Defant, A.: W. v. Kesslitz: Die Gezeiten im Adriatischen Meere. 2925
Durch diese vier Wellen dürften alle Erscheinungen, die in den Ergeb-
nissen der harmonischen Analyse der österreichischen Stationen, die wir zum
größten Teile W. v. Kesslitz verdanken, niedergelegt sind, ihre Erklärung finden.
Wir hoffen, daß die italienische Adriakommission, durch diese Untersuchung en
angeregt, auch ihrerseits eine harmonische Analyse der Mareographenaufzeich-
nungen der. an der italienischen Küste der Adria gelegenen Stationen veranlassen
wird, damit wir auch von der Westküste einige Daten erhalten und dadurch die
theoretisch interessanten hydrodynamischen Vorgänge in diesem relativ kleinen
Meere, .das ‚eigentlich als Bucht des östlichen Mittelmeeres anzusehen ist, in allen
Details kennen lernen.
Die Häfen der britischen Kolonie Neufundland.
(Amtlich)
Quellen: Englisches Shb, »Newfoundland and Labrador Pilot«, fourth Edition 1907 mit dem Nach-
trage vom Jahre 1910; Amerikanisches Shb. »Newfoundland and the Labrador Coast«, third Edition
1909; Tide Tables for the Eastern Coasts of Canada for the Year 1914; Brockhaus 1908, D. Adm-Krt.
Nr. 379, Nord-Atlantischer Ozean, Dampferwege; Nr. 444, Newfoundland, Nördlicher Teil; Nr. 445,
Newfoundland, Südlicher Teil; Brit. Adm-Krt, Nr. 1422, Labrador; Amerik, Adm-Krt, Nr. 2440, New-
foundland and the adjacent Coast of Labrador.
Allgemeines.
Die britische Kolonie Neufundland umfaßt die Insel Neufundland vor der
Mündung des St. Lorenz-Golfes zwischen 46° 35’ und 51° 40’ N-Br. und 52° 35’
und 59° 25’ W-Lg. und den östlichen Teil der Halbinsel Labrador von der Blanc
Sablon-Bucht (51° 24’ -N-Br. und 57° 7’ W-Lg.) bis Kap Chidley, an der Einfahrt
zur Hudson-Straße. Fast alle Häfen der Kolonie bieten im Sommer geschützte
Ankerplätze, im Winter sind sie jedoch meistens fest zugefroren.
Geschichtliches, Die Entdeckung der Insel Neufundland fällt in das Jahr
1497, wo John Cabot die Küste anscheinend bei Kap Bonavista zuerst sichtete.
Normannen sollen sich jedoch schon im 11. Jahrhundert auf der Insel angesiedelt
haben. Um das Jahr 1500 kamen Portugiesen, Spanier und französische Fischer
nach der Insel, und im Jahre. 1583 nahm Sir Humprey Gilbert im Namen der
Königin Elisabeth Besitz von ihr. Nachdem um 1623 Lord Baltimore eine Kolonie
auf der Insel gegründet hatte, siedelten sich die Engländer allmählich an der
Ostküste an; die Franzosen besetzten die Südküste und machten Placentia zu
ihrer Hauptstadt. In der Folge entstanden ständige Reibereien zwischen Fran-
zosen und Engländern um den Besitz der Insel, die dann im Utrechter Vertrag
(1713) und in dem späteren Vertrag zu Paris (1783) den Engländern zugesprochen
wurde. Die Franzosen behielten nur die kleinen Inseln St. Pierre und Miquelon,
aber zugleich auch das alleinige Recht, Fische zu trocknen und einzusalzen an
der ganzen Küste Neufundlands, von Kap Ray, um das Nordende der Insel herum,
bis Kap St. John. Im Jahre 1904 verzichteten dann die Franzosen in einem
Vertrage mit den Engländern auf ihr Monopol, behielten sich jedoch das Recht
vor, an der genannten Küstenstrecke alle Arten Fische fangen zu können. .
Labrador wurde um das Jahr 1000 von Grönland aus durch Leifr, den
Sohn Eriks des Roten, entdeckt, Im Jahre 1497 wurde es dann von John Cabot
mit der Insel Neufundland zusammen wieder aufgefunden. Im Jahre 1501 be-
suchte der Portugiese Corte Real die Halbinsel und gab ihr den Namen Terra
Labrador zum Unterschiede von Grönland, das er Terra Verde genannt hatte.
Erst 1610 erforschte Hudson einen Teil der Küsten. Bei der Eroberung von
Kanada (1759) kam Labrador unter britische Herrschaft und wurde am 28. März
1876 der Kolonie Neufundland angegliedert.
Allgemeines, Die Insel Neufundland hat einen Flächenraum von ungefähr
110000 qkm. Ihre Küsten sind besonders an der Ost- und Südseite durch tiefe
Buchten zerrissen und steigen außer an der minderzerklüfteten Westseite steil
aus dem Meere empor. Das Innere ist eine von Seen, Flüssen, Sümpfen und
Morästen erfüllte Wildnis mit einigen Gebirgszügen, deren höchster, der 400 kın