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Winden ein, jedoch bringen auch südliche und selbst die sonst seltenen öst-
lichen Winde heftige Regengüsse. Selten hält der Regen länger als 5—6 Stun-
den an.
Aus vielfachen Vergleichen von Schiffsjournalen der Walfischfahrer und
namentlich von dem eines Missionsschooners, der auf der Haupt-Missionsstation
stationirt ist und monatlich eine Reise nach der Missionsstation Uschovia im
Beagle-Fahrwasser macht, mit meinem Journal habe ich gefunden, dass der
Wind bei den Falkland-Inseln identisch ist mit dem Winde ausserhalb der In-
seln bis zu der Patagonischen Küste und südlich herunter bis zu Staaten-Island.
Hier tritt der NW und West der Falkland-Inseln gewöhnlich als WSW—WNW
auf, zuweilen als SW und SSW. Vor der Drehung nach SSW treten indessen
gewöhnlich einige Stunden hindurch flaue herumlaufende Winde ein. Die Aende-
rung des Wetters und des Windes tritt hier bei den Falkland-Inseln so rasch
ein, dass man keine Vorzeichen für dieselben aufstellen kann. Die Bewohner
von Stanley haben ihren besten Wetterdeuter am Rindvieh. Das wilde und
zahme Rindvieh, welches sich stets im Freien aufhält, kommt nämlich vor dem
Eintreten der südlichen Winde über den hohen Bergkamm, welcher Port Stanley
nach Süden einschliesst. Sieht man also das Vieh auf dem Gebirgskamm, so
ist südlicher Wind zu erwarten.“
3. Die Naturerzeugnisse der Falkland-Inseln.*)
Die beiden grösseren Inseln Ost- und West-Falkland enthalten Süss-
wasserseen, Quellen und Flüsse in grosser Menge. Die grösseren Flüsse sind
auf Ost-Falkland, so z. B. der San-Carlos-Fluss, welcher in Port San Carlos
mündet, auch 8 Meilen weit schifibar ist und in einem sehr gewundenen Laufe von
50 Meilen die Gewässer der Insel im Westen von Port San Salvador ableitet;
und der Matson-Fluss, welcher auf dem 700 Meter hohen Berge Usborne, dem
höchsten der Falkland-Inseln, entspringt und nach einem Laufe von 18 Meilen
in Port San Salvador mündet.
Die Basis der Erhebungen und .Berge ist aus Quarz gebildet, während
an deren Fusse Thonschiefer und Sandstein lagern. Ein grosser Theil des
Bodens ist tiefer Torfmoor, und der übrige Theil besteht grösstentheils aus
einer feinen, dunkelbraunen oder schwarzen moorigen Krdschicht von 0.2 bis
0.6 Met. Dicke, unter welcher entweder rother grober Thon oder weisser Thon
liegt. Der Boden auf Quarz ist meistens feucht und sumpfig, mit grobem Gras-
und Mooswuchs und sehr tiefem Torfmoor. Der Boden auf Thonschiefer trägt,
da dieser poröser, trockener und erdiger ist, feinere Gräser und Torfmoore, die
nur wenige Fuss mächtig sind. Dieser Boden bildet dort, wo Moor mit dem
Thon gemischt ist, das beste Land mit dem grünsten, dichtesten und feinsten
Graswuchse. Solches Land findet man an den Mündungen der Flüsse, wie z. B.
bei Port San Carlos, Port Sussex, Port San Salvador.
Der Torf ist ein höchst wichtiges Erzeugniss der Falkland-Inseln, indem er
das einzige Brennmaterial abgiebt, da Bäume und Sträucher nicht vorhanden sind.
Gräser bilden die Hauptvegetation der Inseln und bedecken während des gan-
zen Jahres die Hügel, Moorflächen, Ebenen, Küsten und die bei letzteren liegen-
den kleinen Inseln. Unter diesen Gräsern ist eine für die Bewohner sehr wich-
tige Graspflanze zu erwähnen, welche besonders schön auf den kleinen Inselchen
vorkommt, nämlich das Riesengras Tussac (Festuca flabellata). Dasselbe erreicht
die gigantische Höhe von 1.s bis 2 Met. und mehr, und steht mit. seinen
0.25 Met. dicken Halmen oder Blättern so dicht und kräftig nebeneinander, dass
man bei seinem Anblick Bodenbeschaffenheit und Klima der Inseln vergessen
kann und Palmenbildungen der Tropen zu sehen glaubt. Jede Pflanze dieses
Grases bildet einen förmlichen Hügel, in einander verwachsene Halme, die
*) Wir haben hierbei ausser den von Herrn Reimer eingesandten Notizen noch einige An-
gaben in einem die Falkland - Inseln erschöpfend behandelnden Artikel der Zeitschrift „Unsere
Zeit“ Bd. IV, 1860 pag. 121 #f. und die botanischen Notizen über die Falkland - Inseln von
Dr. Hooker in dem II. Bande von Sir J. Ross, Vogage to the Southern Sea etc, benutzt, Eine all-
zemeine Beschreibung der Falkland-Inseln findet man in Findlay’s Sailing Direct. of the S.,
Atlant. pag. 229 f&. und in South America Pilot Part XI, (1874) pag. 310 #. auf welche wir
hiermit verweisen. A. a. R.