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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

SÖ 
einschliesslich von Tiefseelothungen, Beobachtungen über Gezeiten und endlich 
Aräometerbeobachtungen, denen sich noch Beobachtungen über die Eisbedeckung 
im Polarmeere anschliessen. Die ersten beiden Klassen von Beobachtungen 
sind von Koldewey, die letztere von Dr. Börgen bearbeitet. Auch diese 
Beobachtungen, obgleich nicht immer mit den besten Instrumenten neuester Er- 
findung angestellt, bieten uns manches Neue und Interessante, zeigen aber eben- 
falls, wie die meteorologischen, dass nur erst ein Anfang gemacht ist und wie 
dringend wünschenswerth auch nach dieser Richtung eine Fortsetzung der Ar- 
beiten sein wird. ; 
Die angestellten Tiefseelothungen geben uns Aufschluss über die Beschaffen.- 
heit des Meeresbodens an der ostgrönländischen Küste und zeigen uns, dass 
längs derselben von 75 bis 70° Breite bis zu einer Kntfernung von 60 bis 
80 Seem. sich ein unterseeisches Plateau von 183 bis 366 Met. Tiefe erstreckt; 
östlich davon fällt der Meeresboden bis zu einer Tiefe von über 1832 Met. 
ziemlich steil ab. Nahe unter der Küste findet sich an manchen Stellen z. B. 
an der Ostküste von Shannon und der Mündung‘ der grossen Fjorde südlich 
von Cap Broer Ruys wieder eine tiefere Stelle von über 366 Met. Tiefe und 
im Innern des Kaiser-Franz-Josephfjords kamen Tiefen von über 915 Met. vor; 
der Grund ist fast überall Schlamm, ein Zeichen dass keine starke Strömung 
vorhanden ist. Ueber die an der ostgrönländischen Küste beobachteten Strö- 
mungen macht Koldewey a. a. O0. pag. 615 folgende Bemerkungen; „An der 
Aussenkante des Eises und im 'Treibeise selbst bis zu den Feldern, die sich 
weiter innerhalb der Barriere vorfinden, existirt zwischen den Breiten 70° und 
75° eine beständige südwärts gerichtete Strömung von durchschnittlich 8 bis 
10 Seem. Geschwindigkeit in 24 Stunden, welche indess je nach den Winden 
und dem daraus hervorgehenden Treiben des Eises oftmals beträchtlich ostwärts 
oder westwärts abgelenkt wird. ; 
Unmittelbar an der Küste ist jedoch, obgleich im Allgemeinen, d, h. im 
Jahresmittel, eine Fortbewegung des Eises und Wassers nach Süden nicht 
ganz zu verkennen ist (die durchschnittliche Geschwindigkeit des Eisfeldes, auf 
dem sich die Hansamänner befanden, betrug 4.6 Seemeilen in 24 Stunden), doch 
dieselbe entschieden schwächer, als an der Aussenkante des Eises und wird 
vorzüglich im Sommer, wenn mehr südliche Winde eintreten und die Nordwinde 
schwächer sind, oft gänzlich aufgehoben, so dass zu Zeiten die Eisfelder nahezu 
stationär bleiben, oder sie sich nur von der Küste ab, oder nach derselben 
hin bewegen. Im Winter ist das Treiben des Eises nach Süden wegen der 
dann am stärksten und andauernd wehenden Nordwinde bedeutender als im 
Sommer. Regelmässige Ebbe- und Fluthströmung ist, obgleich bei Springfluthen 
das Wasser bis zu 5 Fuss steigt, nicht vorhanden; selbst in dem grossen 
Kaiser-Franz-Joseph-Fjord fanden wir keine regelmässige Strömung irgend 
welcher Richtung vor, oder konnten sie vielmehr während der kurzen Zeit 
unseres Aufenthaltes nicht wahrnehmen.“ 
Die vom 1. October 1869 bis Ende April 1870 an Bord der „Germania‘‘ 
angestellten Fluthbeobachtungen sind ebenfalls die ersten ihrer Art an der 
ostgrönländischen Küste, Sie umfassen für Sabine-Insel einen Zeitraum von 7 
Monaten und gestatteten eine ziemlich genaue Bestimmung der Constanten, 
nämlich der Hafenzeit, der halhmonatlichen Ungleichheit und damit des Ver- 
hältnisses der Sonnen- und Mondfluth, und des Zurückbleibens der Fluthwelle, 
wie auch der wesentlichsten Erscheinungen der Gezeiten. Ausserdem wurden 
an verschiedenen von der „Germania“ berührten Küstenpunkten ebenfalls, so- 
weit es die Zeit erlaubte, Fluthbeobachtungen angestellt, die, so mangelhaft sie 
auch immer bleiben mochten, doch mit Hülfe der für Sabine-Insel gefundenen 
Constanten es ermöglichten, wenigstens annähernd die Hafenzeiten für einige 
Orte festzustellen und damit ein ungefähres Urtheil über das Maass der Ge- 
schwindigkeit der Fluthwelle an dieser Küste zu gewinnen. Die gefundenen 
Constanten für Sabine-Insel werden wie folgt angegeben: 
wahre Hafenzeit (d. h, Zeit des Hochwassers am Tage des Neu- und Vollmondes) 
= 11 13,7 
= Q.4162 
zz 14 Tag,
	        
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