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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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nur selten die Untersuchungen untor Dampf vorzunehmen. Schliesslich ver- 
hinderte das fortgesetzte stürmische Wetter in den südlichen Regionen nur gar 
zu oft eine jede wissenschaftliche Beobachtung der in Rede stehenden Art. 
Da indessen jede Gelegenheit benutzt worden ist, sowohl Lothungen, wie 
Reihen-Temperaturen unter Segel zu nehmen, so führen die gemachten Unter- 
suchungen doch zu interessanten und für die Theorie der Meeresströmungen 
wahrscheinlich wichtigen wissenschaftlichen Folgerungen auch bei denjenigen 
Touren, wo die Umstände uns nicht begünstigten. 
Auf der Reise von Mauritius nach Timor konnten andererseits die sämmt- 
lichen Beobachtungen mit grösster Genauigkeit und systematisch durchgeführt 
werden. Für die daraus zu ziehenden Schlüsse wäre es allerdings zweck- 
mässiger gewesen, wenn die Reise-Route in die Region der günstigen anstatt 
der conträren Winde hätte gelegt werden können, weil man nur in ersterem 
Falle im Stande ist, mit einem Schiffe, das vorzugsweise auf Segeln angewiesen 
ist, seinen Kurs ausschliesslich in Rücksicht auf die wissenschaftlichen Unter- 
suchungen zu wählen, ganz abgesehen von der, durch das Segeln mit günstigen 
Winden erzielten, erheblichen Zeit- und Kohlen-Ersparniss. 
Aus den während S. M. S. „Gazelle“ im Süd- Indischen Ocean von der 
Capstadt bis Kerguelen, von da nördlich und südlich (zwischen 40° und 51° 
Süd-Br.), dann von Kerguelen bis Mauritius, endlich von da bis Dirk-Hartog bei 
West-Australien angestellten oceanischen Untersuchungen lassen sich folgende 
Resultate ziehen*): 
1) Die Temperatur-Curven No. 37 und 38 (s. Tab. I. und II.), ergeben 
einen an der afrikanischen Küste auf 18° Ost-Lg. beim Cap der guten Hoffnung 
nordwärts setzenden kalten Strom von 12.6—14.4° C. Oberflächen - Temperatur, 
der indess, wie aus Curve No. 39 ersichtlich, nur eine geringe Breite (höchstens 
etwas über einen Grad) haben kann. 
In Uebereinstimmung damit wurde bei No, 38 ein nördlich setzender 
Strom, an der Oberfläche von 0.7 und in 40 Faden (73 Met.) Tiefe von 
0.s Knoten vom Boote aus gemessen. Aber schon auf 17° Ost-Lg. ergab das 
Besteck einen westlich setzenden Strom mit einer der durchschnittlichen Luft- 
wärme entsprechenden Temperatur von 14.5 bis 15° €. 
Der kalte Strom charakterisirt sich weniger durch die Oberflächen- 
*) Diese oben im Texte von Herrn Freiherrn v. Schleinitz aufgeführten Resultate seiner 
vdeeanographischen Forschungen im Süd-Indischen Oceane sind in den, dieser Abhandlung bei- 
gefügten, zwei Tabellen (s. S. 408 u, 409) und zwei Diagrammen (s. Karte) theils tabellarisch zu- 
sammengefasst, theils graphisch dargestellt, 
Zur Erläuterung derselben mögen folgende Bemerkungen dienen: 
Die erste Tabelle (I.) giebt als Fortsetzung der Tabelle I, in No. 5 der „Hydr. Mitth. 
1875“ eine Uebersicht der Tiefseebeobachtungen S. M.S. „Gazelle“ 1) von der Capstadt bis zu den 
Kerguelen (No, 37—44); 2) von da nördlich und südlich, zwischen 40° und 51° Süd-Br. (No, 45 —55); 
3) von den Kerguelen bis Mauritius (No. 56 bis 64); 4) von Mauritius bis Dirk-Hartog bei West- 
Australien (No, 65 bis 86). Sie enthält der Reihe nach die Nummern der Lothung und der 
entsprechenden Temperatur - Curve (letztere in römischen Ziffern resp. mit Voransetzung der 
Buchstaben A und B, wie sie im Original der Temperatur-Curven bezeichnet sind), ferner das 
Datum und den Ort der Lothung (s. Kurs - Karte der „Gazelle“), die gelothete Tiefe in Metern 
und Faden und die dabei gefundene Temperatur des Meeresbodens in Graden nach Celsius, sodann 
das specifische Gewicht des Seewassers, reducirt auf 17,5° C., an der Oberfläche, in einer Tiefe 
von 183 Met. (100 Faden) und am Grunde, endlich die Richtung und Stärke des Stromes an der 
Oberfläche und in Tiefen von 73 und 146 Met. (40 und 80 Faden), 
Die zweite Tabelle (IT.) giebt nach den von Herrn Freiberrn v. Schleinitz im Original 
eingesendeten Temperatur-Curven die Uebertragung der durch sie dargestellten Reihen- Tempe- 
ratur-Beobachtungen in Zahlenwertbhe für die vier obenerwähnten Abtheilungen und die entsprechen- 
den Nummern der Lothung und der Temperatur- Curve in Tabelle I., woraus man Zeit und 
Ort der Reihen-Temperaturen sofort entnehmen kann, Ausserdem enthält diese Tabelle noch bei 
jeder Abtheilung eine Zusammenstellung der Tiefen und Temperaturen des Meeresbodens, sowie 
zum Vergleiche die bei der betreffenden Temperatur-Curve gefundene Oberflächen-Temperatur. 
Die beiden Diagramme stellen den Verlauf der Meeresisothermen nach einigen der in 
Tabelle II, wiedergegebenen Temperatur-Curven dar, sowie die verticale Temperaturvertheilung 
bei den einzelnen Curven, endlich die dabei gelotheten Tiefen und darnach die ungefähre Boden- 
gestaltung eines Theiles des Süd-Indischen Oceanes von Kerguelen bis St. Paul (Diagr. I.) 
und von Mauritius bis West-Australien (Diagr. II.). Die römischen Ziffern über den verticalen 
Linien geben die in Tabelle II. der Reihen-Temperaturen ebenso bezeichneten Temperatar-Curven 
wieder; die darunter befindlichen Zahlen in Klammern bedeuten die entsprechenden Nummern 
der Lothung der Tabelle I. A. d. R.
	        
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