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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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Rede stehenden Region, trotz der Temperatur - Unterschiede, wiederum keine 
Differenz, indem es durchschnittlich 1.076 ist, dagegen findet eine Zunahme des 
Salzgehaltes von den Curven No. 45 und 46 nach den Curven No. 47 und 48 
von 3.41% 0 auf 3.47°/0 statt, die, wenn sie nicht auf die Breitenunterschiede 
zurückzuführen ist, die stärkere Strömung an der östlichen Seite annehmen lässt. 
Das Vorhandensein einer‘ aus nördlicher Breite kommenden Strömung 
wird durch die am 29. December bei Curve No. 48, also am Rande der Strö- 
mung, vom verankerten Boote aus vorgenommene Messung und durch den 
Unterschied zwischen Observation und Gissung bestätigt. Bei ersterer wurde 
der Oberflächen-Strom SSO (rw.) 0.6 Knoten, der Strom in 40 Faden (73 Met,) 
Tiefe SzO 0.ss Knoten und der in 80 Faden (146 Met.) Tiefe S'4O0 0,5 Knoten 
setzend gefunden, während die Bestecksrechnung innerhalb der Periode einen 
ostsüdostlichen Strom von ca. 1 Knoten Stärke ergab. Zu berücksichtigen wird 
dabei sein, dass zu der Zeit Sturm zwischen NE und NNW, und zwar haupt- 
sächlich aus nordwestlicher Richtung, wehte, welcher die Strömung, soweit 
sie Oberflächen-Strömung ist, verstärkt haben mag. 
Die Annahme einer Strömung von nicht blos localer oder periodischer 
Natur in dieser Gegend Zudet eine fernere Bestätigung in der von Capitain 
Sir James C. Ross auf seiner antarktischen Reise am 24. Juli 1840 auf 47° 55° 
Süd-Br. und 83° 41‘ Ost-Lg. gemachten Beobachtung, wonach die Temperatur 
des Oberflächenwassers an dieser Stelle plötzlich von 37° Fr auf 44° F, (2.s° 
auf 67° C.) stieg und sich bis zum Abend des folgenden Tages in dieser 
Höhe hielt, während die Luft- Temperatur von 33° auf 31° F, (0.6° auf 
— 0.6° C.) gleichzeitig fiel. Wenn nun die Oberflächen-Strömung der Gegend 
unserer Beobachtung O0SO (rw.) läuft, so trifft sie gerade diejenige Gegend, 
in welcher Ross die Temperatur-Steigerung fand. 
Die verhältnissmässig nicht sehr hohe Temperatur-Steigerung innerhalb 
der Strömung und das Verhalten des Salzgehaltes lassen vermuthen, dass sie 
eine Fortsetzung des in No. 7 erwähnten neutralen Gürtels ist, die zu einer öst- 
lichen Windströmung (Trift) wird und hier nach SO ausbiegt. 
. Die Ursache für diese Ausbiegung mögen die auf dieser Länge, nament- 
lich auf etwas niederer Breite vorherrschenden nördlichen Winde sein, sie mag 
aber auch im Verhalten des absoluten specifischen Gewichtes südlicherer Wasser- 
massen ihre Begründung finden. Es ist z. B. wahrscheinlich, dass der Salz- 
gehalt.derjenigen antarktischen Regionen, in denen sich viel Eis bildet, wo also 
das Meer ruhiger ist (in Buchten, zwischen Inseln etc.) ein grösserer ist, als in 
denjenigen, wo dies nicht stattfindet, nämlich in einem mehr landfreien antark- 
tischen Meere, weil das salzfreie Eis, namentlich soweit es aus Eisbergen be- 
steht, in ersterem Falle durch Winde ete. fortgeführt wird, und gewissermaassen 
dieselbe Rolle spielt, wie in den Tropen die starke Verdunstung. 
Ebenso. wie der mindere Salzgehalt der kalten Gewässer im Vergleich 
mit denjenigen der. warmen die Ursache für Verminderung resp. Vernichtung 
von Strömungen meridionaler*) Richtung ist und so den mehrerwähnten neu- 
tralen Gürtel möglich macht, so muss der grössere Salzgehalt die meridionalen 
Strömungen verstärken resp. hervorrufen, weil er die durch die Temperatur- 
Differenzen nothwendiger Weise hervorgerufene Wirkung nun nicht mehr auszu- 
gleichen vermag. Vom Standpunkte der Gleichgewichts-Theorie ist es sonach 
wahrscheinlich, dass die land- resp. inselerfüllten Theile der polaren Meere 
mehr anziehend auf die warmen Gewässer wirken, wie die mehr offenen Theile 
dieser Meere, 
Schliesslich kann aber auch die Gestaltung des Meeresbodens Veran- 
lassung für Aenderung einer Stromrichtung werden, und in dieser Beziehung ist 
daran zu erinnern, dass die besprochenen Temperatur-Curven an die östliche 
Grenze der Bank fallen, auf welcher die Kerguelen-Inseln liegen, 
Wie bereits bemerkt, ist die Höhe der Temperatur dieser Strömung im 
Vergleiche zur Umgebung keine sehr grosse .und es ist kaum wahrscheinlich, 
dass sie einen merklichen Einfluss auf die Eisregion des antarktischen Meeres 
*) Der Ausdruck „meridionale Strömung“ ist hier, wie aus dem Zusammenhang ersichtlich, 
für Strömungen in Richtung der Meridiane gebraucht. Mühry nennt solche Strömungen „Jlati- 
tudinale*®,
	        
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