accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 42, 1924

14 
Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1924. Heit S. 
Die SW-Winde betragen in den Monaten November, Dezember und Januar mehr als %, sie über 
treffen noch in den Monaten Februar und März sowie September und Oktober die anderen Richtungen 
um ein beträchtliches. Hierdurch werden die verhältnismäßig milden Temperaturen in diesen Jahreszeiten 
sowie die geringen Frost- und Winterperioden erklärt. Im April und Mai verschiebt sich das Maximum 
nach dem Norden und Nordosten, während im Juni und Juli die meisten Winde aus Nordwesten kommen 
und zu den westlichen Winden des Sommers überleiten. Der August hat ebenso viel West- und Süd 
westwinde. 
April und Mai sind demnach noch ziemlich kalt, das Frühjahr wie der Sommer im Durchschnitt 
meist kühl bei westlichen Winden und daher auch regnerisch, da diese Winde feuchte Luft vom Ozean 
heranführen. Dies beweist die schon mehrfach von Schmauss in den Monatsberichten der Bayrischen 
Landeswetterwarte vertretene Ansicht, daß Mitteleuropa im Frühjahr unter dem Einfluß von See 
winden, die monsunähnlichen Charakter tragen, feuchtkaltes Wetter zukommt. Es tritt natürlich an 
unserer Küste in verstärktem Maße in Erscheinung. 
2.) Die Windstärken der Tabelle 20b sind aus den Schätzungen zu den Terminzeiten hergeleitet. Sie» 
zeigen Maxima im Januar und März sowie Minima im Juli und September. Die beiden letzten Spalten 
enthalten Angaben über stürmische Winde, welche hiernach ebenfalls im Januar und März ihr Maximum 
erreichen, nämlich über 10%. November, Dezember und Februar haben etwas weniger, nämlich 8 bis 
9, und April wie Oktober nur 6%. Mai und September haben weniger als 5% stürmische Winde, der 
Juli das Minimum mit 2%. 
Ein etwas anders geartetes Bild gibt die Tabelle 20c, in welcher aus den Jahren 1910, 1918 und 
1919 die mittleren Windstunden in Meter pro Sekunde nach verschiedenen Stufen für die Monate, 
Jahreszeiten und Jahre wiedergegeben sind. Derartige Mitteilungen über mehr zusammenhängende 
Jahre liegen leider nicht vor, diese Darstellung hat daher auch sehr beschränkten Wert. Trotzdem 
sollte sie mitgeteilt werden, um einen vorläufigen, ungefähren Anhalt über die Verteilung der Wind 
stärken auf die einzelnen Jahresabschnitte zu geben. 
Im Jahre erreichen die Winde von 3 bis 3,9 Meter, also Stärke 2 nach Beaufort, die höchste 
Stundenzahl gleich 17,9% aller Stunden. Die Winde von 0 bis 6 Meter, also bis zu Stärke 3, sind 78,8%, 
von 6 bis 7,9 Meter, also Stärke 3 bis 4, weitere 14,4%, so daß für höhere Windstärken als 4 nur etwa 
7% aller Stunden übrig bleiben. Dies Ergebnis ist etwas überraschend, es bedeutet ja nur wenig mehr 
als 30 Stunden im Höchstmaß im ganzen Jahr mit Windstärken von mehr als 8 Meter! Bei Bearbeitung 
einer größeren Zahl von Jahren dürften sicher andere Werte hierfür gefunden werden. 
Sehr auffallend ist die Verteilung der niedrigen Windstärken bis zu 4.9 Meter, deren FIauptmasse 
in den Sommer fällt, namentlich der Unterschied zwischen Sommer und Winter ist sehr groß. Das 
Uebergewicht geht erst mit 5.0 Meter auf den Winter über. Es ist vielleicht nicht ganz irregehend, 
wenn angenommen wird, daß sich hierin der Monsuncharakter der Frühjahrs- und Sommerwinde aus 
spricht, da doch das Hauptkriterium für Monsunwinde in ihrer Gleichmäßigkeit und mäßigen Stärke 
liegt. 
Merkwürdig ist auch die Verschiebung des Maximums der Windstärken von 8 bis 11.9 Meter 
auf den März und über 12 Meter auf den November. Allzu großer Wert darf allerdings hierauf wegen 
der zugrundeliegenden geringen Jahresanzahl nicht gelegt werden, aber immerhin erscheint das Er 
gebnis nicht unmöglich, da die Frühahrs- und Herbststürme wohl vorwiegend auf diese Monate fallen. 
Man könnte diese Monate daher auch die Kentermonate des europäischen Monsuns entsprechend den 
gleichen Umkehrmonaten der großen Monsune nennen. Die genauere Bearbeitung der Windverhält 
nisse muß jedoch der späteren Bearbeitung überlassen bleiben, in der auch die tägliche Periode zum 
Ausdruck kommen wird.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.