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die Temperatur von Mogador haben soll. Vielleicht ist die Art der Auf-
hängung des Thermometers (frei im Schatten in der inneren Galerie des Con-
sulatgebäudes) Schuld, dass die Extreme der Temperatur sehr abgeschwächt
sind, wenn auch die Mittel richtig sein können.
Der jährliche Gang des Luftdrucks ist jenem von Funchal ähnlich, mo-
difieirt durch die Nähe des sommerlichen Depressionsgebietes im Innern Afrika’s,
Das ganze Jahr hindurch herrscht zu Mogador, wie an der ganzen Küste, der
Nordost-Passat, nur in den Wintermonaten treten noch Südwinde auf, zugleich
mit dem Eintritt der Regenzeit. „Nachts und Morgens bis 9*“ wie Beaumier
schreibt, „herrscht gewöhnlich Windstille; der NE-Wind weht mit Heftigkeit
von Mai bis September. Die wärmsten Winde sind die Süd- und SE-Winde
(am 31. Januar 1869 stieg bei ESE-Wind die Temperatur auf 26° C.). Der
Regenfall ist gewöhnlich sehr reichlich und häufig vom November bis April,
Gewitter sind selten (durchschnittlich vier im Jahr).“
Die Extreme des Luftdruckes waren 771". im Dezember 1871 und 745"
im Januar 1868; die der Temperatur 30° C. (bei Sirocco im September 1857)
und 11° C. zu wiederholten Malen; die mittleren Extreme der Temperatur waren
27.s° und 124° €.
Aus den Reiseberichten S, M. S. ‚„Arcona“, Capitain zur See
Freiherr v. Reibnitz.
il. Bemerkungen über den Hafen von Valparaiso.
Am 30. August d. J. war S. M. S. „Arcona“ auf ihrer Heimreise nach
Europa von San Francisco aus in dem Hafen von Valparaiso eingetroffen und
blieb dort bis zum 7. September, Während dieser Zeit genossen die Offiziere
und die Mannschaft S. M. S. „Arcona“ die in liebenswürdiger und herzlicher
Weise dargebotene Gastfreundschaft der in Valparaiso und St. Jago lebenden
Deutschen in reichem Maasse,
Der Commandant S. M. S. „Arcona“, Freiherr v. Reibnitz fand hierbei
noch Gelegenheit, mehrere nicht uninteressante Notizen über die Republik Chile
im Allgemeinen und die Städte Valparaiso und St. Jago im Besonderen zu
sammeln. Wir theilen hier aus diesem Berichte des Freiherrn v. Reibnitz
einige den Hafen und den HandelsverMehr von Valparaiso betreffende Bemerkungen
mit, welche die in den Segeldireetionen und Handbüchern enthaltenen nicht
unwesentlich ergänzen.*) .
„Die Ansegelung des Hafens bietet bei klarem Wetter am Tage keinerlei
Schwierigkeiten, wenn man, von Süden kommend, das Cap Camaurilla ansteuert,
da sich dasselbe sehr gut markirt, Wir hatten mit S. M. S. „Arcona“ das
Missgeschick, bei dickem Nebelwetter in die Nähe der Küste zu kommen,’ so
dass wir nach mehrstündigem Beidrehen nur durch ein zeitweiliges Zerreissen
des Nebels unsere Position bestimmen konnten. Merkwürdiger Weise sagen die
Segeldirectionen nichts von diesen dicken Nebeln, welche nach Aussage der
Bewohner Valparaiso’s in der Winter-Jahreszeit öfters vorkommen, Das Feuer
von Angeles wurde selbst auf einen Abstand von nur 1 bis 2 Seem. durch den
Nebel total verdeckt, so dass es nicht gerathen ist, sich bei derartigem Wetter
der Küste zu nähern. Dieses sehr hochstehende Feuer ist in Folge dessen,
selbst bei weniger dickem Wetter, schlecht zu schen, da os oft durch eine
Nebelschicht verdeckt wird, wenn auch der Horizont klar erscheint; hierdurch
wird ein Ansegeln bei Nacht erschwert.
Die Wassertiefe auf der Rhede ist zwar eine sehr bedeutende, 53 bis
56 Met., dagegen ist aber der Ankergrund ein sehr guter, und die Rhede —
ausser in der Jahreszeit der „Norder“ — gut geschützt. Nachmittags weht
Vergl. Findlay’s South Pacific Directory (1871) pag. 125—129; The South America Pilot
Part II, (1875) pag. 249—9254: Klima von Valparaiso Hydr. Mitth. 1874 pag. 118.