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„Die Stadt Treguier, mit ca. 3000 Einwohnern, liegt ungefähr 10 Seem.
westlich von Cap les Heaux Leuchtthurm an einem kleinen Flusse, der bis zu
der Stadt für mittelgrosse Schiffe zu befahren ist. Nach dem Flusse giebt es
zwei Einsegelungen, von denen die östliche, „Passe de la Gaine“ genannt, voller
Klippen und nicht ohne Lootsen oder sehr genaue Lokalkenntniss zu benutzen
ist, und die westliche „Grande Passe“ genannt, die man mit günstigem Winde
selbst bei Niedrigwasser gebrauchen, wenn man die Landobjecte oder Seemarken
erkennen kann.
Beim Ansegeln ist es rathsam, mit östlichen Winden les Heaux und mit
westlichen Winden Sept Iles anzusteuern. Ist die Luft so klar, dass man die
Landobjekte gut erkennen kann, so kann man ‚von hier aus auf die Einfahrt
zu halten,
Eine sehr gute Landmarke ist die erste Semaphorstation bei dem Leucht-
thurm les Heaux; dieselbe besteht aus einem weissen Hause, auf welchem
sich der Signalapparat befindet und neben diesem steht ein Signalmast,
Bringt man diese Station in SOzS und steuert in dieser Richtung, so kommt
man auf die Klippe le Corbeau; diese ist mit einer runden, schwarz und
weiss horizontal gestreiften, massiven Thurmbake gekennzeichnet und liegt un-
gefähr 2.5 Seem. von der Station entfernt. Bei Hochwasser ist nur die Thurm-
bake zu sehen, desgleichen kann man dann auch nur die wenigsten der Klippen,
welche zwischen dieser und les Heaux Leuchtthurm liegen, sehen, dagegen sind
bei Niedrigwasser, da hier die Fluthhöhe ca. 9.5 Met. beträgt, die meisten der
Klippen hoch aus dem Wasser hinaus sichtbar. Die Thurmbake auf der Klippe
le Corbeau kennzeichnet die am weitesten nach See zu liegenden Untiefen.
Sobald man diese Thurmbake in Sicht hat, so kann man westlich von
der Signalstation, in ungefähr SSO, die beiden weissen Häuser sehen, in welchen
bei der Nacht zwei feste Feuer brennen, von denen das höhere roth und das
niedrige weiss ist, Diese beiden Feuer muss man dann in Deckpeilung bringen,
um durch die Einfahrt „Grande Passe“ einzusegeln. An die Klippe le Corbeau
kann man bis auf einige Schiffslängen herangehen, muss dieselbe aber an Back-
bord behalten. Ist man in der Deckpeilung etwas in die Einfahrt eingesegelt,
so erhält man weiter landeinwärts zwei ähnliche Thurmbaken, die aber roth
und weiss horizontal gestreift sind, in Sicht; dieselben muss man an Steuer-
bord behalten.
Ungefähr in der Mitte zwischen der Thurmbake auf der Klippe le Corbeau
und der ersten roth und weissen Thurmbake liegt die Klippe „Pierre Anglais“,
die bei Niedrigwasser ca. 2.4 Met. aus dem Wasser hervorragt. Da die vorher
angegebene Deckpeilung nur sehr dicht östlich an dieser Klippe vorbei führt,
ist es rathsam, besonders bei östlichen Winden, das kleine Haus resp. das
niedrige Feuer etwas westlich von dem anderen zu halten. Bei westlichen
Winden ist aber eine andere Einsegelung bei Tage anzuempfehlen, man muss
dann die beiden rotlı und weissen Thurmbaken in Deckpeilung bringen, darauf
zusteuern, bis man 1 Kblgyg. von der äusseren Thurmbake entfernt ist, und
hierauf beide an Backbord haltend in einem Abstand von einer Schiffslänge
passiren; man passirt dann Pierre Anglais westlicher in grösseren Abständen.
Hat man die zweite Thurmbake passirt, so macht das Fahrwasser eine
Wendung nach SW, man muss aber so lange nach SSO steuern, bis man den
Kirchthurm von Treguier mit einem ganz neu errichteten Leuchtthurm, dessen
Feuer*) in nächster Zeit angezündet werden soll und welcher mitten im
Wasser steht, in SW in Deckpeilung hat. Dann verfolge man die letzte Dock-
peilung und lasse die rechts von dem Leuchtthurm befindliche roth - weisse
Thurmbake an Steuerbord und die links von dem Leuchtthurm befindliche schwarz-
weisse Thurmbake an Steuerbord. Den Leuchtthurm muss man so dicht als
möglich an Backbord passiren. Zwischen der roth und weissen Thurmbake
und dem Leuchtthurm liegt eine Sandbank, auf welcher nach Aussage der Lootsen
*) Das feste Feuer, welches in nächster Zeit angezündet werden soll, ist grün, weiss und
roth, Sieht man das weisse (mittlere) Licht, so befindet man sich im richtigen Fahrwasser und
muss man dieses stets in Sicht behalten; denn sobald man nach der einen oder der auderen
Seite hinauskommt, wird das Feuer grün oder roth,