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Bestimmtheit, dass der am 14. August auf 32° Süd-Br. einsetzende NW -Wind
seine Richtung beibehalten und an Stärke zunehmen würde. Dieses geschah
jedoch nicht und wir hattem am 15. und 16. August theils ganz flaue Brise,
theils Stille, obschon wir am letzteren Tage bereits 35° Süd-Br. erreicht hatten.
Erst während der Nacht vom 16. zum 17. August kam steifer NW-Wind durch,
der am 17. bis zum kräftigen Sturm stieg. Das Schiff lief mit diesem Back-
stagswinde sehr gut und machte mit zwei Reefen in den Marssegeln und vollen
Untersegeln zwischen 11 und 13 Knoten Fahrt — während einer Wache z. B.
lief das Schiff 50 Seem. und vom 17. August 8 Morgens bis zum 18. um die-
selbe Zeit 281.5 Seem.
. Am 18. August Vormittags wurde es plötzlich flau, die Windstärke ging
bis auf 4 herunter und das Schiff arbeitete in der sehr hohen See sehr stark
(circa 35° Krängung nach Lee). Gegen Abcnd frischte der NNW-Wind auf, so
dass wir um 10% Abends bereits wieder 10 bis 11 Seem. Fahrt liefen und zwi-
schen 38° und 40° Süd-Br. die Länge ablaufen wollten, wie dieses auf gleicher
Breite und in ziemlich derselben Jahreszeit von Seiten der österreichischen
Fregatte „Donau“ seiner Zeit unter sehr günstigen Windverhältnissen gemacht
worden ist (s. „Archiv für Seewesen“ 1870). Jedoch liessen uns die West-
winde, welche hier ununterbrochen und kräftig wehen sollen, bereits am
19. August Abends gänzlich im Stich, und statt ihrer traten Windstille und
darauf östliche und südöstliche Winde auf.
Nachdem am 21. August wieder südwestlicher Wind durchgekommen war,
liefen wir bald mit mehr, bald mit weniger Fahrt auf 38!/2° Süd-Br. die Länge
ab, fanden jedoch im Allgemeinen die Windstärke weit unter unserer Erwartung.
Die Richtung des Windes schwankte zwischen SW und NW und machten wir
nur noch vom 24. zum 25. August ein gutes Etmal von 250 Seem.
Vom 20. bis 26. August wurde südlich von 38° Süd-Br. zwischen 100°
und 80° West-Lg. eine andere Stromversetzung gefunden, als die in den eng-
lischen Stromkarten angegebene. Statt nach SO oder Ost, setzte der Strom
bald. nach SW, bald nach NW, und erst vom 26. August an fanden wir eine
gleiche Stromversetzung, wie sie in der Karte angegeben ist. ;
Vom 26. August an segelten wir. mit ziemlich flauer westlicher Brise
nordöstlich und machten, da es ganz flau wurde, den 29. Morgens Dampf auf,
um nicht durch den Strom zu weit versetzt zu werden.
Vom 29. August Mittags bis zum 30. Abends kam mit südlichem Winde
dicker Nebel auf, der sich erst spät so weit aufklärte, dass wir Valparaiso
ansteuern konnten.
Am 30. August um 7* 40" Abends ankerten wir auf der Rhede von Val-
paraiso, nach einer Reise von 34'/ Tagen, während welcher wir einen Weg
von 7800 Seem. oder durchschnittlich täglich 144 Seom. zurückgelegt hatten.“
Der Columbia-Fluss, *)
(Mittheilung der Deutschen Seewarte.)
Der Deutschen Seewarte ist kürzlich eine. vom Handelsamte des Staates
Oregon veröffentlichte kleine Broschüre, betitelt: „Information for the Guidance
of Foreign Vessels proceeding to Portland, Oregon, U. S.“ zugegangen, der
wir das Folgende entnehmen:
Beschreibung der Mündung des Columbia-Flusses. Die Mün-
dung des Columbia-Flusses liegt in 46° 12.4‘ Nord-Br. und 128° 58.s‘ West-Lg.
und ist der nördlichste Hafen an der Oregon - Küste. Bis vor wenigen Jahren
war die Meinung verbreitet, dass die Einsegelung gefährlich und schwierig sei;
dies ist indessen nicht der Fall, .
Die Breite der Flussmündung beträgt zwischen Cap Hancock an der
Nordseite und Point Adams an der Südseite, die S58!%°O0 und N58'/2°W von
*) S. Findlay’s North Pacific Directory 2. edit, (1870) pag. 232—242; Imray: Nord Pacific
Pilot, Part, I (1870} pag, 197—204.