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yerade von dem Boden aufsteigen und durch einen Zwischenraum von einigen
Fuss von der nächsten Pflanze getrennt bleiben. Diese Vegetationshügel be-
sitzen gewöhnlich eine Höhe von 1.s Met. und 1 bis. 1l.s Met, Durchmesser,
von deren Gipfel eine Menge anderer Blätter sich nach allen Seiten hinbeugen
and mit denen der benachbarten Pflanzen förmliche Baumgänge bilden. Dieses
Gras bildet die Nahrung für Rindvieh und Schafe, die sich hier sehr gut
akklimatisirt haben. Das Gras besitzt ausserdem in seinen Halmen ein weiches
wohlschmeckendes Mark, welches schon mehrfach als Nahrung den Schiff-
brüchigen gedient hat.
Der einzige grössere Strauch, welcher auf diesen Inseln wächst, ist die
Veronica elliptica, derselbe kommt aber nur an einzelnen Stellen der südlichen
and westlichen Küsten vor und liefert ein spärliches Brennmaterial. Eine an-
dere nützliche Pflanze ist die von den Bewohnern sogenannte Malvina, ihr Name
kommt wahrscheinlich von dem von den Spaniern diesen Inseln gegebenen Namen
„Malvinas“, von den Franzosen Malouinen genannt, her. Die Pflanze hat kleine
myrtenähnliche Blätter, und wächst, am Boden kriechend, meistens an Stein-
abhängen. Die Blätter und Boeren werden getrocknet und wie Thee behandelt,
welcher nicht schlecht schmeckend ist, einen guten Geruch hat und als Medica-
ment benutzt wird. Ferner kommt eine weissblühende, der Aster ähnliche
Pflanze vor, welche bis 1.2 Met. hoch wird; auch wächst sehr viel wilde Sellerie
und Cardamine hirsuta hierselbst; beide Pflanzen werden von den Seefahrern
als Mittel gegen den Scorbut mit Vortheil benutzt.
Eine eigenthümliche Pflanze oder vielmehr ein runder Busch, mit fleischigen
Blättehen, lässt bei einem Schlage mit einem Stock, oder auch bei einem Schnitt
sinen weissen klebrigen Saft ausquillen, der von den Bewohnern aufgefangen
and als Balsam benutzt wird; dieser Strauch wird deshalb auch Balsamstrauch
genannt.
Bei dem Beginne des Frühlings sind die Küstenstriche in der Nähe
des Meeres besonders mit Pflanzen geschmückt, die auch Patagonien eigenthüm-
lich sind; dahin gehören Oxalis enneaphylla, eine kleine Calceolarıa mit einer
einzigen grossen Blüthe, ein gelbes Veilchen etc. In derselben Zeit sind auch
die Haiden und Grasflächen mit weissen Primeln und mit, dem Löwenzahn
ähnlichen, aber weissen Blüthen bedeckt, die einen schönen benzoinartigen Ge-
ruch verbreiten. Charakteristisch sind die ungemeine Menge Flechten, unter
denen die Usnea melaxantha auf den Gipfeln der nackten Felsen ein förmliches
Miniaturgebüsch bildet. Wie Dr. Hooker a. a. O. sagt, findet man nirgends
das Seegras in solcher Menge, als an der Ostküste der Falkland-Inseln, Die
wirklich riesigen Massen bestehen hauptsächlich aus Macrocystis pyrifera, die
auf den Kerguelen heimisch sein soll, aus Lissonia und d’Urvillea utilis. Die
Gattung Lissonia (nach dem Botaniker der Expedition Freycinet’s so benannt)
ist eine wahrhaft gigantische Seegrasart, deren Wachsthum ganz mit dem eines
Baumes übereinstimmt. Sie scheint nur den Falkland-Inseln und dem Cap Horn
eigenthümlich zu sein, wird bis 3 Met. lang und trägt 0.6 bis 1 Met. lange
Blüthen, welche gleich den Zweigen einer Weide in das Wasser herabhängen,
Sie wächst auf fast jedem Felsen in der Nähe der Falkland-Küsten, sowohl in
den Häfen und Buchten, als auch an der offenen Küste und wird dadurch dem
Seefahrer ein sicheres Kennzeichen von Untiefen.
R Ueber die auf den Falkland -Inseln angetroffene Thierwelt berichtet Herr
eimer:!
„Wilde Thiere sind auf den Falkland-Inseln schon zur Zeit ihrer Ent-
deckung durch John Davis 1592 nicht angetroffen worden; jedoch ist das Rind-
vieh, welches von den Franzosen der Expedition unter Bougainville im Jahre
1764 dort ausgesetzt, aber bald darauf im Stich gelassen wurde, in der Frei-
heit verwildert. Bei der starken Vermehrung desselben sieht man noch jetzt
Horden wilden Rindviehs, trotz der vielen Nachstellungen der jetzigen Bewoh-
ner der Falkland-Inseln, umherlaufen. Aber auch das gezähmte Rindvich, sowie
die Pferde, sind Sommer und Winter in Freiheit; will man das Rindvieh melken
oder schlachten, so muss man die Thiere erst einfangen, in derselben Art, wie
die Gauchos in den Pampas Süd - Amerikas verfahren. Die auf die Falkland-
Inseln eingeführten Pferde kommen aus Patagonien, von wo sie durch Tausch
eingehandelt werden, Man hat neuerdings begonnen, das Guanaco und. zwar