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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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Die Rhede von Tschifu und die Kung-kung-Inseln. Witterungsver- 
hältnisse daselbst vom 20. October bis 30. November 1874. 
S. M. S. „Arcona“ hatte sich am 4. October 1874 von Yokohama aus 
über Kiogo (Kobe) und Nagasaki nach Tschifw begeben, wo sie am 20. October 
anlangte,” um der daselbst unter der Leitung des Dr. Valentiner thätigen 
Deutschen Expedition zur Beobachtung des Venusvorüberganges Beistand‘ zu lei- 
sten. Aus den Berichten. des Commandanten S. M. S. „Arcona“, Corvetten- 
Capitain Freiberrn v. Reibnitz, über seinen Aufenthalt bei Zschifw entnehmen 
wir folgende Notizen über die Rhede von Tschifu, die Kung - kung - Inseln und 
die daselbst gefundenen Witterungsverhältnisse. 
Die Rhede von Tschifu*) hat in ihrer ganzen Ausdehnung, mit Aus- 
nahme des dicht an der Küste liegenden flachen Theils, einen vorzüglichen, aus 
Schlick bestehenden Ankergrund. Der Nachtheil der Rhede ist jedoch die ge- 
ringe Tiefe des Wassers, welche grosse Schiffe nöthigt, 2. Seem. ausserhalh der 
Stadt zu ankern, ferner der geringe Schutz, welchen dieselbe gegen die im Win- 
ter vorherrschenden nordöstlichen Stürme bietet. Wenn der Wind bei diesen 
Stürmen auch meistens eine nördlichere Richtung annimmt, so steht doch auf 
dem flachen Wasser der Rhede eine so hohe See, dass jeder Verkehr mit dem 
Lande Tagelang unterbrochen. ist und Schiffe mit schwachem Ankergeschirr ge- 
fährdet sind. Noch heftiger, wie die nordöstlichen Winde, treten die. nordwest- 
lichen Stürme auf, welche über die flache Landzunge, die das hohe Land von 
Cap Tschifu mit der Stadt verbindet, wehen und mit voller Stärke die Schiffe 
treffen. 
S, M. S. „Arcona“ lag vom 20. October bis 4. November auf der Rhede 
auf 9 Met. Wasser und stampfte am 25. October, als der Wind NO, in einer 
Stärke von 7, wehte und eine sehr hohe See auf der Rhede stand, 4.5 Met. auf 
und nieder. Noch viel höher soll der nordöstliche Seegang am 23. November 
gewesen sein — an. welchem Tage das Schiff südlich von der Insel Kung-kung- 
fau lag —, obschon der Wind mit der Stärke 10 aus Norden wehte. 
Südliche Winde, welche jedoch während der Wintermonate selten wehen, 
erzeugen nur geringen Seegang, und bietet die Rhede guten Schutz gegen die- 
selben. 
Kung-kung-Inseln. Vom 4. bis 25. November lag S. M. S. „Arcona“ 
südöstlich von der Insel Kung-kung-tau vor Anker, fand dort. ebenfalls vorzüglichen 
Ankergrund und guten Schutz vor den NW - Stürmen. . Das Schiff lag ungefähr 
8 Kbig. von der Insel entfernt, am Rande der auf der Karte angegebenen 
5-Fadenlinie (9-Meterlinie), hätte aber noch einige Kblg. näher an die Insel her- 
anliegen können, da diese nach den angestellten Lothungen sich dem Lande noch 
mehr nähert. An der Ostküste der Insel Kung-kung-tau ist nahe in ihrer Mitte 
ein ziemlich guter Landungsplatz für Boote. Zwischen der Insel Kung-kung-tau 
und dem Felseninselchen South Kast befinden sich ausser den schon in der 
Karte angegebenen Untiefen noch 2 blinde Klippen, von denen die eine ziem- 
lich in der Mitte zwischen beiden Inseln liegt; dieselbe befindet sich bei -Nie- 
drigwasser nur 0.9 Met. über der Meeresfläche; die andere, näher noch an die 
Insel Kung - kung - taw zu liegend, befindet sich bei Niedrigwasser nur 0.s Met. 
über der Meerö6sfläche. Die Höhe der Felseninsel South Hast ist in Wirklich- 
keit bedeutend gösser, als es in der Karte angegeben, denn sie ist nicht unge- 
fähr 18 Met., sondern ungefähr 29 Met. ‘hoch. Ferner wurde gefunden, dass 
die in der Karte mit Awash H. W. (bei Hochwasser in der Moeresfläche lie- 
gend) bezeichnete Klippe, nordöstlich der Felseninsel North Rock, in Wirklich; 
keit sich 1.5 Met. über der Meeresfläche befindet. ; 
*) Tschifu oder Chee-foo ist die auf den englischen Karten als Yen-tai bezeichnete Stadt, 
deren Fort nach einer Bestimmung von Ward im Jahre 1860 im 37° 35‘ 56‘ Nord-Br. und 121° 
22‘ 33“ Ost-Lg. liegt; die Bai, an welcher die Stadt liegt, heisst Village-Bay (benannt nach dem 
Orte Village Chee-foo), dicht bei dem Cap Chee-foo, welches 60 Seem. westlich von der Alceste 
Insel liegt und die Ost - Spitze einer mit dem Festlande durch einen niedrigen Sandstreifen zu- 
sammenhängenden Halbinsel bildet, Die Rhede von Zschifuw ist nach Norden und Osten durch 
die Kung-kung-Inseln geschützt. Zschifu ist einer der chinesischen Vertragshäfen, an Stelle des 
35 Seem. westlich davon gelegenen Teng-cheu, welches nur eine offene Rhede ist.
	        
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