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Proviant und Ausrüstung. Die Beschaffung von Inventar war hier
bis auf Kleinigkeiten nicht erforderlich, und die nur zu geringen Quantitäten
beschafften Materialien sind durchweg von guter Beschaffenheit und stellten sich
durchschnittlich billiger als in San Francisco. Dieses gilt namentlich in Bezug
auf Tauwerk, welches in der Fabrik von Louis Osthaus, in der Nähe von Val-
paraiso, nach Bestellung in ganz kurzer Zeit in jeder Dimension und dem ge-
wünschten Material ausgeführt wird.
Auch für die Beschaffung von Kohlen war der Platz ungemein günstig,
da S. M. S. „Arcona“ vorzüglich gute Cardiff- Kohlen, in durchschnittlich grossen
Stücken zum Preise von 15 Dollars pro Ton von 1000 Kilogr., frei an Bord,
beschaffen konnte. Die früher empfohlene Coronel-Kohle ist nicht genommen
worden, da dieselbe nach genauen Erkundigungen bei maassgebenden Ingenieuren
der Chilenischen Marine um ca. 30°, geringer ist als die, durch grosse Con-
currenz zu dem äusserst günstigen Preise. von 15 Dollars beschaffte Cardiff-
Kohle.
Ueber das Trinkwasser von Valparaiso ergaben eingezogene Erkundi-
gungen, dass dasselbe; namentlich bei Ungewohnten, heftige Diarrhöen, ja selbst
Ruhr veranlasst hatte. Der Preis desselben, frei an Bord, beläuft sich auf
3 Dollars pro 100 Liter. Die Preise des Proviants sind bis auf Fleischpreise
niedriger als in San Francisco, so dass sich die Verpflegungsportion in Val-
paraiso auf A, l.ors gegen M, Ll.ssı in San Francisco berechnet. Das Fleisch
ist annähernd doppelt so theuer und betragen die Lebensmittel wie folgt pro
Kilo: Frisches Rindfleisch ‚A 1.20; frisches Schweinefleisch A 1.e5; Salz-Rind-
fleisch A, l.er; Salz-Schweinefleisch AM, 1.12; präservirtes Fleisch AM, l.sr; Mehl
AM. O.so; Pflaumen MM. O.se; Erbsen MM, O.ss; Bohnen AM, O.ss; Reis M, O.z2;
Hartbrod No. 1 A O1; Kaffee A 2.7: Thee ‚AM Bez und Zucker MM -DO.e7.“
2. Reise 8. M. S. „Arcona“ von Valparaiso um das Cap Horn nach
Monterideo.
Am 7, September hatte, wie oben erwähnt, S. M. S. „Arcona“ den Hafen
von Valparaiso verlassen, um von da die Heimreise nach Europa fortzusetzen.
Der Commandant der „Arcona“, Capt. z. See Freiherr v, Reibnitz, beab-
sichtigte anfangs, um die Reise abzukürzen, den Kurs durch die Magellan-Strasse
zu nehmen; das am Eingange der Strasse vorgefundene ausserordentlich un-
günstige und dicke Wetter, welches aber dort nur ausnahmsweise stattfinden soll,
veranlasste Herrn v. Reibnitz den gerade für die Umsegelung des Cap Horn
züstigen Wind zu benutzen und den Kurs um das Cap Horn zu wählen, welcher
die „Arcona“ noch ‚schneller in eine günstige Position östlich von der. Magellan-
Strasse brachte, als- es durch die Benutzung dieser Strasse selbst möglich ge-
wesen .wäre. Nach einer Reise von nur 25 Tagen (von Valparaiso aus) langte
„Arcona“ am 2. October auf der Rhede von Montevideo an.)
Der Bericht des Commandanten S. M. S. „Arcona“, Capt. z. S. Freiherr
v. Reibnitz, über diese Reise lautet:
„Am 7, September um 3!% Uhr Nachmittags verliess ich unter Dampf die
Rhede, konnte aber bereits um 4% Uhr die Schrauben lichten und segelte, da ein
frischer Südwind einsetzte. Dieser, hier an der Küste ziemlich permanent
wehende Südwind nöthigte uns, über Steuerbord beim Winde nach der Insel
Juan Fernandez hinüber zu liegen, und bekamen wir dieselbe am 9. September
in SW auf 69 Seem. Entfernung in Sicht. Der Wind war am 9. September
ganz flau geworden und setzte am 10., nachdem es ganz still geworden war,
leicht aus WNW und NW ein. Da gleichzeitig das Barometer fiel, so hoffte
ich auf ein Durchstehen des NW - Windes, wurde aber sehr enttäuscht, als der
*) Am 11. December €, J. ist „Arcona“ wohlerhalten in Plymouth angekommen und hat damit
ihre Reise um die Welt, welche sie am 13. October von Kiel, am 30. October von Wilhelms-
haven und am 12. November 1873 von Plymouth aus angetreten hatte, vollendet, Sie war mit-
hin im Ganzen von Europa (Plymouth) aus 2 Jahre 1 Monat abwesend gewesen, hat während
ihrer Reise den Atlantischen Ocean, den Indischen (bis südlich von den Mac Donald-Inseln) und
den Stillen Ocean durchkreuzt und von Juli 1874 bis April 1875 ihre Station in den Gewässern
bei Ost-Asien eingenommen. {(S. Schifschronik pag. 478).