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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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yerade von dem Boden aufsteigen und durch einen Zwischenraum von einigen 
Fuss von der nächsten Pflanze getrennt bleiben. Diese Vegetationshügel be- 
sitzen gewöhnlich eine Höhe von 1.s Met. und 1 bis. 1l.s Met, Durchmesser, 
von deren Gipfel eine Menge anderer Blätter sich nach allen Seiten hinbeugen 
and mit denen der benachbarten Pflanzen förmliche Baumgänge bilden. Dieses 
Gras bildet die Nahrung für Rindvieh und Schafe, die sich hier sehr gut 
akklimatisirt haben. Das Gras besitzt ausserdem in seinen Halmen ein weiches 
wohlschmeckendes Mark, welches schon mehrfach als Nahrung den Schiff- 
brüchigen gedient hat. 
Der einzige grössere Strauch, welcher auf diesen Inseln wächst, ist die 
Veronica elliptica, derselbe kommt aber nur an einzelnen Stellen der südlichen 
and westlichen Küsten vor und liefert ein spärliches Brennmaterial. Eine an- 
dere nützliche Pflanze ist die von den Bewohnern sogenannte Malvina, ihr Name 
kommt wahrscheinlich von dem von den Spaniern diesen Inseln gegebenen Namen 
„Malvinas“, von den Franzosen Malouinen genannt, her. Die Pflanze hat kleine 
myrtenähnliche Blätter, und wächst, am Boden kriechend, meistens an Stein- 
abhängen. Die Blätter und Boeren werden getrocknet und wie Thee behandelt, 
welcher nicht schlecht schmeckend ist, einen guten Geruch hat und als Medica- 
ment benutzt wird. Ferner kommt eine weissblühende, der Aster ähnliche 
Pflanze vor, welche bis 1.2 Met. hoch wird; auch wächst sehr viel wilde Sellerie 
und Cardamine hirsuta hierselbst; beide Pflanzen werden von den Seefahrern 
als Mittel gegen den Scorbut mit Vortheil benutzt. 
Eine eigenthümliche Pflanze oder vielmehr ein runder Busch, mit fleischigen 
Blättehen, lässt bei einem Schlage mit einem Stock, oder auch bei einem Schnitt 
sinen weissen klebrigen Saft ausquillen, der von den Bewohnern aufgefangen 
and als Balsam benutzt wird; dieser Strauch wird deshalb auch Balsamstrauch 
genannt. 
Bei dem Beginne des Frühlings sind die Küstenstriche in der Nähe 
des Meeres besonders mit Pflanzen geschmückt, die auch Patagonien eigenthüm- 
lich sind; dahin gehören Oxalis enneaphylla, eine kleine Calceolarıa mit einer 
einzigen grossen Blüthe, ein gelbes Veilchen etc. In derselben Zeit sind auch 
die Haiden und Grasflächen mit weissen Primeln und mit, dem Löwenzahn 
ähnlichen, aber weissen Blüthen bedeckt, die einen schönen benzoinartigen Ge- 
ruch verbreiten. Charakteristisch sind die ungemeine Menge Flechten, unter 
denen die Usnea melaxantha auf den Gipfeln der nackten Felsen ein förmliches 
Miniaturgebüsch bildet. Wie Dr. Hooker a. a. O. sagt, findet man nirgends 
das Seegras in solcher Menge, als an der Ostküste der Falkland-Inseln, Die 
wirklich riesigen Massen bestehen hauptsächlich aus Macrocystis pyrifera, die 
auf den Kerguelen heimisch sein soll, aus Lissonia und d’Urvillea utilis. Die 
Gattung Lissonia (nach dem Botaniker der Expedition Freycinet’s so benannt) 
ist eine wahrhaft gigantische Seegrasart, deren Wachsthum ganz mit dem eines 
Baumes übereinstimmt. Sie scheint nur den Falkland-Inseln und dem Cap Horn 
eigenthümlich zu sein, wird bis 3 Met. lang und trägt 0.6 bis 1 Met. lange 
Blüthen, welche gleich den Zweigen einer Weide in das Wasser herabhängen, 
Sie wächst auf fast jedem Felsen in der Nähe der Falkland-Küsten, sowohl in 
den Häfen und Buchten, als auch an der offenen Küste und wird dadurch dem 
Seefahrer ein sicheres Kennzeichen von Untiefen. 
R Ueber die auf den Falkland -Inseln angetroffene Thierwelt berichtet Herr 
eimer:! 
„Wilde Thiere sind auf den Falkland-Inseln schon zur Zeit ihrer Ent- 
deckung durch John Davis 1592 nicht angetroffen worden; jedoch ist das Rind- 
vieh, welches von den Franzosen der Expedition unter Bougainville im Jahre 
1764 dort ausgesetzt, aber bald darauf im Stich gelassen wurde, in der Frei- 
heit verwildert. Bei der starken Vermehrung desselben sieht man noch jetzt 
Horden wilden Rindviehs, trotz der vielen Nachstellungen der jetzigen Bewoh- 
ner der Falkland-Inseln, umherlaufen. Aber auch das gezähmte Rindvich, sowie 
die Pferde, sind Sommer und Winter in Freiheit; will man das Rindvieh melken 
oder schlachten, so muss man die Thiere erst einfangen, in derselben Art, wie 
die Gauchos in den Pampas Süd - Amerikas verfahren. Die auf die Falkland- 
Inseln eingeführten Pferde kommen aus Patagonien, von wo sie durch Tausch 
eingehandelt werden, Man hat neuerdings begonnen, das Guanaco und. zwar
	        
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