146
gewöhnlich über Land eine frische südliche Brise, während es in der Nacht
and Vormittags ganz still ist.
Der Ankerplatz der Kriegsschiffe liegt nördlich von dem der Kauffahrtei-
schiffe, welche reihenweise vor 2 Ankern verteit werden, während die ersteren
vor einem Anker liegen. Für die vielen ein- und ausgehenden Dampfer sind
zwei Reihen von Tonnen gelegt, an welchen dieselben hinten und vorne fest-
machen. Ankert oin Schiff während der Nacht, so dient das kleine abwechselnd
weiss, roth und blau brennende Feuer auf der Esplanade zur Orientirung.
Die Stadt (1872 mit 146,000 Einwohnern) hat eine schr grosse Ausdelh-
nung um die Bucht herum, da die bis dicht an das Wasser tretenden Berge
nur Platz für ein bis zwei Strassen lassen und ein Theil der Häuser daher auf
Bergterrassen gebaut werden musste. Sie bietet nichts an hervorragenden Ge-
bäuden und da ihr auch Gärten und Promenaden fehlen, so ist der Eindruck
ein ziemlich enttäuschender. Geschützt wird die Stadt durch nicht weniger als
14 Forts und Batterien.
Die beiden Schwimmdocks in Valparaiso gehören einer Actien-Gesellschaft
and sind in den Jahren 1862 und 1865 gebaut worden. Das ältere kleine Dock
ist 85.sa Met. lang, 18.29 Met. breit und kann nur Schiffe von 2.720 Met. Tiefgang
aufnehmen. Dasselbe ist mit 4 Ankern nach Norden und 4 Ankern nach Süden
hin auf 47 Met. Tiefe verankert. Das grössere Dock ist 96.92 Met. lang, hat
21.34 Met. innere Breite, circa 6000 Tons Tragfähigkeit und kann Schiffe von
7.32 Met. Tiefgang aufnehmen. Dasselbe ist auf gleicher Tiefe dicht neben dem
andern Dock mit 5 Ankern nach Norden und 4 Ankern nach Süden hin ver-
ankert. Für die aus- und eingehenden Waaren existirt ein grosses Zollgebäude,
welches jedoch nicht mehr für den so regen Verkehr ausreicht und zu dessen
Erweiterung noch 8 Gebäude im Bau begriffen sind. Gleichzeitig wird vor
demselben ein gemauerter Kai hergestellt, der eine grosse Brücke erhalten soll,
an welcher die Kauffahrteischiffe direct anlegen können, und bis zu welcher die
Schienenstränge der Eisenbahn geführt werden sollen.
Der Handel Valparaiso’s übertrifft den der anderen Städte so bedeutend,
dass von den gesammten Einfuhrzoll-Einnahmen der Republik*), im Betrag von
7,200,500 Dollars, allein auf Valparaiso 6,946,950 Dollars kommen. Von den
Ausfuhrzoll - Einnahmen **), welche 238,128 Dollars betragen, fallen dagegen
nur 37,854 Dollars auf Valparaiso, während Coquimbo, Coronel und Carrizal
Bajo grössere Summen ergaben.
Der Schiffsverkehr der Stadt war von April 1873 bis April 1874 folgender:
Binkommende:
5
Chilenische.,
Fremde,
Ausgehende:
Chilenische,
Fremde.
vie
Segelschiffe 22 758 67 903
Dampfer 198 729 165 413
Kriegsschiffe | 22 8 8 | 6
Der Deutsche Handel geht zum Theil über Belgien und Frankreich, so
dass sich über den Deutschen Schiffsverkehr kein richtiger Schluss ziehen lässt.
Genaue Angaben über die Zahl der in Chile ansässigen Deutschen habe ich
nicht erhalten können, jedoch ist mir gesagt worden, dass dieselbe — vor
allem im Süden, in Valdivia und Ancud auf der Insel Chiloe — eine sehr be-
deutende sein soll. In Valparaiso selbst leben circa 3000 Deutsche und sind
viele der grossen Geschäfte in ihren Händen.
*) Die Haupteinfuhr besteht in europäischen Waaren, vorzugsweise Wollstoffen, Ma-
schinen und Luxzusgegenständen; sie erreichte i, J. 1874 einen Werth von 38,417,000 Dollars.
**) Die Ausfuhr besteht in Boden- und Bergwerks-Erzeugnissen; unter den ersteren
aehmen Weizen und Gerste den ersten Rang ein, doch macht San Francisco hierin in Bezug auf
die Versorgung Australiens mit Getreide eine sehr fühlbare Concurrenz, Von Bergwerks - Er-
zeugnissen wird vor Allem Kupfer in reichem Maasse gewonnen, Der Werth der Gesammt-
Ausfuhr belief sich im Jahre 1874 auf 36.540.000 Dollars.