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nur selten die Untersuchungen untor Dampf vorzunehmen. Schliesslich ver-
hinderte das fortgesetzte stürmische Wetter in den südlichen Regionen nur gar
zu oft eine jede wissenschaftliche Beobachtung der in Rede stehenden Art.
Da indessen jede Gelegenheit benutzt worden ist, sowohl Lothungen, wie
Reihen-Temperaturen unter Segel zu nehmen, so führen die gemachten Unter-
suchungen doch zu interessanten und für die Theorie der Meeresströmungen
wahrscheinlich wichtigen wissenschaftlichen Folgerungen auch bei denjenigen
Touren, wo die Umstände uns nicht begünstigten.
Auf der Reise von Mauritius nach Timor konnten andererseits die sämmt-
lichen Beobachtungen mit grösster Genauigkeit und systematisch durchgeführt
werden. Für die daraus zu ziehenden Schlüsse wäre es allerdings zweck-
mässiger gewesen, wenn die Reise-Route in die Region der günstigen anstatt
der conträren Winde hätte gelegt werden können, weil man nur in ersterem
Falle im Stande ist, mit einem Schiffe, das vorzugsweise auf Segeln angewiesen
ist, seinen Kurs ausschliesslich in Rücksicht auf die wissenschaftlichen Unter-
suchungen zu wählen, ganz abgesehen von der, durch das Segeln mit günstigen
Winden erzielten, erheblichen Zeit- und Kohlen-Ersparniss.
Aus den während S. M. S. „Gazelle“ im Süd- Indischen Ocean von der
Capstadt bis Kerguelen, von da nördlich und südlich (zwischen 40° und 51°
Süd-Br.), dann von Kerguelen bis Mauritius, endlich von da bis Dirk-Hartog bei
West-Australien angestellten oceanischen Untersuchungen lassen sich folgende
Resultate ziehen*):
1) Die Temperatur-Curven No. 37 und 38 (s. Tab. I. und II.), ergeben
einen an der afrikanischen Küste auf 18° Ost-Lg. beim Cap der guten Hoffnung
nordwärts setzenden kalten Strom von 12.6—14.4° C. Oberflächen - Temperatur,
der indess, wie aus Curve No. 39 ersichtlich, nur eine geringe Breite (höchstens
etwas über einen Grad) haben kann.
In Uebereinstimmung damit wurde bei No, 38 ein nördlich setzender
Strom, an der Oberfläche von 0.7 und in 40 Faden (73 Met.) Tiefe von
0.s Knoten vom Boote aus gemessen. Aber schon auf 17° Ost-Lg. ergab das
Besteck einen westlich setzenden Strom mit einer der durchschnittlichen Luft-
wärme entsprechenden Temperatur von 14.5 bis 15° €.
Der kalte Strom charakterisirt sich weniger durch die Oberflächen-
*) Diese oben im Texte von Herrn Freiherrn v. Schleinitz aufgeführten Resultate seiner
vdeeanographischen Forschungen im Süd-Indischen Oceane sind in den, dieser Abhandlung bei-
gefügten, zwei Tabellen (s. S. 408 u, 409) und zwei Diagrammen (s. Karte) theils tabellarisch zu-
sammengefasst, theils graphisch dargestellt,
Zur Erläuterung derselben mögen folgende Bemerkungen dienen:
Die erste Tabelle (I.) giebt als Fortsetzung der Tabelle I, in No. 5 der „Hydr. Mitth.
1875“ eine Uebersicht der Tiefseebeobachtungen S. M.S. „Gazelle“ 1) von der Capstadt bis zu den
Kerguelen (No, 37—44); 2) von da nördlich und südlich, zwischen 40° und 51° Süd-Br. (No, 45 —55);
3) von den Kerguelen bis Mauritius (No. 56 bis 64); 4) von Mauritius bis Dirk-Hartog bei West-
Australien (No, 65 bis 86). Sie enthält der Reihe nach die Nummern der Lothung und der
entsprechenden Temperatur - Curve (letztere in römischen Ziffern resp. mit Voransetzung der
Buchstaben A und B, wie sie im Original der Temperatur-Curven bezeichnet sind), ferner das
Datum und den Ort der Lothung (s. Kurs - Karte der „Gazelle“), die gelothete Tiefe in Metern
und Faden und die dabei gefundene Temperatur des Meeresbodens in Graden nach Celsius, sodann
das specifische Gewicht des Seewassers, reducirt auf 17,5° C., an der Oberfläche, in einer Tiefe
von 183 Met. (100 Faden) und am Grunde, endlich die Richtung und Stärke des Stromes an der
Oberfläche und in Tiefen von 73 und 146 Met. (40 und 80 Faden),
Die zweite Tabelle (IT.) giebt nach den von Herrn Freiberrn v. Schleinitz im Original
eingesendeten Temperatur-Curven die Uebertragung der durch sie dargestellten Reihen- Tempe-
ratur-Beobachtungen in Zahlenwertbhe für die vier obenerwähnten Abtheilungen und die entsprechen-
den Nummern der Lothung und der Temperatur- Curve in Tabelle I., woraus man Zeit und
Ort der Reihen-Temperaturen sofort entnehmen kann, Ausserdem enthält diese Tabelle noch bei
jeder Abtheilung eine Zusammenstellung der Tiefen und Temperaturen des Meeresbodens, sowie
zum Vergleiche die bei der betreffenden Temperatur-Curve gefundene Oberflächen-Temperatur.
Die beiden Diagramme stellen den Verlauf der Meeresisothermen nach einigen der in
Tabelle II, wiedergegebenen Temperatur-Curven dar, sowie die verticale Temperaturvertheilung
bei den einzelnen Curven, endlich die dabei gelotheten Tiefen und darnach die ungefähre Boden-
gestaltung eines Theiles des Süd-Indischen Oceanes von Kerguelen bis St. Paul (Diagr. I.)
und von Mauritius bis West-Australien (Diagr. II.). Die römischen Ziffern über den verticalen
Linien geben die in Tabelle II. der Reihen-Temperaturen ebenso bezeichneten Temperatar-Curven
wieder; die darunter befindlichen Zahlen in Klammern bedeuten die entsprechenden Nummern
der Lothung der Tabelle I. A. d. R.