher sumpfiger Seen; hierzu kommt, daß große Teile der Flußebene im Sommer überschwemmt 
sind. Wir haben hier eine flache Landplatte, bedeckt von einer dünnen Wasserschicht. Einmal also ist 
hier die Lufttemperatur eine sehr hohe (die innerasiatische Insel hoher Temperatur umschließt in ihren. 
Ausläufern dieses Gebiet); es ist also die physikalische Möglichkeit vorhanden, daß große Wasserdampfmengen 
aufgenommen werden. Zweitens wird die Temperatur der Oberfläche der verdunstenden Schicht eine gleich 
falls beträchtliche sein, da ja nicht nur die Erwärmung von oben her stattfindet, sondern durch das flache 
diatliermane Wasser hindurch der Untergrund bedeutend erhitzt wird. Das Wasser erwärmt sich gewisser 
maßen wie in einem Kochtopf; die Oberflächentemperatur wird die der umgebenden Luft noch weit über 
steigen. Aehnliche Verhältnisse werden wir überall finden, wo bei hohen Lufttemperaturen flache Wasser 
flächen, seien sie durch Ueberschwemmung gebildet, seien es Lagunen oder Sümpfe, vorhanden sind. — Bei 
den Sümpfen nördlicher Regionen wie in Rußland wird zwar die morphologische Bedeutung für eine starke 
Verdunstung erfüllt sein, zugleich aber erniedrigt sich über ihnen die Temperatur (s. 20°-Isotlierme), und 
die physikalische Möglichkeit der Wasseraufnahme wird hier eine geringere als für die Umgebung. In Rußland 
kommt hinzu, daß bei seinen weiten Ebenen der Wasserdampf sich über den Sümpfen nicht lokal ansammmeln 
kann, sondern weiter geführt wird. Das Ergebnis ist, daß die großen Sumpfgebiete in der Wärmeverteilung * *•*) 
*) 31. Z. 87, 88, Beobachtungs-Periode 77—8J. 
*•*) v. Be z old, Ueber Luftwärme und Lufttemperatur (s. Bemerkung S. 1).
	        
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