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Luftdruck in mm 700 -+
Jan, Febr. März April Mai Juni Juli August Sptbr. Octbr. Novbr. Dzbr. Jahr.
48,3 50.9 488 496 49.5 530 499 4938 539 5831 497 476 503
Die französische Corvette „Z’Uranie“, welche in den Jahren 1817— 1820
unter dem Befehle des Capitain Louis de Freycinet zum Zwecke wissen-
schaftlicher Forschung eine Weltumsegelung unternommen hatte, war im Februar
1820 in der von Freycinet so genannten „Anse de la Providence“ in der Baie
Francaise (Uranie-Bai) im Berkeley Sound in 51° 35‘ Süd - Br. und 58° 27
West-Lg. von Greenw. gescheitert und die Expedition musste vom 15. Februar
bis zum 27. April auf dem Wrack der „Uranie“ verweilen, um auf einem mittler-
weile gecharterten Schiffe „Mercure“, welches den Namen „la Physicienne“ er-
hielt, nach Europa zurückzukehren. Während dieser Zeit von 73 Tagen wurden
regelmässige Windbeobachtungen gemacht. Von den 365 Beobachtungen in der
Zeit vom 15. Februar bis 27. April 1820 (s. Voyage autour du monde etc.
Exeecute sur les corvettes de S. M. „’Uranie“ et „la Physicienne“, pendant les
annees-1817—1820, publie par L. de Freycinet. Meteorologie. 1844. pag.
614—615) fallen auf:
N NNE NE ENE E ESE SE SSE S SSW SW WSW W WNW NW NNW
11 10 14 3 1 — 9 18 25 18 43 39 43 41 82 8
Hiernach sind während des dortigen Spätsommers und Herbstes (Februar
bis April) die Winde aus SW bis NW die häufigsten gewesen. Nach den Be-
merkungen Freycinet’s über die Winde bei den Malouinen oder Falkland - Inseln
(s. a. a. O0. Navigation et Hydrographie, Part. I, 1826, pag. 275 ff.) haben diese
Winde mit grosser Stärke und in heftigen Stössen geweht. Nur der SW-Wind
hielt mit gleicher Stärke 24 Stunden an, ja öfters sogar mehrere Tage hindurch.
Der NW-Wind erhob sich gewöhnlich gegen 8 Uhr Morgens, nahm allmälig zu
bis 2 oder 3 Uhr Nachmittags, wurde dann schwächer und schwächer, bis wäh-
rend der Nacht Windstille eintrat. Dies fand aber nur statt, sobald der Him-
mel wolkenfrei war; bei bedecktem Himmel oder wenn die Berge im Westen
und Südwesten (der Uranie-Bai) von einem Wolken- oder Nebelschleier verhüllt
waren, blieb der Wind aus NW in dieser Richtung ebenfalls bis 2 oder 3 Uhr
Nachmittag, drehte sich aber alsdann unmerklich und setzte sich entweder im
SW oder SSW fest, wobei er nie die Grenzen zwischen Süd und WSW über-
schritt. Hierauf bedeckte sich der Himmel vollständig und der Regen fiel sehr
reichlich hernieder. Bei diesen Winden aus SW und SSW machte sich auch
die Kälte am meisten fühlbar; gegen Ende April trat schon empfindlicher Frost
ein. Oft herrschten dichte Nebel, welche sich am Horizonte hielten, so lange
Windstille war oder nur leichte Winde wehten. Sie traten gewöhnlich ein,
wenn die Winde von See her aus NE oder SE durch Ost wehten, und drangen
aber nur selten bis in das Innere der Bai vor, wogegen die hohe Dünung sehr
häufig die Schiffbrüchigen der „Uranie“ heimsuchte. Während des Winters
sollen die Windstösse aus Ost sehr heftig sein und die in der Bai liegenden
Schiffe in Gefahr bringen.
Die Wahrnehmungen, welche Fitztroy auf dem „Beagle“ im Jahre 1833
über die auf den Falkland - Inseln herrschenden Winde gemacht hat, stimmen
für die betreffenden Monate mit den von Freycinet mitgetheilten ganz überein
(s. Findlay’s Sailing Directions for the South Atlantic Ocean, 1867, pag. 232
bis 236). * Auch Herr Reimer hat dieselben Windverhältnisse während seines
fast siebenmonatlichen Aufenthaltes zu Port Stanley vorgefunden. Er schreibt
darüber in seinem oben erwähnten Berichte:
„Im Sommer treten die Winde härter und stärker auf, als im Winter.
Selten ist; ein stiller Tag, oder auch nur ein Tag mit leichtem Winde. Wäh-
rend meiner Anwesenheit in Port Stanley (vom 13. September 1872 bis 23. März
1873) hatte ich in der Woche ungefähr nur zwei Tage, an denen die Ladung
in einem Hulk auch nur nothdürftig übergenommen werden konnte; sehr selten
ist es möglich, wenn man nicht dicht mit dem Schiffe am Lande liegt, ein Boot
mit nur zwei Mann Besatzung an das Land befördern zu können. Vorherrschend,
man kann sagen ähnlich regelmässig wie die Passatwinde, sind die Winde aus
NW und SW. Erstere bringen die höhere Temperatur mit sich. Die NW-Winde
erreichen des Mittags ihre grösste Stärke und schwächen gegen Abend ab; nicht
selten folgt ihnen eine stille Nacht. Regen tritt gewöhnlich mit westlichen