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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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VI, VII, VIIT und 1X, entsprechend den Hauptströmungen, innerhalb deren sie 
gewonnen sind, nämlich der Guinea- und der. Aequatorialströmung. 
Sie unterscheiden sich hauptsächlich dadurch, dass die Temperaturen der 
ersten Gruppe in ziemlich regelmässiger Curve nach der Tiefe zu abnehmen, 
und zwar zuerst sehr schnell, dann allmälig langsamer, während die Tempera- 
turen der letzteren bis 183 Met. oder 100 Faden auch noch eine ziemlich rasche, 
dann bis ca. 914 Met. oder 500 Faden eine geringere, und von da bis zum 
Boden eine nur ganz allmälige Abnahme aufweisen. ‚Die Curven VIII und IX 
machen mehrfach Sprünge und durchkreuzen die anderen; dieser Umstand lässt 
darauf schliessen, dass in der Nähe dieser Curven gewisse, den Strom beein- 
trächtigende Verhältnisse vorhanden sind. Die dicht zusammenliegenden Curven 
I, IV und V der Tabelle 11,2 weisen zwischen 1463 und 1829 Met. (800—1000 
Faden) eigenthümliche Störungen auf, indem das Wasser in diesen Tiefen wär- 
mer als weiter aufwärts gefunden wurde. Dieselbe Unregelmässigkeit zeigt sich 
auch bei den 10° bis 16° Isothermen der Temperatureurven II, IV und V in 
Tabelle 11,2. Zur Erklärung derselben dienen die Angaben in der Tabelle 1,1, 
welche bei Curve II einen SO-Strom und bei den Curven IV und V einen nach 
SzW setzenden Strom verzeichnen. Hier ist also ein Umsetzen der Stromrich- 
tung klar vor Augen geführt, ebenso wie der weit in die Tiefe bemerkbare 
Einfluss, welchen das Aufeinandertreffen zweier mächtiger Wassermassen her- 
vorbringt: denn nur dem Einflusse des Aequatorialstromes ist es zuzuschreiben, 
dass der östliche Guinea-Strom nach SzW und später sogar. nach SW und West 
umsetzt. 
Diese Strömungen in den Wasserschichten bei den Curven II, IV und V 
sind übrigens um so eigenthümlicher, als sie durch den Einfluss des‘ specifisch 
leichten Wassers des Guinea-Stromes veranlasst werdem während man eher ver- 
muthen sollte, dass dieses Wasser ruhig an der Oberfläche weiter strömen 
und sich allmälig mit dem andern Wasser mischen würde. Sie werden aber 
vielleicht dadurch zu erklären sein, dass das durch Mischung mit dem Wasser 
des Aequatorial-Stromes und durch gleichzeitige Verdunstung schwerer gewordene 
Wasser sinkt, dabei noch eine höhere Temperatur behaltend, als das von Süd 
heraufkommende, und in diesem Zustande nach Norden — an den Ort der Stö- 
rungen — zurück versetzt wird, 
Fällt nun auch die Gegend dieser Störungen, wie schon oben bemerkt, 
mit der veränderten Richtung der Guineaströmung zusammen, kann sie also für 
die praktische Schifffahrt gewissermassen als die Oberflächengrenze zweier in 
entgegengesetzter Richtung neben einander fliessender Strömungen (des Guinea- 
und des Aequatorialstromes) angesehen werden, so zeigen dennoch die Ober- 
flächen-Temperaturen an, dass die Grenze, an welcher sich die Wasser an der 
Oberfläche wirklich gemischt haben, nicht hier (in ungefähr 4° Nord-Br. und 
10° West-Lg.), sondern erst an den Stellen zwischen 0° 39’ Nord - Br. und 
0° 56‘ Süd-Br. und in 13°—14° West-Lg., also etwa 300 Seem. weiter südlich 
liegt. Dieselbe Grenze wird von den specifischen Gewichten des Oberflächen- 
wassers angezeigt: der Guinea-Strom hat nämlich nach den gemachten Beobach- 
tungen ein .nicht unbedeutend weniger salzhaltiges Wasser, als der von Süd 
heraufsetzende Aequatorialstrom. Diese Thatsache scheint noch wenig oder gar 
nicht bekannt zu sein, erläutert aber vollkommen die Krümmung des Stromes 
an seiner Südseite nach Süd und SW, denn dieses durch geringeren Salzgehalt 
und gleichzeitig durch höhere Temperatur leichtere Wasser muss zunächst auf 
der Oberfläche des Aequatorialstromes weiterfliessen, bis .die Mischung vollzogen 
ist, und aus dem ihm innewohnenden Bestreben, nach SO zu fliessen, und durch 
den Einfluss des westlichen Aequatorialstromes muss die schliessliche Süd- und 
SW-Richtung desselben entstehen. . 
Man kann nach diesen Beobachtungen — wie Herr v. Schleinitz: sagt 
— vielleicht schon jetzt mit einiger Bestimmtheit behaupten, dass die Guinea-Strö- 
mung theilweise auf den Regen des Stillen. Gürtels und den Regen und das Fluss- 
wasser von der afrikanischen Küste zurückzuführen. sei. Für die Ergründung 
der Ursache der von ihr eingeschlagenen: östlichen Richtung sind indessen noch 
weitere Beobachtungen an der westlichen Quelle des Guinea - Stromes und im 
östlichen Theile des Golfes von Guinea bei der Insel Thome, wo der Strom 
aufhört, wünschenswerth.
	        
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