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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

2307 
Ueber einige magnetische Beobachtungen an der Westküste von 
Afrika. 
Herr Dr. Güssfeld hat auf der von ihm geleiteten Station der Deutschen 
„Afrikanischen Gesellschaft“ zu Chinchoxo u. A. auch einige magnetische Be- 
obachtungen angestellt, deren Ergebnisse uns jetzt vorliegen. Diese weisen 
nach, dass die auf den neuesten magnetischen Karten angegebenen Curven, 
namentlich der Verlauf der Linie der Inclination von 0°, d. i. des magneti- 
schen Aequators, den wirklichen Verhältnissen an dieser Stelle der afrikani- 
schen Küste nur in sehr ungenügendem Maasse entsprechen, wie aus folgender 
Zusammenstellung zu ersehen ist: 
Variation, | Inclination. IHorizontale 
West. Süd, Intensität, 
Nach den Karten , . 
Nach den Beobachtun- 
gen des Dr. Güssfeldt 
19° 0 20° 0 
17° 46‘6 * 26° 50’ 
2,9480 
3.0148 
Die Beobachtungen wurden für die Variation an. einem Declinatorium 
angestellt, bei welchem beide Enden der Nadel auf Spitzen eingestellt und die 
Ablesungen an zwei Nonien gemacht wurden (Magnetometer von Bamberg), und 
für die Inclination an einem Nadelinelinatorium, dessen Nadeln ummagnetisirt 
wurden. Sowohl für das Declinatorium, wie für das Inclinatorium wurden zwei 
Nadeln verwendet. Der Ort der Beobachtung wurde zu 5° 9%.2 Süd - Br. und 
12° 3‘%.6 Ost-Lg. v. Greenw. bestimmt, 
Diese Beobachtungen erhalten einen erhöhten Werth durch die in der- 
selben Zeit in dieser Gegend angestellten magnetischen Beobachtungen S. M. S. 
„Gazelle“, Leider ist von diesen bisher nur das Element der Variation einge- 
sendet worden; indessen ergeben schon diese Beobachtungen mit den von Dr. 
Güssfeldt mit ganz verschiedenen Instrumenten angestellten nahezu überein- 
stimmende Zahlenwerthe. Es wurde nämlich an Bord S. M.S. „Gazelle“ vermittelst 
eines Normalcompasses mit umlegbarer Rose die Variation durch Sonnenpeilung 
direct bestimmt, und zwar ergaben diese Bestimmungen: 
1874. 
Auge“ 
Septk- 
Qäd-P-r 
Ort. 
IOst-Lg, v. Gr. 
49 Va 
11° 238%1 
10° 33’.9 
10° 30‘0 
7.3° West 
gie statt 20° W 
„Ea © St Oo est der Karten . 
| 20.8° » » Zr > 5 - 
» ? 960) 2? 
Variation. 
Dagegen ergab eine Beobachtung am Lande in 6° 1‘ Süd-Br. und 
12° 29%.2 Ost-Lg. v. Greenw. am 4. September 1874 die Variation zu 17° 
39%.7 West, ein Resultat, welches mit den an Bord $S. M. S. „Gazelle‘““ erhal- 
tenen Bestimmungen der Variation sich wohl in Einklang bringen lässt. . 
Sonach unterliegt es keinem Zweifel, dass die Isogonen und Isoklinen 
auf der Karte dieser Gegend des Atlantischen Oceans auf irrigen Annahmen 
beruhen. Eine weitere Vergleichung der an Bord S. M. S. „Gazelle“ angestellten 
Beobachtung wird voraussichtlich auch weiteres Material zur Feststellung dieser 
Fehler liefern. 
Kleine hydrographische Notizen. 
1. Eine westliche Strömung im südlichen Theile des Meerbusens von Biscaya 
hat der Commandant S. M, Kbt. „Cyclop“ Capt.-Ltn. von Reiche auf seiner 
Reise von Plymouth bis Port Said Ende Mai d. J. beobachtet. Zwischen 44° 
bis 40° Nord-Br. betrug die westliche Stromversetzung 2.s Seem. die Stunde. 
Diese westliche Strömung wird in Findlay, North Atlantic pag. 321 und in den 
Sailing Directions from Ushant to Gibraltar (1873) pag. 106 nur ganz kurz
	        
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