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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1905 No. 1 —
Durch Benutzung der Gleichung 8 erhält man demnach
dz
dt
cose/) sin A
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Die Geschwindigkeit in Zenitdistanz ist demnach ausschließlich vom Sinus des Azimuts abhängig; haben
also nacheinander zwei Sterne bei gleicher Zenitdistanz auch die gleiche Geschwindigkeit in Zenitdistanz,
so müssen sie entweder die gleiche Stelle des Himmels passieren oder die Beobachtungsstellen müssen
symmetrisch zum ersten Vertikal liegen. Der letztere Fall ist natürlich der hier zutreffende; nach den Er
örterungen des § 9 hat bei dieser Stellung der Sterne ein kleiner Fehler im Uhrstande keinen Einfluß auf
die Breitenbestimmung.
Ferner möge darauf aufmerksam gemacht werden, daß man bei geeigneter Wahl der Beobachtungs
zeiten häufig Gelegenheit hat das gleiche Paar mehrere Male nach einander zu benutzen. Als Beispiel
diene das auf Blatt 6 dargestellte Paar 9 Camelop. und ¡j, Virginis; man kann die Beobachtung etwa in
folgender Weise vornehmen:
Zenitdistanz
58° 56'
59 22
59 58
Beobachtungszeiten
fi Virginis 9 Camelop.
14 h 57“ 15 h 10 m
15 17 15 27
15 34 16 0
Da man, um die Genauigkeit zu erhöhen, stets mehrere Breitenbestimmungen vorbereiten muß, so verringern
sich die Vorarbeiten bedeutend, wenn man durch geeignete Wahl der Beobachtungszeiten von vorne herein
auf mehrfache Benutzung des gleichen Paares Bedacht nimmt.
Aus den bisherigen Erörterungen erkennt man die wesentlichen Vorzüge der graphischen Darstellung
gegenüber der ausschließlich rechnerischen Vorbereitung. Man kann aus dem Verlauf der Kurven sofort
nicht allein die günstigste Anordnung der Beobachtungen erkennen, sondern auch die zweckmäßigste Aus
nutzung der vorliegenden Vorbereitungsarbeiten und des Beobachtungszeitraums überblicken. Der letztere
Umstand ist für Forschungsreisende aus dem Grunde von nicht zu unterschätzender Bedeutung, weil in
manchen tropischen Gegenden der Aufenthalt im Freien während der Nachtzeit unmittelbar gesundheits
schädlich wirkt.
Bei der Zusammenstellung eines Beobachtungsprogramms hat man in erster Linie darauf Rücksicht
zu nehmen, daß die für die Breitenbestimmung ausgewählten Sterne zu geeigneten Zeiten beobachtet werden.
Die Lücken zwischen diesen Beobachtungen sucht man durch Zeitbestimmungen in gleichen Zenitdistanzen
auszufüllen. Sollten auch dann noch Lücken vorhanden sein, so können Azimutbestimmungen, Zeit- und
Breitenbestimmungen aus einzelnen Höhen, für welche man geeignete Sterne bereits vorher auswählen möge,
vorgenommen werden.
Die Ausführung der Sternbeobachtungen für die Breitenbestimmung aus gleichen Zenitdistanzen, die
Behandlung der Niveaus u. s. w. findet im allgemeinen in gleicher Weise wie bei den Zeitbestimmungen statt.
Vor allem beachte man auch hier: Vor der Beobachtung des ersten Sterns wird bei der Einstellung des
Horrebow-Niveaus die Feinschraube benutzt; ist aber diese erste Beobachtung ausgeführt, so darf die Fein
schraube nicht mehr berührt werden; wenn die Niveaus nach der Seite gelaufen sein sollten, muß die
Mittelstellung mit Hülfe der Fußschrauben genähert wieder hergestellt werden. — Die Beobachtung der Sterne
an den gleichen Stellen der Fäden ist auch hier aus den früher erwähnten Gründen dringend zu empfehlen.
— Vielfach ist es wegen der langsamen Bewegung der Breitensterne in Zenitdistanz möglich und notwendig,
daß die Niveaus während einer Sternbeobachtung mehrfach abgelesen werden. Die Notierung muß dann
stets so ausgeführt werden, daß später zweifellos erkannt werden kann, zwischen welchen Fäden die
einzelnen Ablesungen vorgenommen worden sind.
Findet die Beobachtung eines Sterns in unmittelbarer Nähe des Meridians statt, so kann es gelegent
lich Vorkommen, daß man wegen der langsamen Bewegung in Zenitdistanz nicht die Antritte an alle Fäden
erhält. Eine solche Beobachtung ist, wie die folgenden Beispiele zeigen werden, dennoch zur Breiten
bestimmung zu verwerten; man möge aber in solchem Falle nicht versäumen sofort im Beobachtungsheft
hinzuzufügen, an welchen Fäden die Beobachtung stattgefunden hat.