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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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gewöhnlich, nämlich 1 Knoten nach SOzS setzend, gefunden. Er scheint darauf 
vorübergehend über Ost nach NO und Nord zu kurren und nimmt dann nach 
dem Besteck bereits auf 83° Länge, also zwischen Curve XI und XII, wieder 
vorübergehend eine südliche Richtung. Das Aufbiegen der 12° Isotherme bei 
Curve XII wird auf den abkühlenden Einfluss des antarktischen Wassers zurück- 
zuführen sein, welches in diesem östlichen Theile des Oceans näher zur Ober- 
fläche zu treten scheint, als im westlichen, denn nur dadurch lassen sich die auf 
gleicher Breite hier überall niederen Temperaturen, wie sie namentlich auch bei 
Curve XV hervortreten, erklären. Im Ganzen scheinen in diesem "Theile des 
Oceans nur wenig ausgeprägte und öfter wechselnde locale Oberflächen -Strö- 
mungen zu herrschen, die von keinem besonderen physikalischen Interesse sind. 
23) Die Temperaturcurven, wie sie in der Tabelle IX zusammengestellt 
sind, geben noch zu einer Bemerkung Anlass. Wie aus denselben ersichtlich, 
sind zwischen 500 und 900 Faden (915 und 1646 Met.) mehrfach in grösseren 
Tiefen höhere Temperaturen gemessen als in geringeren, welche Unregelmässig- 
keiten in den Diagrammen absichtlich nicht berücksichtigt, vielmehr als fehler- 
hafte Angaben der Thermometer behandelt sind. Die häufige Wiederholung 
auf denselben Tiefen bleibt aber auffallend. 
Eine Erklärung für wechselnde Temperaturen nach der Tiefe könnte nun 
wohl gefunden werden, wenn man die oben eingehend erörterte Erscheinung 
eines gewissermassen neutralen Gürtels warmen und kalten Wassers, wie er 
die horizontale Grenzscheide zwischen den tropischen salzreichen warmen 
Wassern und den kalten salzärmeren bildet, auch für die verticale Richtung 
anwendet, Es ist offenbar, dass ähnliche Verhältnisse in horizontaler, wie in verti- 
ealer Richtung bestehen, denn das kältere, in der Regel salzärmere Wasser in 
den untersten Meeresschichten entspricht dem Wasser in den kalten Meeren, 
das wärmere salzreichere Wasser der Oberfläche dem tropischen Meere, wenn 
schon die Unterschiede des Salzgehaltes zwischen Oberfläche und Boden weit 
geringer sind und sein müssen, als zwischen Tropen und kalten Meeren. 
Wo ein solcher Unterschied, wenn er auch gering ist, vorhanden, da 
kann auch eine Zone der Ausgleichung bestehen, in welcher Gewässer etwas 
verschiedener Temperatur und verschiedenen Salzgehaltes in geringer Entfernung 
von einander nahezu im Gleichgewicht also in Ruhe verharren. 
24) Zum Schluss gestatte ich mir die Erscheinungen und Gesetze, zu 
welchen mich die gemachten Beobachtungen geführt haben, und von welchen 
ich glaube, dass sie ein neues Licht auf die Theorie der Meeresströmungen 
werfen. in Folgendem nochmals kurz zusammenzufassen: 
' Die Meeresströmungen finden — abgesehen von den durch regel- 
mässige Winde veranlassten Triftströmungen — ihre Veranlassung 
und Erklärung in der Differenz der absoluten specifischen Gewichte 
verschiedener Theile der Oceane, und schon eine ganz geringe Diffe- 
vrenz hierin erzeugt schon eine starke Strömung. 
Dadurch, dass die Differenz im Salzgehalte tropischer und kalter 
Meere in Bezug auf das absolute speeifische Gewicht den Temperatur- 
Differenzen entgegenwirkt, werden die Meeresströmungen gemässigt, 
die andernfalls wahrscheinlich so heftig in nahezu meridionaler Rich- 
tung sich bewegen würden, dass die Schifffahrt unmöglich würde. 
Es ist nach physikalischen Gesetzen eine Zone zulässig und wahr- 
scheinlich, wo die Differenzen im Salzgehalte die Differenzen in den 
Temperaturen aufwiegen in der Weise, dass Wasser verschiedener 
Temperaturen und verschiedenen Salzgehaltes neben einander im 
Gleichgewicht sein können, d. h. ohne merkbare Strömung. *) 
Diese Zone liegt im westlichen Theile des Indischen Oceans zwischen 
40° und 45° Süd-Br. Sie mag an mehreren Stellen verschoben und durch- 
brochen sein, wird sich aber vermuthlich in allen Oceanen finden und fest- 
stellen lassen. 
4 
*) Es wird auch hier nicht vollkommene Ruhe sein, da das wärmere Wasser und das 
kältere allmälig ihre Temperaturen und das salzigere und weniger salzige allmälig ihr Salz aus- 
:;auschen. Dieser Ausgleich selbst möchte aber nur geringe mechanische Bewegung der Wasser- 
‘:heilchen in localem Kreislauf erzeugen, die als Strömung nicht in Betracht kommen kann.
	        
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