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Stelle nach dem Besteck ausfinden konnte, 460 Faden (840 Met.) braunen Mud.
Da unsere Chronometer nach dem Vergleich in Koepang etwas geändert hatten,
fiel die zweite Lothung indess ca. 7'/2 Meilen östlich, das Schiff ist jedoch,
fortwährend bis auf 15 Faden (27 Met.) lothend, genau zwischen den beiden
für die Untiefe angegebenen Positionen passirt (s. Carton 2.)
Zur Zeit des Passirens der Stelle hatten wir Niedrigwasser, was in Betracht
kommt, da die Springfluth hier ca. 14 Fuss (4 Met.) steigt und wir Vollmond
hatten. Es hätte daher bei einer 10 Fuss (3 Met.)-Untiefe starke Brandung
stehen und dieselbe auf 8 Seem. vom Topp aus sichtbar sein müssen,
Die Untiefe existirt danach. in der angegebenen Position wahrscheinlich
ebenfalls nicht. Die Verminderung in der Tiefe bei der zweiten Lothung ist
die natürliche Wasserabnahme nach der die NW-Küste Australiens umgebenden
100 Faden (180 Met.)-Bank zu,
e. Corona-Bank. Auf der englischen Admiralitätskarte: „Indian Ocean
with the western portion of Pacific Ocean“, corrigirt bis 1871, befindet sich eine
mit 10 bezeichnete Bank, welche Corona benannt ist, von der jedoch nirgend
anderswo etwas zu finden ist. Da diese Karte die neueste ist, welche wir haben,
(obgleich keine eigentliche Navigirungs-, sondern nur eine Trackkarte in kleinem
Maassstabe), musste die Untiefe als vorhanden angesehen werden.. .
Sie ist in der Karte auch nicht einmal mit einem D (doubtful) bezeichnet.
Die Bank lag recht in unserm Kurse, es schien mir aber zu gefährlich, in der
Nacht darüber hinfort zu laufen, obgleich die am 7. Mai in 55 Seem. Ent-
fernung gelothete Tiefe von 5541 Met. die Existenz der Untiefe unwahr-
scheinlich machte. Ich lag daher einen Theil der Nacht über den andern
Bug und lief am 8. Mai über. den Rand der Bank, auf derselben und zwar
ca. 13 Meilen vom Mittelpunkte derselben 2875 Faden (5258 Met.) braunen
Mud lothend. Die Lothung ist nach der Chronometer-Regulirung in Koepang
auf 12° 27.7,‘ Süd-Br. und 119° 1.4‘ Ost-Lg.*) genommen. Nach der Mauritius-
Regulirung wären wir recht über den Mittelpunkt der Bank gegangen. Diese
Corona-Bank existirt daher in dieser Gegend ebenfalls nicht.
3. Oceanische Untersuchungen im Süd-Indischen Ocean,
Von Capitain zur See Freiherrn v. Schleinitz,
(Mit zwei Diagrammen.)
Auf der Reise S. M. S. „Gazelle“ von der Kapstadt nach Kerguelen, von
dort bis zum 40. Breitenparallel und zurück nach Kerguelen, sowie nach Mau-
ritius und endlich von hier nach der West-Küste Australiens und diese aufwärts
bis zu der Insel Timor sind eine grosse Anzahl Lothungen gemacht, sowie
Reihen - Temperaturen nach der Tiefe genommen, ferner die Oberflächen - Strö-
mungen durch Verankerung eines Bootes vor der Lothleine, und demnächst die
Tief-Strömungen überall bestimmt worden, wo der Zustand der See es möglich
machte, ein Boot zu Wasser zu führen. .
Es ist gleicherweise auf der ganzen Reise die Temperatur und das speci-
fische Gewicht des Meerwassers. an der Oberfläche zweistündlich, periodisch
sogar stündlich, gemessen, und häufig das specifische Gewicht in Tiefen zwischen
100 Faden (183 Met.) und der Oberfläche bestimmt worden, auch wurden regel-
mässige Beobachtungen über die Durchsichtigkeit des Meerwassers angestellt.
Die Tieflothungeu, Reihen-Temperaturen und Strombestimmungen konnten
aber nicht auf allen den verschiedenen Touren gleich erschöpfend und syste-
matisch durchgeführt werden. Auf der Reise von der Capstadt nach Kerguelen
musste gesucht werden, den für Eröffnung der astronomischen Beobachtungs-
Station festgestellten Termin inne zu halten, weshalb es an Zeit für die lang-
dauerndern Tieflothungen gebrach. Ferner erheischte die voraussichtlich fünf
Monate lang anhaltende Unmöglichkeit, den Kohlenvorrath zu ergänzen, bei
gleichzeitig grossem Consum zum Zweke des Kochens, Backens, Destillirens
und des Heizens der Oefen in dem kalten Klima ete. die äusserste Sparsamkeit
in Verwendung der Kohlen während der ganzen Periode, und gestattete daher
*) S. Anm, von S. 403.