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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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28° C.), doch trocken und für das Gefühl angenehm; an diesem Tage trat aber, 
indem der Wind durch Norden nach NO herumging, eine feuchte, ermattende 
Luft ein, die Hitze stieg bis zu 30° C.; der nach diesen Anzeichen vermuthete 
Südwind trat auch in der That um Mitternacht des 15. November in ungefähr 
24° — also ungefähr 4° weiter nach Norden, als es zu dieser Zeit im Allge- 
meinen stattfindet — ein und wuchs bis zum 17. November in 21° Nord-Br. bis 
zur Stärke 5; zugleich änderte sich die Stromrichtung: während noch bis zum 
16. November der Strom 15 Seem. den Tag südlich gesetzt hatte, wurde am 
17. November keine Stromversetzung, am 18. November aber ein 17 Secem. star- 
ker nördlicher Strom wahrgenommen. Dieser Umstand bestärkte den Comman- 
Janten S. M. S. „Ariadne“ in der Wahl der Route durch den inneren Canal 
von Massaua an der abessinischen Küste. Am Mittag des 18, November kam 
in 18° 46‘ Nord - Br. und 38° 59‘ Ost-Lg. die kleine Insel Zddom Sheikh, die 
östlichste der Suakin-Gruppe, in Sicht; dieselbe ist, wie alle Inseln dieser Gruppe, 
eine kleine, niedrige, von Korallenriffen umgebene und nur mit spärlichem Ge- 
strüpp bedeckte Insel, welche erst auf eine Entfernung von 8 Seem. gesehen 
werden konnte. „Ariadne“ näherte sich ihr bis auf 3 Seem. und setzte ihren 
Kurs in südsüdwestlicher Richtung nach der Afrikanischen Küste fort, welche 
mit Tagesanbruch am 19. November in Sicht kam, aber wegen dicker Luft nicht 
Jeutlich erkannt werden konnte. Als die Umrisse der Küste und die dicht da- 
hinter liegenden Höhenzüge schärfer hervortraten, zeigte sich längs der Küste 
ein theilweise tafelförmiger, theilweise hügeliger Höhenzug von ungefähr 150— 
210 Met. Höhe, über welchem zwei Bergkuppen, die in ihrer Verbindungslinie 
zenkrecht zur Küste standen, hervorragten; sie erwiesen sich als dic in den eng- 
lischen Karten verzeichneten Round hills, welche eine schr gute Landmarke zum 
Ansteuern der Küste bilden, da beide Berge von Süden her schräg ansteigen, 
während sie nach Norden zu jäh abfallen. 
Der Commandant S. M. S. „Ariadne“ hat während dieser Fahrt längs 
der abessinischen Küste gefunden, dass die englische Karte derselben einige 
Ungenauigkeiten und Unrichtigkeiten zeigt: so ist z. B. die Deckpoilung der 
beiden erwähnten Bergkuppen nicht West—Ost, wie in der britischen Admirali- 
jätskarte No. 81 (Tit. IX. 180. 4) angegeben ist, sondern WSW—ONO, Ferner 
ist südlich von diesen Bergen nicht, wie nach der erwähnten Karte anzunehmen 
ist, flaches, niedriges Land, sondern es ziehen sich bis ziemlich dicht an die 
Küste ansehnliche Höhenzüge und Hügelketten, hinter welchen sich hohe Gebirge 
erheben, von denen jede Andeutung auf der Karte fehlt. 
Die grosse Durchsichtigkeit bei einer eigenthümlich dunklen Färbung des 
Scewassers längs dieser ganzen Küste lässt die hier sehr zahlreichen Untiefon 
bis auf weite Entfernungen hin erkennen. 
Am Nachmittage des 19. November kam die Insel Difnein, so zu sagen 
die Schlüsseltonne des Massaua - Canals, in einer Entfernung von 6 Seem. in 
Sicht. Difnein ist, wie alle Inseln, welche die Ostgrenze des Massaua- Canals 
bilden, eine ganz kleine, nur wenige Fuss über dem Meeresspiegel sich erhebende 
sandige Insel, welche erst auf geringe Entfernung geschen werden kann. Wäre 
diese Insel mit einem guten Leuchtthurm versehen, so würde man auch bei Nacht 
ohne grosse Gefahr den Massaua-Canal ansteuern können: weil aber ein solcher 
nicht vorhanden ist, und weil die Küste, sobald die Sonne hinter den Bergen 
verschwindet, in Nebel verhüllt ist, so dass sie nicht bis auf eine Entfernung 
von 1 Secem. gesehen werden kann, muss man vor Sonnenuntergang an der Küste 
ankern, was man dort überall thun kann. S. M. 8. „Ariadne“ ankerte bei Son- 
aenuntergang am 19. November in der Mitte zwischen den Inseln Knte-sileh und 
Harat in 36.6 Met. Wasser und 1 Seecm. von der Küste entfernt. 
Während des abessinischen Krieges, bei welchem die Annesley Bai die 
Landungsstelle der Engländer bildete, waren vor dem Nord- und Süd-KEingange 
des Canals von Massaua, sowie in diesem selbst Feuerschiffe ausgelegt und da- 
Jurch auch die Fahrt während der Nacht ermöglicht worden. 
Mit Tagesanbruch am 20. November wurde Anker gelichtet und in die 
Mitte des Fahrwassers, zwischen der Küste und der Insel Harat gesteuert, bis 
die Südspitze der letzteren sich mit der Insel Labuwah deckte; von hier aus 
wurde SO recht auf die Insel Shumma zu gesteuert und auf diesem Wege eine 
Reiho kleiner Inseln passirt, von denen nur DhAul-Bahut hügelig und mit hohem
	        
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