Prof. Dr. C. Stechert: Zeit- und Breitenbestimmungen durch die Methoden gleicher Zenitdistanzen.
19
(J 2 = 2rp— (180° —di)
fh = (2<p —180°) + di 48
Zur Aufsuchung eines geeigneten Sterns hat man die Rektaszensionen zwischen den Grenzen ai+10 11 bis
«i+14 h (etwa) durchzusehen.
Schließlich möge noch darauf aufmerksam gemacht werden, daß man in mittleren und hohen Breiten
die polnahen Sterne auch dann für die Breitenbestimmung verwerten kann, wenn sie sich nicht in der
Nähe ihrer oberen oder ihrer unteren Kulminationen befinden. Die Aufsuchung geeigneter Sterne auf der
anderen Seite des Zenits sowie die graphische Darstellung der Sternwege kann hierbei nach der Anleitung
in dem vorliegenden und in dem folgenden Paragraphen ausgeführt werden und bedarf deshalb keiner be
sonderen Besprechung.
Für die Folge wollen wir die Koordinaten des nördlichen zur Breitenbestimmung zu benutzenden Sterns
mit c< n und- d n , diejenigen des südlichen Sterns mit « s und d s bezeichnen.
Beispiele für die Auswahl der Breitensterne.
Beispiel 1. 1904 Juni 27. Beobachtungsort: Hamburg; <p = + 53° 33'.
Beobachtungszeit: Mittl. Ortszeit 10 h 0 m
Sternzeit im mittleren Mittag 6 21
Sternzeit 16 21
Nordstern:
£ Ursae min.
4.3 Gr.
a n = 15 h 47 m
Ö n —
2 cp =
d s =
+ 78° 5'
107 6
+29 1
Südsterne :
ß Coron, bor.
p, Herculis
3.8 Gr.
3.3 »
a s = 15 h 24“
a s = 17 43
d s =
d s =
+29 26
+27 47
Beispiel 2. 1904 August 2. Beobachtungsort: Manila; cp = +14° 35'.
Beobachtungszeit: Mittl. Ortszeit 9 h 0 m
Sternzeit im mittleren Mittag 8 42
Sternzeit 17 42
- Südstern: y Sagittarii
3.3 Gr.
a s = 18 h 0 m
d s = —30° 26'
2 cp = +29 10
d n = +59 36
Nordsterne: ¿¿Draconis
3.6 Gr.
a n = 16 h 0”
d n = +58 49
b Draconis
5.1 »
u H = 18 23
du = +58 45
o Draconis
4.6 »
u, t = 18 50
du — +59 16
Beispiel 3. 1904 Juni 15.
Beobachtungsort: Hamburg; <p =
= +53° 33'.
. Beobachtungszeit: Mittl. Ortszeit II 11 0“
Sternzeit im mittleren Mittag 5 33
Sternzeit 16 33
Nordstern: 9 Camelop. (U. K.) 4.3 Gr. a n = 4 h 44"’ d, t — + 66°11'
2 cp — 180° = —72 54
d s = — 6 43
Südsterne: ¡i Virginis 4.0 Gr. u s = 14 h 38 m d s = — 5 14
X Aquilae 3.1 » a s = 19 1 d s = — 5 2
Bemerkung zu Beispiel 3. Wie man durch die Betrachtung des auf Blatt 6 gegebenen Diagramms, welches den
Weg der Sterne des Beispiels 3 darstellt, erkennt, müssen bei der Auswahl der Südsterne alle diejenigen Sterne von vorne
herein ausgeschlossen werden, deren Deklinationen südlicher als—6° 43' sind, weil diese Sterne nicht einmal bei ihrer oberen
Kulmination für Hamburg die Höhe erreichen, welche der Nordstern bei seiner unteren Kulmination besitzt. Damit aber die
Grenzen, zwischen welchen die Deklinationen der Südsterne liegen sollen, nicht gar zu eng werden, kann man in einem
solchen Falle bei der Auswahl etwas weiter (bis etwa 2°) nach Norden gehen und auch in Rektaszension etwas größere
Unterschiede als +2 h , von der Sternzeit der unteren Kulmination des Nordsterns an gerechnet, zulassen.