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nördliche Stadtthor. Hier kann man mit dem Boot auf den Sand laufen, da
man durch die nach See zu liegende Klippenreihe etwas geschützt ist. Bei
frischer Seebrise oder stärkerer Dünung ist jedoch auch dies gefährlich.
Arzila wird niemals für den Handel wichtig werden; der Ort liegt nämlich zu
nahe an der offenen geradlinigen Küste und ist zu nahe an Tanger, als dass die
Einfuhr und Aufnahme des Hinterlandes jemals ihren Weg über Arzilg nehmen
könnte; der Handelsverkehr für diese Gegend wird wohl immer über T’anger gehen.
Die gesammte Einwohnerschaft Arzila’s besass zur Zeit der Anwesenheit
des „Nautilus“ an diesem Orte vom 28. bis 29. September nur drei jämmerliche
Fahrzeuge (Boote kann man sie kaum nennen), mit denen ein Mann bei schönem
Wetter angeln konnte. Dieselben waren aus Planken eckig zusammengeschlagen
Es kann also dort vom Lande einem in Noth befindlichen Schiffe keinerlei
Hülfe gebracht werden; der Platz ist für Fremde noch nicht geöffnet. Die
anderen Plätze besitzen alle eine grössere Zahl von Booten verschiedener
Grösse, die zwar noch Manches zu wünschen übrig lassen, mit denen die Ein-
gebornen aber recht geschickt umzugehen wissen.
2. El Araisch oder Larache (s. Tafel), ist eine kleine alte Stadt 8 Seem,
züdlich von Arzila an einem Flusse Locos, an dessen Mündung eine Barre
ist, auf welcher stets Brandung stattfindet. Hier ist eine Stelle an der Küste,
an welcher die gewöhnlichen Schiffsboote bei gutem Wetter, meistens, auch wenn
die Barre nicht passirbar ist, herankommen und Menschen landen können. Bei
schlechtem Wetter ist auch hier ein Verkehr nicht möglich.
3. Rabat und Sali (s. Tafel) sind zwei alte Städte an beiden Seiten
der Mündung des Flusses Rakrak, die Barre vor der Mündung desselben ist
schlecht zu passiren; nur ganz kleine Fahrzeuge können bei schönem Wetter in
den Fluss hinein. Der Verkehr mit dem Lande ist nur mit den Booten der Ein-
geborenen möglich und dabei sehr unregelmässig.
4. Casablanca oder Dar el Beida ist ein kleiner, neuerer Ort und
ein ganz offener Ankerplatz, ohne Fluss, Das Landen ist der Brandung wegen
und weil kein Sandstrand vorhanden, dagegen die Küste steinig ist, häufig un-
möglich.
5. Mazaghan. Der auf der beifolgenden Vertonung von Mazaghan
/s. Tafel) angegebene Bootslandungsplatz ist nicht mit Schiffsbooten, sondern
aur mit Booten vom Lande aus zu benutzen. Man muss beim Landen mit den
Landbooten, ehe man in die Brandung kommt, den richtigen Moment abwarten,
dann schnell vorwärts rudern und auf den Strand laufen, wo dann das Boot von
bereitstehenden Leuten aufgeschleppt wird.
Einer der Hafenmeister, deren es zwei giebt, steht dabei auf einer Klippe
und giebt von dort aus dem Boot ein Zeichen, wenn der günstige Moment zum
Landen gekommen ist. Ohne diese Vorsichtsmaassregeln läuft man Gefahr, mit
dem Boote von der Brandung quer geworfen zu werden und zu kentern, oder
vollzuschlagen.
In allen Plätzen an dieser Küste ist es überhaupt durchaus nöthig, ehe
man mit eigenen Booten den Versuch macht zu landen, darüber Nachrichten
von Land abzuwarten.
Da in allen dem Verkehr eröffneten Plätzen bei Ankunft eines Schiffes
ein Sanitätsboot herauskommt (wenn überhaupt eine Communication möglich ist),
um nach dem Gesundheitspass zu fragen, so ist es durchaus zu empfehlen, erst
dies Boot abzuwarten, ehe man versucht, mit eigenen Booten in Verkehr mit
dem Lande zu treten. Bei den Plätzen, welche an einer Flussmündung mit
Barre liegen, ist ausserdem zu bemerken, dass sich der Zustand der Brandung
auf der Barre in Zeit von einer Stunde vollständig ändern kann, man daher
nie wissen kann, ob man mit einem Boote, mit dem man gut hereingekommen
ist, auch wieder herauskommen wird. Hierbei ist nicht nur neu aufkommender
Wind oder Seegang, sondern auch der Stand der Ebbe und Fluth von he-
deutendem Einfluss,
6. Mogador oder Su@ra*). Eine Auslothung der südlichen Einfahrt
argab, dass Fahrzeuge bis zu dem Tiefgang des „Nautilus‘, also ungefähr
*) Nach Capitain (später Admiral) Washington’s Vermessungen im Jahre 1830 in 31°
30‘ 30” Nord-Br. und 9° 46‘ 0 West-Le