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reicher Brunnen nicht zu rechnen, da die, von den die Küste umschliessenden
Bergen herkommenden Bäche nur bei Regen genügendes Wasser liefern.
b. Die Navigirung durch die engen und die offenen Theile der In-
landsee bietet keine Schwierigkeiten dar, da, besonders bei schönem Wetter,
alle Gegenstände deutlich zu erkennen sind. Auch die Karten stimmen gut mit
den von der „Hertha“ gemachten Wahrnehmungen überein.
c. Die Gezeiten-Strömung bei der Insel Hirado setzt meistens in
der Richtung der betreffenden Kurslinie; schneidet sie aber diese in einem
Winkel, so ist besondere Aufmerksamkeit nöthig.
2. Neue Lothungen bei Cap Shantung oder Shantung Promon-
tory (östlichster Punkt der Provinz Shantung) in 37° 24‘ Nord-Br. und 122° 42‘
Ost-Lg., sind nach den von dem Commandanten S. M. 8. „Ariadne“, Corv.-Capt.
Kühne an Ort und Stelle gemachten Wahrnehmungen sehr wünschenswerth und
wichtig für die Navigirung um Cap Shantung. Es herrschen gerade hier so
dichte Nebel, dass man bei Tage das Land und bei Nacht das Feuer kaum in
unmittelbarer Nähe in Sicht bekommt. Man ist deshalb, da hier auch starke und
veränderliche Strömungen herrschen, allein auf das Loth angewiesen, um die
Position des Schiffes zu bestimmen und Cap Shantung passiren zu können. Es
dürfte sich daher sehr empfehlen, neuere genaue Lothungen von Cap Shantung
weiter nach SO und dann bis 50 Seem. Abstand von der Küste zu machen.
3. Sturm im gelben Meere und bei Tschifu im August 1875.
Der Commandant S. M. S. „Ariadne“, Corv.-Capt. Kühne, berichtet, dass er
auf der Reise von Nagasakı nach Tschifu einen schweren Sturm überstanden
hat, welcher am 18. und 19. August aus ostnordöstlicher Richtung begann, die
Stärke 9—10 erreichte, alsdann aber des Nachmittags am 19. August aus öst-
licher und ostsüdöstlicher Richtung schwächer wurde und, nach dem Umsteuern
des Cap Shantung, in der Nacht zum 20. August bis zur Stärke 3 abnahm. Am
Morgen des 20. August, um 8 Uhr, sprang, als die Insel Leu-kung bei Cap Cod
in Sicht kam, der Wind plötzlich mit einer heftigen Böe nach Nord um und
begann dann wieder mit einer Stärke 8 bis 9 zu wehen; der Wind steigerte
sich schnell zu einem sogen. fliegenden Sturm von der Stärke 10 bis 11 zwischen
NzW und NNE, begleitet von einem ungemein hohen Seegange. Die Luft war
während des Sturmes ınit Nebel und Regen stark angefüllt und klärte sich nur
für kurze Momente etwas auf; erst gegen 5'/2 Uhr Nachmittags wurde es klar
und still. Dieser Sturm hatte in Tschifu drei Tage lang aus NNE gewüthet,
und zwar mit einer Stärke, wie er dort, nach allen Mittheilungen über den-
selben, noch nie erlebt worden ist. Das Cap Shantung bildete übrigens für
diesen Sturm eine Art Wetterscheide, indem während dieses Sturmes der Wind
in Tschifu, nördlich vom Cap Shantung, stets aus Nord bis NNE wehte, während
„Ariadne“ südlich vom Cap Shantung den Wind Süd bis SE gefunden hat. Bei
lem Sturm war in Tschifu ein englisches Vollschiff gestrandet und völlig auf-
gebrochen; auch zwei deutsche Schiffe, „Catharine“ und „Peter“, waren auf den
Strand gekommen, erstere wurde aber von „Ariadne“ wieder abgebracht. Auch
die Stadt Tschifu hat stark gelitten; viele Dschunken wurden bis in die Häuser
hinein getrieben.
4. Untiefe innerhalb der Carolinen-Inseln*), Der Capitain
A. Niebuhr von der Godeffroy’schen Rhederei zu Hamburg hat, wie uns brief-
lich mitgetheilt ist, am 4 Mai 1874 auf der Reise von Wolea, Ulie Insel, nach
Ascension (Ponape oder Pouynepet), Carolinen-Inseln, die er als Passagier auf
der Deutschen Bark „Helene“ mitmachte, um 4!/2® Nachmittags an einer Stelle
Brandung gesehen, wo in keiner Karte eine Untiefe angegeben ist. Derselbe
berichtet dass der Kurs des Schiffes von 0!4N auf 0zS geändert und längs einer
Untiefe gesteuert wurde, auf welcher es stellenweise heftig brandete. Im
Uebrigen war auf dieser Untiefe grünes Wasser. Die Untiefe ist nach der
*) S. „Directory for the North Pacific Ocean“, Findlay, London 1870, pag. 734 etc, und
‚North Pacific Pilot“, Part. II, Rosser, London 1870, pag. 183 ete.