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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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erwähnt und nebenbei als kaum bemerkbar und selten vorkommend bezeich- 
net, Dieselbe scheint jedoch bei heftigen Nord-Ost- und Ost-Winden stark genug 
auftreten zu können. Der hier gemachten Wahrnehmung nach schien diese 
Strömung am stärksten auf der Höhe zwischen Cap Ortegal und Finisterre ge- 
wesen zu sein, wo der ziemlich starke Seegang stellenweise ganz durch sie her- 
untergedrückt wurde, wie es der Fall zu sein pflegt, wenn eine heftige Strö- 
mung mit Wind und Wellen läuft. — 
2. Die Rhede von Buenos-Ayres*) und diese Stadt selbst ist von 
S. M. S. „Augusta“, Corvetten-Capitain Frhr. v. d. Goltz, Ende Juli d. J. 
auf kurze Zeit von Montevideo aus besucht worden. Herr v. d. Goltz schreibt 
über seine Fahrt von Montevideo bis Buenos-Ayres über letzteren Ort in einem 
Bericht an die Kaiserliche Admiralität u. A. Folgendes: 
„Das Fahrwasser von Montevideo bis Buenos-Ayres ist nicht gut ohne 
Lootsen zu passiren, da sich dasselbe fortwährend ändert und demgemäss auch 
die Seezeichen verlegt werden. Andererseits ist das Fahrwasser wiederum 
nicht gerade schwierig, da es keine gefährliche Untiefen giebt und das Loth 
ein guter Führer ist. Der Grund ist fast überall weich, so dass Schiffe, wenn 
sie auch festkommen sollten, keinen Schaden leiden. Das Wasser nimmt bei 
Buenos-Ayres ganz allmälig ab, so dass Schiffe mit einem Tiefgang von 5.7 Met. 
und mehr schon sehr weit vom Lande, etwa 10 Seem. entfernt, ankern müssen. 
Dann kommt eine Barre mit hartem Sand und danach wiederum weicherer 
Grund, aber mit nicht grösserer Wassertiefe, Auf diesem weichen Grunde, der 
sogenannten Aussenrhede, ankern die meisten Schiffe in einer Wassertiefe, 
die kaum grösser ist, als der eigene Tiefgang. In Folge dieses weichen 
Grundes und da bei allen Winden (SE, West und Ost), welche einen Seegang 
verursachen, das Wasser steigt, liegen die Schiffe sicher zu Anker. 
Auf dieser äuseren Rhede ist im NO von der Mitte der Stadt, dem 
höchsten Kirchthurme, in etwa 1 Seem. Abstand eine Vertiefung von 13.2 Met. 
Wasser. In dieser finden Schiffe mit grösserem Tiefgang einen vorzüglichen 
Ankerplatz. Ebbe und Fluth ist nicht regelmässig, sondern wird von dem 
Winde beeinträchtigt. Die Ebbe läuft in der Regel länger und trotzdem fällt 
das Wasser selbst bei starken westlichen Winden nicht sehr, während dasselbe 
bei östlichen Winden ganz bedeutend steigt, da die ungeheueren Wassermassen, 
welche der Uruguay und der Parana hinunterbringen, alsdann nicht ablaufen 
können. Nur selten sind täglich weniger als 5.4 bis 5.7 Met. Wasser auf der 
Barre, so dass die in der Vertiefung liegenden grösseren Schiffe nicht heraus- 
kommen können. Nur bei sehr heftigen Pamperos soll die Barre für einige 
Tage nicht zu passiren sein, „Pampero“ heisst ein jeder.aus den Pampas kom- 
mende SW-Wind, der aber nicht Sturm zu ‘sein braucht. Er wird übrigens 
sehr gern gesehen, da er stets das nasse und trübe Wetter verscheucht und 
schönes Wetter und klare Luft mit sich bringt. Allerdings setzt er öfters sehr 
heftig ein und verursacht dadurch auf See manchen Schaden. 
Auf der sogenannten Innenrhede liegen alle. kleineren Schiffe und Küsten- 
Fahrzeuge in einer Entfernung von !/2 Seem. von der Stadt. ; 
Das Wasser des La Plata bei Buenos-Ayres ist vollständig frisch und 
wird von den Schiffen besonders gern als Trinkwasser genommen, da es sich 
sehr gut halten soll. 
Die ganze Stadt wird durch Wasserwerke mit Wasser aus dem La Plata 
gespeist. Vom Lande aus führen an drei verschiedenen Stellen sehr lange, 
hölzerne Bohlwerke in See für den Personenverkehr; doch ist oft selbst an 
liesen so wenig Wasser, dass man sich auf zweirädrigen Karren zu den Booten 
fahren lassen muss. Die Lage der Stadt ist hiernach eine zu diesem Zweck 
sehr ungünstige; auch sind schon mannigfache Projecte zur Anlage eines Hafens 
antworfen worden, doch kann man sich noch nicht für die Ausführung eines 
derselben entscheiden. Zwischen den Schiffen und dem Lande wird der Per- 
sonen-Verkehr durch kleine Dampfer vermittelt. Die Ladung wird ‚aus den 
Schiffen in kleinere Fahrzeuge, aber keine Prähme, geladen; diese gehen so 
*) S. Findlay Sailing Directory for the South Atlantic Ocean, (1867) pag. 407 #., South 
America Pilot Part I (1874), pag. 218 ff,
	        
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