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Aus der Untersuchung über die tägliche Periode der Lufttemperaturen auf
Sabine Insel ist besonders die grosse Regelmässigkeit hervorzuheben, mit
weicher diese Periode schon bei einer nur einjährigen Beobachtungsreihe in
fast jedem Monate zum Ausdruck gelangt. Die auf Seite 561 des erwähnten
Werkes gegebene graphische Darstellung des täglichen Ganges für die verschie-
denen Jahreszeiten und das Jahr zeigt mit Ausnahme der Wintermonate, die über-
haupt nur eine äusserst schwache thermische Welle haben, fast regelmässige Curven.
Das tägliche Maximum der Temperatur findet im Jahresmittel um 1!% Uhr Nm.,
das Minimum um 1'/% Uhr Morg. statt und beträgt die tägliche Schwankung nur
2.5° C. Die grösste tägliche Schwankung findet im April statt und beträgt
5.6° C. Die grosse Regelmässigkeit dieser Erscheinungen lässt auf ziemlich
einfache Verhältnisse in Ostgrönland und selten auf plötzliche Störungen
schliessen, wie denn auch nach der Einsicht in die Tabelle der täglichen
Mittel plötzliche Temperaturschwankungen nur selten vorzukommen scheinen,
Diese einfachen Witterungsverhältnisse treten ebenfalls bei der Betrachtung
der Winde und des Wetters klar hervor. Die vorherrschende Windrichtung bei
Sabine Insel ist Nord und wehet dieser Wind besonders im Winter fast mit der
Regelmässigkeit eines Passats, wenngleich öfters zu heftigen Stürmen anwach-
send. Nach den Beobachtungen von Capitain Hegemann, die ebenfalls mit auf-
geführt sind, scheint überhaupt der Polarstrom an der ostgrönlandischen Küste
der herrschende zu sein und der Wind überall parallel der Küste zu wehen,
d. h. Nord, wo dieselbe in Nord-Süd Richtung streift, NO, wo dieselbe von NO
nach SW verläuft. Die mittleren Windrichtungen und Stärken nach der Beau-
fort Scala ergeben sich für die Sabine-Insel für die verschiedenen Monate
wie folgt:
1869
August N88°W 7 1870 Febr. N35° W 23.
Sept. N14°W 5 März NI9°W 5
Octbr. N27°W 23 „ April N26°W 24
Nov. N23°W 3565 „ Mai S12°O 9
„Dez, N15°W 4: „ Juni N45°0 9
1870 Jan. N22°W 1565 „ Juli S36°O IL.
und für das Jahr N,19° W 2.5, also eine fast rein nördliche, Vom September
bis April wurden Nordwinde abwechselnd mit Windstillen fast ausschliesslich
beobachtet und in den Sommermonaten von Mai bis Juli war der Wind öfters
von Süden und Osten.
Dass diese entschiedenen Nordwinde nicht allein ein Vorkommniss des
einzelnen Jahres waren, sondern durchschnittlich an dieser Küste wehen, dar-
über spricht sich der Verfasser folgendermassen aus. „Am Lande sowohl, als
auf dem festen Landeise waren zahlreiche Spuren dieser herrschenden Wind-
richtung bemerkbar; die Steine fanden sich an der nördlichen Seite mehr abge-
schliffen und abgerundet, das kleinere Geröll hatte sich überall in nord-südlicher
Richtung gelagert und die Schneefurchen in den Thalrinnen und an den Abhängen
strichen ebenfalls ohne Ausnahme: in dieser Richtung; auf dem festen Eise war
überall der Schnee parallel der Nordlinie stark ausgefurcht und zwar mit
solcher Entschiedenheit, dass wir bei den Schlittenreisen im Nebel allein
nach diesen Windstreifen unsern Kurs nehmen konnten. Es sind in dem Jahre
nach den obigen Tafeln allein 2603 Stunden reine Nordwinde notirt, also nahe
3/10 des ganzen Jahres, während noch 2435 Stunden durch Windstillen ausge-
füllt sind, so dass also nur etwas mehr als */,9 der Zeit für alle übrigen Winde
verbleiben. Die grosse Anzahl der Windstillen scheint jedenfalls eine Eigen-
thümlichkeit dieser Küste zu sein, besonders im Sommer und in der Mitte des
Winters sind sie häufig, wie überhaupt die Winde während der Sommermonate so
leicht sind, dass ein Segelschiff selten Kraft genug haben möchte, um sich durch
das Eis hindurch arbeiten zu können. Die einzigen Winde von Stärke sind die
Nordwinde, die, wie die Zahlen zeigen, vom Sommer nach dem Winter succes-
sive an Kraft zunehmen und dann oft als Stürme auftreten, von deren Heftig-
keit man sich in gemässigten Zonen kaum einen Begriff machen kann“.
Im Zusammenhang mit dieser vorwiegenden Polarströmung steht denn
auch die beobachtete grosse Trockenheit der Luft, die geringen Niederschläge
und die verhältnissmässig geringe Bewölkung. Es wurden allerdings keine
Psychrometer-Betrachtungen angestellt oder vielmehr sie wurden wegen der